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«Auch die Fotografen brauchten Mut»

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«Auch die Fotografen brauchten Mut»

Autor: Carole Schneuwly

Wer den Bau der Poyabrücke in der Stadt Freiburg verfolgt, gerät unweigerlich ins Staunen über die Dimensionen des Bauwerks und über die logistischen und technischen Meisterleistungen, die hier erbracht werden. Die Faszination von solchen Grossbaustellen ist nicht neu. Das zeigt auch die aktuelle Ausstellung in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg: Knapp 100 Fotografien aus der Sammlung Johann und Jean Mülhauser dokumentieren die Entstehung der Staumauern von Rossens und Schiffenen sowie der Magdalena-Brücke.

Ein Stück Geschichte

Die Bilder verdeutlichen die Dimensionen der Mauern, Stollen und Gerüste, sie zeigen den beschwerlichen und gefährlichen Alltag der Arbeiter auf den Baustellen, sie halten fest, wie die neuen Grossbauten die Landschaft für immer veränderten und wie Politiker und Geistliche die Errungenschaften der Technik feierten.

Die Ausstellung illustriert ein wichtiges Stück Freiburger Zeitgeschichte, denn alle drei Bauten haben die Entwicklung des Kantons entscheidend geprägt. Sie stehen für eine Zeit, in der Freiburg sich wirtschaftlich und demografisch stark entwickelte und die Basis für die sogenannten «glorreichen Jahre» der Freiburger Wirtschaft in den 1970er- und 1980er-Jahren geschaffen wurde. Alle drei Bauvorhaben führten zu heftigen politischen Debatten und zu Widerstand aus der Bevölkerung, doch am Ende setzten sich die Befürworter durch, und es entstanden Bauten, die das Gesicht des Kantons veränderten und die heute nicht mehr wegzudenken sind.

Die Ausstellung zeugt aber nicht nur von wichtigen historischen Entwicklungen, sondern auch von einem einzigartigen fotografischen Schaffen: Die Sammlung Mülhauser, welche die Kantons- und Universitätsbibliothek 2002 erworben hat, zählt einige Hunderttausend Negative und reicht von den 1920er-Jahren bis in die Gegenwart. Über 70 Jahre lang haben Johann Mülhauser (1902–1966), der Vater, und Jean Mülhauser (1932–2004), der Sohn, alle Aspekte der Entwicklung der Region festgehalten – von Industrie und Technik über Landschaft und Landwirtschaft bis zum Kirchen-, Vereins- und Privatleben. Presse-, Reportage-, Kunst- oder Porträtfotografie: Das Repertoire der Mülhausers, die ihr Atelier an verschiedenen Standorten in der Stadt Freiburg von 1927 bis 1999 betrieben, war schier grenzenlos.

Waghalsige Arbeit

Betrachtet man die Bilder von den Grossbaustellen, ahnt man auch, wie schwierig die Arbeitsbedingungen bisweilen für die Fotografen waren. Paul Mülhauser, der Enkel von Johann und Sohn von Jean Mülhauser, bestätigt das bei einem Rundgang durch die Ausstellung: «Die Arbeiter, die kaum geschützt und schlecht gesichert zu Werke gingen, brauchten Mut, aber auch die Fotografen, die sie dabei begleiteten.»

Sein Vater habe oft von waghalsigen Fotoabenteuern erzählt, aber auch von technischen Schwierigkeiten. «Fotografierte er in Stollen oder Tunneln, musste er kilometerlange Stromkabel für die Lampen mitnehmen.»

Alte Kameras und andere Ausrüstungsteile und Utensilien zeugen in der Ausstellung von den Bedingungen, unter denen Johann und Jean Mülhauser arbeiteten. Ein Grossteil der gezeigten Bilder entstand noch auf Glasplatten, die heute in der Kantons- und Universitätsbibliothek konserviert sind. Mitte der 1960er-Jahre habe sich dann allmählich der Rollfilm durchgesetzt, so Paul Mülhauser.

Grosse Bildauswahl

Die 100 Fotografien, die in der Ausstellung und im begleitenden Katalog zu sehen sind, sind nur ein kleiner Teil all der Bilder, die Vater und Sohn Mülhauser auf Baustellen im Kanton Freiburg und auch ausserhalb des Kantons gemacht haben. «Wir mussten aus Tausenden von Bildern auswählen», sagt Claudio Fedrigo, der Verantwortliche für die Freiburger Fotosammlungen bei der Kantons- und Universitätsbibliothek.

Zusätzlich zu den Fotoabzügen sind in der Ausstellung rund 250 weitere Fotos in digitaler Form auf Bildschirmen zu sehen. Mehr als 3000 Bilder aus der Sammlung Mülhauser sind ausserdem über die Internetseite der Bibliothek zugänglich (www.fr.ch/kubf).

Kantons- und Universitätsbibliothek, Joseph-Piller-Gasse 2, Freiburg. Bis zum 10. März 2012. Mo. bis Fr. 8 bis 22 Uhr, Sa. 8 bis 16 Uhr. Kommentierte Führungen: 15.12., 26.1. und 16.2., jeweils 12.30 Uhr (Französisch); 10.1., 18.30 Uhr (Französisch); 7.2., 18.30 Uhr (Deutsch).

Katalog: «Die Grossbaustellen der Mülhauser: Rossens – Schiffenen – Madeleine»: 160 Seiten, 98 Abbildungen, Texte auf Deutsch und Französisch. 45 Franken.

Magdalena-Brücke: Pfeiler während der Betonierung, hinten die Grandfey-Brücke (Juni 1963). Die Pfeiler mussten vor der Flutung des Schiffenensees fertiggestellt sein.Bilder KUB Freiburg/Fonds Mülhauser

Zahlen und Fakten

Die Staumauer von Rossens

Der erste Entwurf für eine Staumauer zwischen Rossens und Pont-la-Ville lag1913 vor.1941 entwarf Ingenieur Henri Gicot das definitive Projekt;1944 begannen die Bauarbeiten.1946/47 wurden die Betonierungsarbeiten durchgeführt, im Frühling1948 begann die Flutung des Sees, und im Herbst fand die offizielle Einweihung statt. Zwölf Arbeiter hatten im Verlauf der Arbeiten ihr Leben verloren. cs

Zahlen und Fakten

Die Staumauer von Schiffenen

Die Planung einer Talsperre zwischen Schiffenen und Gurmels begann in den1950er-Jahren. Ingenieur war wie in Rossens Henri Gicot. Die Bauarbeiten dauerten von1960 bis 1964. Der neue Schiffenensee überflutete Bauernhöfe, den Kurort Bad Bonn, etwa 180 Hektaren Ackerboden und 220 Hektaren Wälder und unproduktive Böden. Im Frühling1964 wurde das Werk in Betrieb genommen. cs

Zahlen und Fakten

Die Magdalena-Brücke

Die Magdalena-Brücke war das erste grosse Freiburger Bauwerk, das für die N12 (später A12) errichtet wurde. Im Juni1963, rechtzeitig vor der Flutung des Schiffenensees, waren die zwei Doppelpfeiler fertiggestellt. Spektakulär war die Montage von Stahltragwerk und Fahrbahnplatte. Die Eröffnung am Autobahnanschluss Düdingen fand am 31. Juli1971 in Anwesenheit von Bundesrat Hans Peter Tschudi statt. cs

Staumauer von Rossens (Oktober 1946).

Magdalena-Brücke (Februar 1969).

Staumauer von Schiffenen: Bau der Blöcke vom rechten Ufer aus (Februar 1962).

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