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Auch Minderheiten sind willkommen

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Als in der Schweiz die ersten Offenen Kirchen gegründet wurden, war die Welt noch eine andere. Man sprach von Wirtschaftskrise, im TV lief «Friends», Techno und Inlineskates waren der letzte Schrei. Und die Kirchenlandschaft? Sie war reif für Veränderungen.

Auf der Suche nach Brücken

Inspiriert von der Citykirche in London öffnete der reformierte Pfarrer Hansruedi Felix 1994 in Basel die erste Offene Kirche der Schweiz. «Die Kirche mit ihrer Kultur war für mich zu klassisch, zu bürgerlich. Ich war zwar ein Punk, aber Jesus war mir wichtig», sagt Felix. «Ich habe eine Brücke gesucht, wie das Evangelium in andere Kulturen übersetzt werden kann.»

Felix war mit seinem Bedürfnis nicht allein. Innerhalb weniger Jahre entstanden in der Schweiz weitere Citykirchen. Christoph Sigrist, heute Pfarrer im Zürcher Grossmünster, war vor 20  Jahren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. «Es blubberte», beschreibt er die Stimmung von damals, als er seine Pfarrstelle in St. Gallen antrat und eine Offene Kirche gründen wollte.

In den Städten sei man auf der Suche nach einer alternativen Spiritualität gewesen. Sigrist sah die geschlossene Kirche St. Leonhard und nutzte die Gunst der Stunde, um dort seine Idee zu verwirklichen. «Ich hatte kein Geld, aber eine Vision.» Er wollte Impulse setzen – sozial, kulturell und nicht zuletzt auch religiös.

Die Städte wollten alternative Spiritualität – und kriegten sie. In Offenen Kirchen wird seither getanzt, Hand aufgelegt und nach asiatischem Vorbild meditiert. Unabhängig von konfessionellen Traditionen oder religiösen Grenzen. «Vor zwanzig Jahren hatte man eher einen esoterischen Zugang. Im Jargon der Soziologen würde man von einem postmateriellen Zugang sprechen», erzählt Theodor Pindl, der heute Intendant der Offene Kirche St. Gallen ist.

Manchmal war das Angebot der Kirche dann doch zu postmateriell und geriet im Lauf der Jahre auch in Kritik. Eine Burlesque-Show sorgte 2010 für kritische Stimmen aus dem Trägerverein. 2012 musste die Kirche ein Projekt mit Kuschel-Anlässen einstellen. Aus Protest gegen diese Treffen, bei denen sich fremde Menschen gegenseitig berühren und streicheln, seien Kirchgemeinden und private Mitglieder aus der Trägerschaft ausgetreten, berichtete die NZZ.

Modeschau und Oktoberfest

Das offene Programm lotete die Grenzen der kirchlichen Toleranz aus. Dabei sei es jedoch nicht um Provokation gegangen, sondern darum, ein ergänzendes Angebot zu schaffen. Heute werde zwar immer noch getanzt und meditiert, aber man biete vermehrt niederschwellige Begegnungsmöglichkeiten wie Modeschauen, Oktoberfeste und Gespräche bei gemeinsamen Essen und Trinken, sagt Pindl. Das Experimentelle gehöre weiterhin zur Offenen Kirche.

Die Verschmelzung re­li­giö­ser, sozialer und kultureller Angebote lässt den Offenen Kirchen viel Spielraum und garantiert ihnen Wandlungsfähigkeit. Darum ähneln sich die einzelnen Offenen Kirchen so sehr und bleiben trotzdem unterschiedlich.

«Es gibt keine andere Kirche in Europa, die so offen arbeitet wie die Elisabethen in Basel. Sie ist wie ein Klub, wo alle Kulturen teilnehmen dürfen», schwärmt Felix noch heute über «seine» Elisabethen. In Basel lädt die Offene Kirche immer wieder zu Diskussionsrunden ein, mischt sich ein in Debatten über Migration oder Wohnungspolitik.

Politik gehöre in die Kirche, sagt Sigrist. Offene Kirchen müssten sich wehren, wenn der Islam als Projektionsfläche für Ängste missbraucht werde. Sie müssten einstehen für die Teilhabe der Ausgegrenzten am Leben, an der Macht und an der Kultur.

Früher habe er als einer der Ersten Gottesdienste für Homosexuelle gehalten. Heute seien vermehrt Menschen aus anderen Kulturen die Ausgegrenzten, sagt Sigrist. Für sie müssten sich die Offenen Kirchen einsetzen. «Sie müssen Orte bleiben, wo Stigmatisierte willkommen sind.» Felix ist unterdessen Pfarrer in St. Gallen an der St.-Laurenzen-Kirche. Bei der Offenen Kirche ist er Vorstandsmitglied. Diese schlage leisere Töne an. «Sie ist beschaulicher, intimer», fasst er zusammen. Auch dort sind die Türen offen für Begegnungen zwischen Schweizern, Flüchtlingen und anderen Ausgegrenzten. In der Stille sieht Felix die Stärke der Offenen Kirche St. Gallen. «Das leise Schaffen ist heute wichtig.»

Offen für die Zukunft

Die Neunziger sind längst vorbei, heute werden Yoga-Meditationen oder Fussballübertragungen auch in traditionellen Kirchgemeinden angeboten. Dass die Offenen Kirchen heute noch die urbane Spiritualität prägen, überrascht selbst die Kirchen-Öffner. «Wir haben immer behauptet, es braucht zwanzig Jahre, dann sind alle Kirchen offen», erinnert sich Felix.

«Die Kirche mit ihrer Kultur war für mich zu klassisch, zu bürgerlich. Ich war zwar ein Punk, aber Jesus war mir wichtig.»

Hansruedi Felix

Reformierter Pfarrer

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