Stadtführungen 29.06.2015

Nachhaltig, aber kein Ökohippie

Die Posten sind nicht nur lehrreich, sie machen auch Spass.Bild zvg
Ab Herbst leitet Typisch-Jung-Autorin Michelle Meier in Freiburg Stadtführungen zum Thema Konsum und Globalisierung. Zur Inspiration hat sie in Bern eine solche besucht.

 «Ich entscheide mich für die Agnesi-Bolognese-Sauce und gegen die M-Budget gehackten Tomaten, weil die Qualität von M-Budget doch meistens weniger gut ist.» So argumentiert einer der 15 Berufsschullehrer, die sich an diesem Mittwochmorgen bei einer Stadtführung von «konsumGLOBAL» inspirieren lassen wollen, um ihren Schülern Nachhaltigkeit näherzubringen. Doch wer wirklich auf Nachhaltigkeit achten will, kauft die gehackten Tomaten und fügt das Fleisch selber hinzu, erklärt uns unser Stadtführer Risto, ein Philosophiestudent. In diesem ersten Posten, der Inhaltsstoffe und Kleingedrucktes thematisiert, lernen wir, auf was man beim Einkauf achten sollte, um keine versteckten Konsumsünden in den Einkaufskorb zu legen.

Beim zweiten Posten, der vor einem hippen ökologischen Kleiderladen stationiert ist, verfolgen wir den Weg der Jeans einmal rund um den Globus. Was bedeutet es, wenn auf unserer Label-Etikette steht, unsere H&M-Jeans sei in Bangladesch hergestellt worden? Das sagt uns so gut wie nichts, was uns bewusst wird, sobald wir uns mit Bildern der verschiedenen Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge hinstellen. Baumwolle aus Indien wird in China gesponnen, in Taiwan gefärbt, in Polen gewoben. Unsere Jeans wird in Schweden designt und mit Accessoires und Washing-Labels aus etlichen Ländern versehen. Zugeschnitten und genäht wird sie in Bangladesch, dem einzigen Land, das auf der Etikette erwähnt wird. 75 Badewannen gefüllt mit Wasser braucht es für eine einzige Jeans. Risto fragt uns nach Problemen in den einzelnen Arbeitsschritten. Unsere Diskussion versinkt sofort in Pestiziden, unfairen Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten, eine fairere Jeans zu unserer Lieblingsjeans zu küren.

Wertvolle Ware im Abfall

Beim dritten Posten geht es um Food-Waste. Bei einem öffentlichen Kühlschrank im Lorraine-Quartier erklärt uns Risto, dass ein Drittel aller geniessbaren Lebensmittel im Abfall landet. Die Lehrer vermuten, dass die Gastronomie und der Detailhandel die Hauptverursacher sind und reissen geschockt die Augen auf, als sie erfahren, dass 45 Prozent aller Abfälle durch uns, die Haushalte, produziert werden. Eine gute Nachricht, findet Risto, so können wir wenigstens etwas dagegen tun. Er verteilt allen Bilder mit Lebensmitteln darauf: Ein Brot ohne Anschnitt, ein Multipack von Caramel-Flans, ein abgelaufenes Joghurt, eine schwarz gefleckte Banane. Der Auftrag lautet, die Produkte zu vermarkten, obwohl sie die Mehrheit der Anwesenden vermutlich wegwerfen würde. Voller Kreativität erfinden die Lehrer Slogans für verkrüppelte Birnen: «Denn nur die inneren Werte zählen», oder «ein Original so einzigartig wie Sie».

Die Posten, für Jugendliche ab 13 Jahren gedacht, sind interaktiv und lustig. Fakten sind in Vergleiche umgesetzt, damit sie in den Köpfen hängen bleiben. Das Ziel der Stadtführungen ist es, die globalen Auswirkungen des Konsums aufzuzeigen und Möglichkeiten für einen nachhaltigen Konsum zu diskutieren. Die Stadtführer – übrigens zum Teil Fleischesser und alle ohne Filzhosen – versuchen mit einem gesunden Mass zu schockieren und auf die Probleme aufmerksam zu machen. Es geht um den Verzicht auf Dinge, die nicht notwendig sind und ersetzt werden können durch umweltschonende Handlungen. Wer mit anpackt und reduziert, wo es leicht fällt, kann seine Shoppingtour nämlich plötzlich noch mehr geniessen.

Zahlen und Fakten

Für Jugendliche ab 13 Jahren

«konsumGLOBAL» ist ein Projekt vom Ökozentrum, das Führungen zu Konsum und Globalisierung in Basel, Zürich, Bern und Freiburg anbietet. Die Rundgänge von und für junge Leute zeigen Fakten und Hintergründe auf und hinterfragen das Konsumverhalten kritisch. Neben der Vermittlung von Wissen steht die Anregung zur kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten im Zentrum. Ab dem Schuljahr 2015/16 werden die Stadtführungen in Freiburg angeboten. Sie werden von Studenten durchgeführt und sind für Schüler ab 13 Jahren geeignet. Ein Schüler zahlt 5 Franken, Erwachsenengruppen pauschal 250 Franken.mm