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Aufklärung (Wiederaufnahme)

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Gastkolumne

Aufklärung (Wiederaufnahme)

Autor: Martin Schick

Nach den Revolutionen im arabischen Raum ziehen nun, wenn auch aus anderen Motiven, auch die Französinnen zu Tausenden mit Plastikbärten und Schildern durch Paris; seit Tagen gehen die Spanier auf die Strasse und protestieren gegen die Krise im Land; kleinere Kundgebungen in diesem Zusammenhang fanden laut Fernsehen (sagt die Zeitung…) auch in Brüssel, Amsterdam, London, Prag, Budapest, Berlin, Paris und Lissabon statt.

Die Empörung ist wieder Mode geworden: In den Büchereien steht Stéphane Hessels Streitschrift «Empört euch!» direkt neben der Kasse und lässt sich locker im Bus nach Hause lesen. Und nicht wenige, die das hübsche türkise Deckblatt erkennen, sagen: «Hey, voll cool, hab ich auch gelesen!»

«Ja, Mann, ich bin auch ein Revoluzzer», denke ich dann, sitze da so im Bus in meiner zerrissenen Hose und meinen abgewetzten Schuhen und bin voll im Trend. Dabei hab ich selber gar nichts zu klagen, mir geht es gut! Nichts zum aufs Schild schreiben und auf die Strasse stehen, ausser «Ich darf auch mal!» oder «Ich empöre mich!» Laut Hessel ist es nämlich notwendig, sich zu empören, obwohl es in der heutzutage komplex gewordenen Welt nicht leicht sei, die Gründe klar auszumachen, aber wer suche, der finde. Aha. Ich suche und finde. Nicht so schwer, mir ist auch klar, dass wir daran, dass anderswo Leuten die Plakate nicht ausreichen um ihre Empörungs-Botschaften draufzuschreiben, beteiligt sind, wenn nicht sogar darauf unser Wohlstand baut. Aber anscheinend geht es mir immer noch zu gut. Mir fehlt der Ansporn oder die Not zum tatsächlichen Aufstand.

Das Schlimmste, sagt Hessel, ist die Gleichgültigkeit. «Gegen meine Gleichgültigkeit!» schreibe ich denn in Grossbuchstaben auf mein Plakat und hänge es übers Bett. Meine kleine geheime Revolution für mich zuhause. Immerhin. Ich übe. Hauptsache nicht gleichgültig, Herr Hessel, das leuchtet ein, «ohne mich» und «nicht mitspielen» ist unfair, hat schon der Turnlehrer gesagt.

Man erzählte mir kürzlich, dass in Belgien die männliche Bevölkerung dazu aufgerufen wurde, sich den Bart wachsen zu lassen und die weibliche, den Geschlechtsverkehr mit ihren Ehemännern zu verweigern (ausgenommen diese tragen wiederum einen Bart, nehme ich an…), und das so lange, bis das Land wieder eine Regierung hat. Oder in Zürich sind vor ein paar Jahren Hunderte von Frauen im Bikini auf die Strasse gegangen, weil ein Hochhaus ihnen den sonnigen Badeplatz überschatten sollte. Oder in Portugal, da landete 1992 ein Indianer auf dem Flughafen von Lissabon und pflanzte eine Fahne mit der Aufschrift: «Ich habe Europa entdeckt!» Und 200 Jahre davor erklang ein Liebeslied über alle Funkwellen Portugals, den Soldaten wurden Nelken in die Gewehrläufe gesteckt und man stürzte die Diktatur über nur vier Leichen hinweg in der sogenannten und bekannten Nelkenrevolution.

Es geht also auch ohne Gewalt. Lustvoll. Dann wollen wir doch auch mal dürfen, und nix mit Mode, das ist ein Grundbedürfnis: Lasst uns (in Revolutionsumständen duzt man sich, nehm ich an) zusammenstehen und rebellieren gegen den vermeintlichen Optimismus zum Beispiel oder jede/r gegen das, was auch immer ihn/sie stört, damit wir Freiburger auch endlich unsere Revolution haben: Auf zur Bleistiftrevolution! Am 2. Juli pünktlich um 19.07 Uhr im Jardin de Pérolles. Treffpunkt: 18 Uhr! Suchet, und ihr werdet finden!

 

www.toutestpourlemieux.com

Martin Schick ist Theater- und Filmschauspieler. Er wuchs in Tafers auf und lebt derzeit hauptsächlich in Berlin. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

«Anscheinend geht es mir immer noch zu gut. Mir fehlt der Ansporn oder die Not zum tatsächlichen Aufstand.»

 

«Auf zur Bleistiftrevolution! Am 2. Juli pünktlich um 19.07 Uhr im Jardin des Pérolles. Suchet, und ihr werdet finden!»

 

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