Archiv 24.06.2000

Veränderungen mitgetragen

Als Susanne Schmutz vor 36 Jahren ihre berufliche Karriere begann, bedeutete das Fach Handarbeit noch «Stricken, Stopfen und Nähen für Mädchen.» Zum Abschied von der Schule überreichten ihr gestern zwei Fünftklässler einen Pullover im Maxi-Look - heute stricken auch die Knaben.

Bösinger Handarbeitslehrerin tritt in den Ruhestand

Autor: Von ANTON JUNGO

Freiburg, Givisiez, Düdingen, St. Gallen waren die Stationen, die Susanne Schmutz durchlief, bevor sie 1971 an der Schule in Bösingen ihre Lebensstelle fand. Sie konnte damals im neu errichteten Schulhaus ein eigens dafür geschaffenes Handarbeitszimmer beziehen - auch wenn man vergessen hatte, das Zimmer mit entsprechenden Tischen auszurüsten.

Nach eigenen Berechnungen hat Susanne Schmutz im Lauf ihrer Karriere rund 5000 Kinder unterrichtet. Allein in Bösingen arbeitete sie unter fünf Schulpräsidenten und mit 70 Lehrpersonen zusammen. Ihr früherer Lehrerkollege und heutige Gemeinderat, Peter Portmann, rühmte gestern ihre Kreativität, ihre Exaktheit und den Sinn für das Schöne. Sie sei immer bemüht gewesen, eine menschliche und persönliche Note in den Unterricht einzubringen, führte er weiter aus und dankte ihr für das langjährige Engagement.

Auch Knaben
das Stricken beigebracht

«36 Jahre Unterricht in der Schule, das ist eine Leistung, die grosse Anerkennung und hohen Respekt verdient», betonte die Schulvorsteherin Yvonne Jungo. In dieser langen Zeitspanne hat sich die Schule und das Fach Handarbeit im Besonderen verändert. Mit grosser Offenheit und einer gesunden Skepsis hat Susanne Schmutz diese Veränderungen mitgetragen. Sie war bereit, sich in Kursen immer wieder neues Wissen und neue Techniken anzueignen - und dies auch ausserhalb ihres Fachbereichs.

Die wohl einschneidenste Veränderung war gemäss Yvonne Jungo die Einführung des koedukativen Unterrichts. «Ich kann mich noch gut an die Diskussionen anfangs der achtziger Jahre erinnern», führte sie aus. In der Folge durften dann die Knaben am textilen Handarbeitsunterricht teilnehmen und die Mädchen im Werken nach Herzenslust drauflos hämmern. Wie Schulinspektorin Lisbeth Spring erklärte, staunte sie bei ihren Besuchen immer wieder über die klaren Arbeitsaufträge, die Susanne Schmutz erteilte, und über die neuen Methoden, die sie im Unterricht anwandte.
Die Schulvorsteherin dankte ihrer Kollegin für den jahrzehntelangen Einsatz zum Wohl der Schule. Sie dankte dabei auch für die jahrelang gewissenhaften Führung der Schulklassen und vor allem für die jeweilige Gastfreundschaft beim Schulschlussfest der Lehrpersonen. Susanne Schmutz dankte ihrerseits für die gute Zusammenarbeit und die Kollegialität. Einen besonderen Dank richtete sie an ihre Familie, die ihrer Arbeit verständnisvoll gegenüberstand. Sie hatte nur gerade eine zweijährige Familienphase eingeschaltet und widmete sich dann wieder dem Unterricht. Für die damalige Zeit hat sie gemäss Yvonne Jungo auch in dieser Beziehung eine Pionierleistung vollbracht.
Die Schülerinnen und Schüler bereiteten ihrer Handarbeitslehrerin einen herzlichen Abschied. Nachdem sie dem Smart entstiegen war, überreichten sie ihr Blumen mit persönlichen Wünschen und geleiteten sie in die Sporthalle. Mit Liedern und Tänzen nahmen sie Abschied.