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Auf der Suche nach dem «echten» Gotthelf

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Auf der Suche nach dem «echten» Gotthelf

Aufführung von «Ueli» als Auftakt zum 150. Todestag des in Murten geborenen Schriftstellers

Mit dem von Rudolf Stalder (Albligen) geschriebenen Stück «Ueli» hat die Emmentaler Liebhaberbühne den Vorhang zu den Anlässen im Rahmen von Jeremias Gotthelfs 150. Todestag geöffnet. Das Theaterensemble war dabei bemüht, so viel Authentizität wie möglich hinüberzubringen.

Von URS HAENNI

Nicht alle Kritiken nach der Premiere von «Ueli» im Casino-Theater Burgdorf hat der Hausautor der Emmentaler Liebhaberbühne (ELB), Rudolf Stalder, gleich goutiert. Dass ihm ein Feuilleton-Redaktor aus der Bundeshauptstadt zu wenig Authentizität attestierte, das wurmte Stalder. Wenn Gotthelf im Original von «wilden Tieren» schrieb, so habe das nichts mit der Realität zu tun, meint Stalder. «Bei uns im Emmental hat man immer von gesprochen», sagt er. Stalders «Ueli» – authentischer noch als Gotthelf selber?

Auch wenn die Aufregung um diese Kritik drei Wochen nach der Premiere verraucht ist, so zeigt sie doch, wie wichtig die «Echtheit» rund um die Produktion der ELB für die Betroffenen selber ist.

Epik und Drama –
Zwei Gegenwelten

Echtheit ist allein schon durch die Ausgangslage gar nicht möglich. «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter» sind zwei Romane von epischer Grösse, und diese hat Stalder nun in einem zweieinhalbstündigen Theaterstück zusammengefasst. «Epik und Dramatik – das sind zwei Gegenwelten», sagt er. Brauchte Gotthelf bis zu drei Seiten, um die Blümchen einer Wiese zu beschreiben, so ist die kürzeste von 74 Szenen des Theaterstücks «Ueli» ganze zwei Sätze lang.

Dazu kommt, dass Gotthelf selber für das Theater nur Verachtung übrig gehabt hat, was Stalder vor allem auch darauf zurückführt, dass Gotthelf wohl gar nie gutes Theaterschaffen zu Gesicht bekommen hat. Genau solches möchte die ELB ihm zu Ehren nun aber dem Publikum vorsetzen.

Kein parfümiertes Vreneli

Echtheit bedeutet für Stalder, dass Gotthelf in der Sprache gespielt wird, die im Emmental auch gesprochen wird. Aus Gotthelfs Werk selber gibt es wenig Hinweise auf die Mundart der damaligen Zeit; Gotthelf schrieb Hochdeutsch. «Der einzige Hinweis, wie damals gesprochen wurde», so Stalder, sind Notizen eines Studenten der Uni Bern, der die Vorlesungen seines Professoren auf Berndeutsch aufgeschrieben hatte.»

Schon gar nicht kann man sich auf die Verfilmungen stützen. Liselotte Pulver und Hannes Schmidhauser repräsentierten auf Zelluloid kaum Authentizität. Das Film-Vreneli ist für Stalder eine parfümierte Städterin, und Stalders Frau Margrith stört an Schmidhauser schon, «wie er die Mistgabel in der Hand hält».

Die Emmentaler Liebhaberbühne präsentiert dagegen einen Ueli (Florian Blaser) und ein Vreneli (Sonja Amacher), die beide tatsächlich auf einem Emmentaler Bauernhof aufgewachsen sind. Doch selbst sie dürfen nicht so sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Liessen der Autor Stalder und Regisseur Ueli Eggimann bei Produktionen anderer Jahre den Schauspielern die Freiheit einer Sprache, wie sie sie zuhause gelernt hatten, so mussten sie sich dieses Jahr an ein Vokabular und eine Versform gewöhnen, die sie zuerst erlernen mussten. So konnte man in Kritiken lesen: «Ueli – Text: Gotthelf und Stalder». Kurz: «Stalderig».

Der Weg zur Echtheit
durch Gotthelfs Bücher

Wie findet man denn überhaupt den Zugang zum «echten» Gotthelf? «Man geht zur Quelle», sagt Rudolf Stalder. Zur Quelle, das bedeutet für ihn, die Romane Gotthelfs selber. Biographien oder Recherchen vor Ort brauche es nicht: «Bücher, die reichen. Man muss bloss wissen, was Gotthelf sagt.»

Was sagt denn Gotthelf in seinen Texten? Stalder: «Dass dr dernäbnigst Mönsch no e Spur Guets het.»

Gotthelf zeichne ein sehr frauenfreundliches Bild. Immer wieder finde man das Schema, wonach «e gschydi Frou em lang nid so gschyde Maa zum Dräck us hilft».
Diese Botschaft mache es auch so einfach, Gotthelf in die heutige Zeit zu transportieren. Es gehe um das Gute im Menschen, das zu veredeln sei. Und plötzlich erkenne das Publikum: Hoppla, die Menschen sind ja immer noch genau gleich. «Das zu zeigen war mein einziges Ziel», sagt Stalder. Das ist für Stalder gotthelfsche «Echtheit».
Niemandem, der Gotthelf auf die Bühne gebracht habe, sei dies besonders gut gelungen, kritisiert der Theaterautor. «Alle haben Gotthelf versaut», meint er. «Sonst wäre ich nicht in die Hosen.» So entschied er sich aber vor drei Jahren, auf den 150. Todestag Gotthelfs hin, «Ueli» auf die Bühne zu bringen. Gotthelf sei ein Magnet, den könne man nicht töten, nicht mal durch die schlechten Stücke, glaubt Stalder. Aus diesem Grund zeigt die ELB bis in den März hinein mit 30 Aufführungen zehn mehr, als bei anderen Stücken üblich. Nach «Geld und Geist» und «Anne Bäbi Jowäger» ist es das dritte Mal, dass sich das Ensemble an Gotthelf heranwagt. Es seien Gotthelfs drei wichtigste Stücke, und, so Stalder, «das reicht».

Aufführungen von «Ueli» durch die Emmentaler Liebhaber-Bühne: bis 11. Januar (morgen, 7. Dez., und ab 31. Dez.) im Casino-Theater Burgdorf und vom 24. Jan. bis 14. März im Rüttihubelbad Walkringen.

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