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Auf Du und Du mit den Hackern

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«Leider haben wir es mit dem Homo sa­piens zu tun. Er lernt fast nur aus Fehlern, sieht diese aber selten voraus.»

Was Jewgeni Kaspersky gestern im Forum Freiburg an den Swiss Cyber Security Days lapidar feststellte, weiss er selber aus eigener Erfahrung. Sein Computer wurde 1989 mit dem Virus «Cascade» infiziert. Bei einem normalen Benutzer hätte dies vor allem zu Ärger geführt, doch bei Kaspersky war es die Basis zu einem beispiellosen Geschäftserfolg.

Seine Ausbildung in Kryptografie half ihm, den verschlüsselten Virus zu analysieren, ihn zu verstehen und ein Entfernungsprogramm dafür zu entwickeln. Daraus hat sich der weltweit tätige IT-Sicherheitsanbieter Kaspersky Lab ent­wickelt.

Der Stargast an den Swiss Cyber Security Days entdeckte dank seinem Virus ein Geschäftsfeld, das explosiv anwuchs: «1998, als ich begann, entstand 50 Mal pro Tag eine neue Schadsoftware. 2008 waren es 14 500 und heute gar 380 000 am Tag.»

«Dann sind Leben in Gefahr»

Der 53-jährige Russe lässt sich durch solche Zahlen nicht ins Bockshorn jagen. Im dunklen Sakko und hellblauen Hemd, den obersten Knopf geöffnet, die Hände meist in den Hosentaschen, sprach er von Cyberkriminellen, als wären sie seine Nachbarn. «Es sind Menschen wie wir auch. Sie machen Ferien, schauen Fussball, feiern Festtage, und entsprechend kommen Cyberangriffe in Wellen.»

Die Schadstoffware wird von seinem Unternehmen nicht mehr wie früher manuell, sondern maschinell erkannt und bekämpft. «Wir haben lernfähige Systeme, die 99,9 Prozent der Schadsoftware automatisch erkennen.» Es sei relativ einfach, eine fast 100-prozentige Sicherheit gegen die Produkte meist junger Hacker zu gewährleisten.

Das nächsthöhere Level seien die professionellen Gangs und Teams. «Sie sind gut organisiert und leider auch smart.» Und sie kommen häufig aus Russland, sagte er in seinem Englisch mit starkem russische Akzent. «Es ist eine Folge des guten Bildungssystems in Russland. Aus Russland kommen die besten Software-Ingenieure, aber auch die schlimmsten Kriminellen.» Ein Vorteil für Kaspersky Lab sei, dass Hacker ihre Betrügereien oft erst in Russland ausüben, und erst dann im Rest der Welt. Kaspersky könne also frühzeitig reagieren.

Die organisierten Hacker würden zu 10 Prozent Cyberkriminalität und zu 90 Prozent von Staaten gesponsorte Spionage betreiben. Sein Unternehmen überwache 100 solcher Organisationen.

Ein drittes Niveau betreffe industrielle Cyberangriffe. «Wir sind da in eine neue Ära eingetreten», so Kaspersky. «Cyber ist überall.» Er blickte nach oben in die Halle des Forums und sagte: «Ein Feuermelder, die Klimaanlage, Überwachungskameras: Alles ist mit dem Internet verbunden.» Bei einem Angriff auf ein Office System drohe höchsten finanzieller Schaden und Datenverlust. «Wenn es aber um kritische Infrastrukturen wie Kraftwerke oder Gesundheitseinrichtungen geht, sind sogar Leben in Gefahr.»

Kaspersky plädierte deshalb für eine neue Cyberimmunität. Man müsse zurückkehren zu einer Architektur der Sys­teme, wie man sie aus den 1960er- und 1970er-Jahren kenne. Das Design grösserer Systeme brauche eine neue DNA ohne Zugang zum Internet. Jeder Bestandteil dieses Systems müsse sich in einem limitierten Perimeter befinden. «Es wird etwas komplizierter, eine neue Architektur aufzubauen. Die Kosten müssen aber für Hacker höher sein, als die Kosten eines möglichen Schadens. Dann ist es für sie nicht mehr interessant.»

Zum Anlass

Ein Podium mit vielen Fachleuten

Die Swiss Cyber Security Days von gestern und heute finden zum ersten Mal statt. Der Anlass im Forum Freiburg spricht Fachleute und ein breites Publikum aus Welsch- und Deutschschweiz gleichermassen an. Nebst Ausstellungen und Ständen rund um die Cybersicherheit gibt es rund 50 Präsentationen von namhaften in- und ausländischen Fachleuten aus Politik, Wirtschaft und Forschung. Darkweb-Experten, Forscher oder Spezialisten für Car Hacking und Car Security sind in Freiburg anwesend. Gestern erfolgte beispielsweise eine Demons­tration vor dem Forum, bei der Hacker ein Auto entführten. Auch die Cyberprojekte und -risiken in der Schweiz erhalten eine Plattform. Die Swiss Cyber ­Security Days sollen nun jährlich stattfinden.

uh

Kaspersky Lab

Ein Kompetenzzentrum in Zürich eröffnet

Neben Firmengründer Jewgeni Kaspersky trat gestern auch Anton Shingarew auf, Vizepräsident für öffentliche Beziehungen von Kaspersky Lab. Er erwähnte, dass das Unternehmen letzten November in Zürich ein «Transparenzzentrum» eröffnet habe. Dort verarbeitet der russische Sicherheitsanbieter verdächtige und schädliche Dateien in zwei Rechenzentren. «Die restriktive Gesetzgebung, strenge Datenschutzbestimmungen und die Neutralität: Deshalb haben wir die Schweiz als Standort ausgewählt», sagte Shingarew. In den letzten Jahren sei an die Stelle der Globalisierung ein technologischer Na­tio­nalismus getreten. «Produkte werden aufgrund ihres Herkunftslandes blockiert», meinte er. Auch deshalb sei die Arbeit in der Schweiz sicherer. Kaspersky sei als russische Firma schon lange misstraut worden. Heute misstraue man aber generell allen IT-Riesen.

uh

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