Archiv 06.04.2002

Grosser Schock für Gottéron

Grosser Schock für Gottéron

Hiobsbotschaft für Gottéron: Lars Leuenberger verlässt den HCF trotz laufendem Vertrag und kehrt zum SC Bern zurück.

Von BRUNO RAEMY

Der 27-jährige Flügelstürmer Lars Leuenberger besitzt zwar bei Gottéron noch einen Vertrag für zwei Saisons, trotzdem hat Freiburgs zweitbester Skorer hinter Gaul jetzt beim SC Bern einen Vertrag für zwei Jahre unterschrieben. Leuenberger wurde in seinen beiden Saisons in Freiburg zu einer wichtigen Teamstütze und avancierte zum Publikumsliebling. In 98 Spielen erzielte er 29 Tore und 32 Assists.

Riesige Enttäuschung beim HCF

Die Nachricht vom Wegzug Leuenbergers schlug bei Gottéron wie eine Bombe ein. Direktor Roland von Mentlen zeigte sich schwer enttäuscht: «Am Donnerstagabend haben wir erstmals davon gehört und am Freitag um 9.30 Uhr hat uns der SC Bern offiziell die Vertragsunterzeichnung mitgeteilt. Wie wir jetzt vernommen haben, standen der SCB und Leuenberger bereits seit drei Wochen in Kontakt, aber weder der Klub noch der Spieler haben uns darüber informiert. Sie haben sich uns gegenüber sehr unfair verhalten, wir können diese Art und Weise nicht einfach so hinnehmen.»

Verbandsreglement erlaubt dies

Laut von Mentlen kann Gottéron trotz gültigem Vertrag diesen Wechsel verbandsrechtlich nicht verhindern: «Das Verbandsreglement erlaubt dies. Der SCB muss einfach nur 75 Prozent mehr für den Transfer bezahlen. Leuenberger kostet somit die Berner gegen 300 000 Franken. Wir werden aber vom Verband verlangen, dass diese monetäre Hürde in Zukunft massiv erhöht wird, damit sich solche Transfers im letzten Moment nicht mehr wiederholen.»

Weitere Schritte überlegen

«Es ist eine schwierige und höchst unerfreuliche Situation», meinte Roland von Mentlen. «Ein Vertragsbruch bleibt für den Spieler leider ohne Konsequenzen. Ich werde mit dem Verwaltungsrat morgen Sonntag an einer ausserordentlichen Sitzung die möglichen Schritte gegen den SCB und Lars Leuenberger besprechen. Wir müssen die Interessen Gottérons wahren. Dies sind wir auch unseren Fans schuldig.»

Ersatz für Leuenberger?

Sucht Gottéron nun einen Ersatz für Lars Leuenberger? Von Mentlen: «Der Weggang Leuenbergers erfolgt im schlechtesten Moment. Die Transferzeit ist praktisch vorbei, die besten Schweizer Spieler stehen bereits bei einem andern Klub unter Vertrag. Wir wollen aber unserem Ruf als Ausbildnerklub weiterhin gerecht werden. Vielleicht finden wir einen jungen, talentierten Spieler, den
wir bei uns aufbauen können. Auch Leuenberger hat bei Gottéron
stark profitieren können, er hat uns viel zu verdanken. Umso mehr hat mich sein Entscheid enttäuscht, er hat auch nicht mit uns darüber gesprochen.»

«Diese Chance musste ich packen»

Lars Leuenberger meinte zu seinem überraschenden Wechsel: «Mein Ziel war es immer, in einem Topklub zu spielen. Als 27-Jähriger bekam ich nun die Riesenchance, zu einem Klub mit grossen Ambitionen wechseln zu können. In Freiburg hat es mir sehr gut gefallen, deshalb ist mir der Entscheid nicht leicht gefallen. Nach langem Überlegen habe ich mich schliesslich entschlossen, diese einzigartige Chance zu packen. Mein Entscheid erfolgt jedoch aus einem rein sportlichen und nicht aus einem finanziellen Aspekt.»