Februar 24.02.2016

Der «Lumpensammler»-Monat

In den letzten Tagen des Februars zeigen sich die ersten Vorboten des Frühlings.Bild Corinne Aeberhard
Welcher Monat heute welche Bedeutung hat, hing vor allem von der Gunst der früheren römischen Kaiser ab. Der Februar war einst der letzte Monat im Jahr und wurde verwendet, um fehlende Tage im Jahreskreislauf auszugleichen.

Der Monat Februar hat in den deutschsprachigen Ländern Europas verschiedene Namen. So wird er Horner, Taumond, Narrenmond oder Hinterster genannt. Der Name Februar stammt vom lateinischen Wort «februare», was «reinigen» heisst.

Der römische Kalender

Im römischen Kalender, der zwölf Monate kannte, war der Monat Februar der zwölfte und letzte Monat im Jahr. Das Jahr begann nämlich mit dem Frühling, genau mit dem astronomischen Frühlingsanfang am 21. März. Der letzte Monat des Jahres war zur Sühne, Besinnung und Reinigung («februare») bestimmt. Reinigungs- und Sühneopfer gab es für Lebende und Tote. Die Bezeichnung «Monat» bezieht sich auf einen Umlauf des Erdmondes um unsere Erde. Dazu benötigt der Mond 29,53 Tage (synodischer Monat)

Im alten römischen Kalender enthielten die Monate 29 oder 31 Tage (siehe Tabelle). Gerade Zahlen (30 Tage) wurden vermieden, weil sie gemäss abergläubischen Römern nur Unglück brachten. Das neue Jahr begann also mit dem Monat März. Der Name März erinnert an den römischen Kriegs- und Wettergott Martius.

 Im April öffnen sich die Blüten und Knospen, und so wurde der Name April vom lateinischen Wort «aperire», das heisst «öffnen», abgeleitet. Die Monate Mai und Juni bekamen ihre Namen von römischen Gottheiten. Der Mai war der Erd- und Wachstumsgöttin Maia und der Juni der Göttin Juno, der Gattin des Göttervaters Jupiter geweiht. Die restlichen Monatsnamen gingen ursprünglich auf römische Zahlen zurück. Der Juli war der «Quintilis», das heisst der Fünfte im Jahr, der August der «Sextilis» oder der Sechste, der September «Septem» der Siebte und so weiter.

Mit der Einteilung dieses Mondkalenders kam man nur auf 355 Tage im Jahr. Es gab mit der Zeit immer wieder grössere Abweichung zum Datum des Frühlingsanfangs, und so mussten dem Februar manchmal Tage oder sogar Wochen eingefügt werden.

Der julianische Kalender

Im Jahre 46 vor Christus war Gaius Julius Caesar der uneingeschränkte Herrscher und Feldherr der Römer. Er baute das Römische Reich aus und machte Feldzüge bis nach Ägypten. Dort lernte er von den Ägyptern einen Sonnenkalender kennen. Die Erde galt damals als Mittelpunkt unseres Sonnensystems, und die Sonne benötigte 365¼ Tage, bis sie einmal um die Erde gekreist ist. Somit wurde das zwölfmonatige Sonnenjahr in 365 Tage eingeteilt, und in jedem durch vier teilbaren Jahr (Schaltjahr) hängte man im Februar einen Tag an.

Die Monate (man müsste sie besser «Sonnate» nennen) hatten entweder 30 oder 31 Tage. Der letzte Monat blieb nach wie vor der Februar, und er bekam 28 oder in Schaltjahren 29 Tage. Dieser nach Julius Caesar benannte julianische Kalender wurde im Jahr 45 v. Chr. eingeführt und war in manchen Teilen der Welt noch bis ins 20. Jahrhundert gültig, in verschiedenen orthodoxen Kreisen noch bis heute.

Ein Monat für Augustus

Im Andenken an Julius Caesar gab man dem «Quintilis» (dem Fünften) die Bezeichnung «Julius» oder «Juli». Nach der Ermordung von Julius Caesar folgte ihm sein Grossneffe Gaius Octavius im Jahre 44 v. Chr. auf den Thron. Er war bis 11 n. Chr. als Kaiser Augustus Alleinherrscher über das Römische Reich. Wie sein Grossonkel wollte auch er angeblich in einem Monatsnamen «verewigt» werden, und zwar in unmittelbarer Nähe zu Julius Caesar. Da kam nur der «Sextilis», der sechste Monat infrage, und er hiess von nun an «Augustus» (= der Erhabene) oder «August». Der neue Monat August hatte aber im alten Kalender nur 29 Tage, und das konnte der Kaiser nicht ertragen. Er liess den Monat auf 31 Tage anwachsen, um mit seinem Grossonkel Julius Caesar gleichzuziehen.

Der neue julianische Kalender enthielt nur noch Monate mit 30 oder 31 Tagen und der Februar blieb der Monat, dem man angeblich den 31. Tag für den August entnahm, ihm aber in Schaltjahren wieder einen Tag zufügte. So ist der Februar tatsächlich bis heute so etwas wie ein «Lumpensammler-Monat» geblieben. Glück für uns, dass gemäss einer Legende Kaiser Augustus auch 31 Tage wollte, sonst könnten wir die Monate mit 31 Tagen nicht mit der «HandKnöchel-Regel» eruieren!

Gregorianischer Kalender

Der julianische Kalender galt in katholischen Kreisen bis 1582, bis zum Zeitpunkt der gregorianischen Kalender-Reform (nach Papst Gregor XIII. benannt). In der Zwischenzeit hatten Wissenschaftler wie Galileo Galilei, Johannes Keppler und andere erkannt, dass die Sonne Zentrum unseres Sonnensystems ist und alle Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen, so auch unsere Erde. Sie benötigt dabei aber weniger als 365¼ Tage pro Jahr.

Das julianische Jahr war also elf Minuten zu lang, und somit wäre der Frühlingsanfang im Jahr 1583 um zehn Tage zu spät gewesen. Damit er wieder auf den 21. März 1583 fiel, veranlasste Papst Gregor XIII. im Jahre 1582, im Kalender einen Sprung vom 4. direkt auf den 15. Oktober zu machen, das heisst, zehn Tage auszulassen. Er behielt die Schaltjahre bei und verfeinerte diese, in dem er bei den vollen Jahrhunderten nur dann Schaltjahre einführte, wenn diese wie 1600 oder 2000 durch 400 teilbar waren.

Damit ist unser Sonnenjahr so genau geworden, dass es vermutlich erst im Jahre 4600 nach Christus eine neue Kalenderreform braucht!

Mario Slongoist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Die Beiträge sind zu finden unter www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».

Mario Slongo. Bild Aldo Ellena/a