Archiv 04.09.2002

Ein Paradies für Kühe

Ein Paradies für Kühe

Expoagricole auf der Arteplage Murten informiert über die Mutterkuhhaltung

Die Mutterkuhhaltung stellt eine Alternative zur herkömmlichen Art der Fleischrinderhaltung dar. An der Expoagricole auf der Arteplage Murten soll vom 6. bis 8. September die Bevölkerung informiert und das schlechte Image der Rindfleischproduktion beseitigt werden.

Von ILONA STÄMPFLI

In den USA und Frankreich ist die Mutterkuhhaltung für die Fleischproduktion gang und gäbe. Auch in der Schweiz haben viele landwirtschaftliche Betriebe auf diese tierfreundliche Haltung umgestellt und machen damit einen Schritt zurück zur «Urform» der Rinderhaltung.

Hans-Ruedi Lobsiger, Landwirt in Buchen (Wünnewil), kennt von all seinen 35 Kühen die Namen und er weiss genau, welches Kalb zu welcher Mutterkuh gehört. «Bei der Mutterkuhhaltung ist es wichtig, dass man seine Tiere kennt, sie im Auge behält und beobachtet, um frühzeitig zu merken, wenn es einem Tier nicht gut geht», sagte er anlässlich einer Visite.

Die Mutterkuhhaltung ist eine spezielle Art der Fleischrinderhaltung. Im Vordergrund steht die natürliche Tierhaltung und Fütterung. Die Kälber werden nach der Geburt nicht von ihrer Mutter getrennt, sondern sind bis zu zehn Monaten an deren Seite und ernähren sich ausschliesslich von der Muttermilch, später auch von Gras und Heu. «Die Mutterkühe entwickeln einen sehr starken Mutterinstinkt. Sie lassen nur ihr eigenes Kalb an das Euter», erklärt Lobsiger. Wichtig sei auch die Freilandhaltung der Tiere. Im Sommer bleibt die Herde fast ununterbrochen auf der Weide, und auch im Winter sind die Kühe mindestens eine Stunde pro Tag im Freien und benützen selbstständig den Auslauf. Jedes Kalb wird nach seiner Geburt markiert und registriert, nicht zuletzt, um eine erfolgreiche Zucht zu ermöglichen.

Schlechtes Rindfleisch-Image

Natura-Beef und SwissPrimBeef ist der Ertrag dieser Mutterkuhhaltungsproduktion. Diese Marken sind in Verbraucherkreisen bekannt und haben sich trotz des schwierigen Umfelds der Fleischbranche einen Namen gemacht. Die SVAMH (Schweizerische Vereinigung der Ammen- und Mutterkuhhalter) lässt die Produktion des Qualitätsproduktes aufs Genaueste kontrollieren. Im Kanton Freiburg zählen 95 Betriebe zur Vereinigung, schweizweit sind es über 3000. Ursula Freund-Ingold, Zuständige im Bereich Kommunikation der SVAMH, will zur Verbesserung des Rindfleisch-Images beitragen, welches seit den BSE-Fällen sehr gelitten hat. «Das Fleisch soll in der Schweiz wieder als Genussmittel gelten. Dafür ist die Information und Aufklärung über die Fleischproduktion bei der Bevölkerung notwendig», meint Freund.

Kontrolle durch die SVMAH

Damit ein Landwirt in einem der Markenprogramme der SVAMH mitmachen kann, muss er einen ökologischen Leistungsnachweis erbringen. Der Einsatz von wachstumsfördernden Zusatzstoffen und gentechnisch veränderten Futtermitteln ist verboten, und für eine Mutterkuh sollen nicht weniger als 50 Aren Grasland zur Verfügung stehen. Obwohl die Präsenzzeiten bei der Arbeit flexibler sind als in der Milchwirtschaft und dadurch den Landwirten mehr Zeit für Nebenerwerbstätigkeiten bleibt, ist die Mutterkuhhaltung kein Zuckerschlecken. «Viele Bauern haben auf Mutterkuhhaltung umgestellt, weil sie glaubten, sie kämen damit schneller und bequemer zu Geld», meint Lobsiger, «aber das stimmt nicht; ein schlechter Milchviehhalter ist auch ein schlechter Mutterkuhhalter.»

Werbung an der Autobahn

Anfangs August warb neben der Autobahn A 12 kurz vor Wünnewil eine sieben Meter hohe Pyramide für die Expoagricole. Die rund verpackten Strohballen hat Hans-Ruedi Lobsiger mit Beat Burren aufgestellt. Auf innovative Art und Weise wurde so auf die Beef.02 in Murten aufmerksam gemacht. Kürzlich musste jedoch die Werbung wegen gesetzlichen Bestimmungen abgebrochen werden. Gut leserliche Reklamen im Bereich von Autobahnen und Autostrassen seien unzulässig, schrieb das Oberamt des Sensebezirks an Lobsiger. Ursula Freund bedauert, dass hier nicht mehr Verständnis gezeigt wurde. Da das Marketingbudget der SVAMH beschränkt sei, habe man einzelne Bauern um ihre Hilfe für die Werbung gebeten. Und nicht zuletzt sei diese Strohballenpyramide ja auch Werbung für die Expo.02 gewesen, meint sie.

Beef.02 an der Expoagricole

Jedes Jahr organisiert die SVAMH mehrere Anlässe für die Landwirte, aber auch für ein breites Publikum. Dieses Jahr treffen sich die Mutterkuhhalter an der Expoagricole in Murten. Auf dem Zuchtstiermarkt am 6. September werden rund 80 Stiere vorgestellt, beschrieben und anschliessend an einer Auktion versteigert. Die Tiere werden von den Bauern sorgfältig für die Züchtung ausgewählt. Auch Hans-Ruedi Lobsiger wird mit einem seiner Stiere der Rasse Limousin am Zuchtstiermarkt auftreten. Zwei bis drei Wochen brauche man, um einen Stier auf diesen Anlass vorzubereiten, erklärt er. Die Tiere müssten einen einwandfreien Charakter aufweisen und sich unter vielen Menschen ruhig verhalten können, sonst sei eine solche Ausstellung zu gefährlich.