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Argloser Umgang mit Plastikgeld

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Argloser Umgang mit Plastikgeld

Wie gross ist Schuld der Türkenbande?

Werden die sechs angeklagten Kreditkarten-Betrüger mit bedingten Gefängnisstrafen davonkommen, weil die Kontrolle fehlte? Das Urteil des Saanegerichts gegen die Türkenbande fällt am Freitagabend.

Von CHRISTIAN SCHMUTZ

Wenn sechs gegen einen antreten, ist dies vor Gericht weder unfair, noch muss der Alleinige zwingend verlieren. Jean-Marc Sallin, Substitut der Staatsanwaltschaft, konnte nämlich fünfmal zu einer Anklagerede antreten. Sechsmal wurden die Männer auf der Anklagebank auch mit Vehemenz verteidigt. Nicht selten wurde dabei aber für die Weisswaschung des eigenen Klienten die Schuld auf die Mitangeklagten gewälzt, was wiederum Solokämpfer Sallin zugute kam.

Sallin hat 3,5 Jahre unbedingt und zehn Jahre Landesverweis für den jüngeren, heute 25-jährigen Bruder gefordert (FN vom Dienstag). Dessen älterer Bruder soll 12 Monate bedingt ins Gefängnis, der Vater der beiden 14 Monate unbedingt. Vor Gericht stehen auch drei Freunde der Familie. Diese will Staatsanwalt Sallin für 18 Monate bedingt, 12 Monate unbedingt sowie sechs Monate bedingt in Haft setzen.

Karte und Unterschrift nicht geprüft

Die sechs Verteidiger der Angeklagten haben – ohne Zahlen zu nennen – gnädigere und bedingte Strafen gefordert. Als Hauptgrund dafür haben sie die fehlende Kontrolle der Kreditkarten-Institute sowie des Verkaufs- und Servierpersonals angegeben. «Das Strafgesetz schützt nur Personen, die ein Minimum an Vorsicht walten lassen», sagt Anwaltspraktikant Philippe Genoud. «Verkäufer und Servierer müssen Karte und Unterschrift überprüfen.»

Nach der ersten Staffel von Plädoyers am Montag waren gestern der Vater und einer der Kollegen an der Reihe. Die beiden hatten gemeinsam mit einem dritten Mann in einem Fitnesscenter Grossfreiburgs Kreditkarten entwendet und hinter einem Vorhang deren Daten auf leere oder andere Kreditkarten kopiert. So hatten sie in Nachtclubs der ganzen Schweiz bezahlen und Bargeld wechseln können.
Für den Vater ergab sich eine Deliktsumme von fast 100 000 Franken, für den Helfer je nach Standpunkt 82 000 (Staatsanwalt) oder 36 000 Franken (Verteidiger). Bei ihm stellte sich auch die Frage, ob er am Betrug bzw. am betrügerischen Gebrauch eines Computers Mittäter oder nur Komplize war. «Er war zuunterst in der Hierarchie und war nur der Ausführende für andere», sagte Verteidiger Genoud, der für «Komplize» plädierte. Der 28-jährige Familienvater arbeite nun als Küchenhilfe in Romont und verdiene eine bedingte Strafe.
Da war Staatsanwalt Jean-Marc Sallin anderer Meinung. Nach drei Vorstrafen wegen Cheque-Betrugs, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Alkohol am Steuer sei es nun Zeit für eine unbedingte Gefängnisstrafe.
Eine ähnliche Diskussion gab es zum Strafmass des ältesten der türkischen Angeklagten. Der Vater zweier weiterer Angeklagten solle ohne Bewährung ins Gefängnis, forderte Sallin. Er habe gelogen, andere belastet und bedroht. Die Aussichten für eine Besserung seien schlecht.

«Er hat nicht die Rolle gespielt, die ihm zugerechnet wurde», sagte dessen Verteidiger Laurent de Bourgknecht. Er versuchte Lücken in der Indizienkette zu finden und belehrte das Gericht um Präsident Pierre-Emmanuel Esseiva: «Wenn nur der geringste Zweifel an der Wahrheit herrscht, dann muss der Angeklagte freigesprochen werden.»

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