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Aus dem Alltag eines Kontrolleurs

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«Schwarzarbeit schadet der Wirtschaft», sagt der Leiter des Freiburger Baustelleninspektorats, der 30-jährige Mike Aguet aus Bulle. «Daher ist es sehr wichtig, dass alle Instanzen, die mit diesem Problem konfrontiert sind, zusammenarbeiten, von der Staatsanwaltschaft über die Polizei und die Kontrollorgane bis zu den Sozialversicherungen und dem Handelsregister.»

Eine dieser Instanzen ist das Baustelleninspektorat, das Aguet seit dem Dezember 2014 leitet. Er stellt fest, dass es «eine regelrechte Pyramide verschiedener Arten der Schwarzarbeit» gebe. Dies geht vom regulären Arbeitnehmer, der ab und zu am Samstag schwarz einen Auftrag annimmt bis zu den Leuten, die morgens an Tankstellen im Kanton Freiburg auf Busse möglicher Auftraggeber warten, die sie für schwarze Arbeit abholen. Sie umfasst aber auch den Arbeitslosen oder Sozialhilfeempfänger, der dennoch heimlich Geld verdiene und das System dadurch betrüge, oder die Asylbewerber, die keine Arbeitsbewilligung hätten, und denen gar keine andere Möglichkeit bleibe, wenn sie arbeiten wollten. Selbst das Staatssekretariat für Wirtschaft habe keine allgemeingültige Definition von Schwarzarbeit.

«On the job» ausgebildet

Eines aber ist laut Aguet sicher: Dieses leidige Phänomen findet sich nicht nur in der Baubranche, sondern etwa auch in der Gastronomie, der Landwirtschaft und dem Detailhandel. Seine Inspektoren befassen sich indes ausschliesslich mit dem Bausektor, wobei sie nicht nur bezüglich Schwarzarbeit kontrollieren, sondern auch bezüglich der Einhaltung von Umweltvorschriften und Gesamtarbeitsverträgen sowie der Entsendung von Arbeitnehmern.

Insgesamt zählt das Baustelleninspektorat rund sechs Vollzeitäquivalente – inklusive des administrativen Bereichs. Drei Inspektoren sind vollzeitlich tätig und vollziehen pro Jahr ungefähr 1500 Kontrollen, von denen etwa 200 die Schwarzarbeit betreffen. Ausgebildet werden sie laut Aguet «on the job». Denn einen speziellen Ausbildungsgang für diese Tätigkeit gebe es nicht. Er achte allerdings darauf, dass ausschliesslich Personen mit Branchenkenntnissen angestellt würden. Aguet bestätigt, dass Schwarzarbeit im Baunebengewerbe verbreiteter sei als im Bauhauptgewerbe. «Es gibt allerdings auch im Bauhauptgewerbe einen problematischen Punkt: die Bewehrungsarbeiten im Beton­stahlbau», füg er an. «Das ist ein sehr kompliziertes und hartes Metier, das oft untervergeben wird. Und da findet man immer wieder Schwarzarbeit.» Weniger verbreitet sei das Problem indes bei den technischeren Metiers, etwa bei Schreiner- und Zimmerei-Arbeiten, Arbeiten an Heizungen, Ventilationen oder Elektroinstallationen. Aber auch hier gebe es stets einfachere Aufgaben, die untervergeben werden ­könnten.

Ein grosses Problem würden die Wiederholungskonkurse darstellen. Denn das Handelsregister habe keine rechtliche Handhabe, Personen, die auch nach dem zwanzigsten Konkurs wieder eine neue GmbH gründen wollten, zu stoppen. Geht es um die konkreten Kontrollen vor Ort, so ist das Wichtigste für Aguet immer «unsere eigene Sicherheit». Daher seien seine Inspektoren niemals alleine vor Ort. Denn sie hätten keinerlei Kompetenz, einen flüchtenden Arbeiter festzuhalten – dies habe nur die Polizei. Vielleicht werde sich dies allerdings mit einer entsprechenden Veränderung der gesetzlichen Vorgaben aber ändern. In so einem Fall der Flucht werde in der Regel eine zweite Kontrolle organisiert, die zusammen mit Polizeibeamten durchgeführt werde. «Diese riegeln dann einen Sicherheitsperimeter um die Baustelle ab, dann ist keine Flucht mehr möglich», erzählt Aguet, der auch selbst schon bei solchen Grosskontrollen dabei war.

Wenn die Polizei dabei ist

Bezüglich der allgemeinen Reaktionen der Kontrollierten gelte es, zwischen Routinekontrollen und Kontrollen aufgrund einer Denunziation zu unterscheiden. Letzteres komme rund 100 Mal pro Jahr vor. Bei den Kontrollen, bei denen es um die Einhaltung von Gesamtarbeitsverträgen gehe, seien die Arbeiter eigentlich immer recht zufrieden. «Sie sehen, dass wir ihnen helfen wollen», so Aguet. Wenn hingegen Kontrollen bezüglich Schwarzarbeit durchgeführt würden und sich tatsächlich Schwarzarbeitende auf der Baustelle befänden, dann könne die Situation schon auch einmal ein wenig delikater werden. «Wir dürfen aber keine Cowboys sein und sind natürlich auch nicht bewaffnet», bemerkt Aguet dazu. «Unsere wichtigste Waffe ist das Wort.» Zu erklären, wieso man überhaupt hier sei, mildere oft bereits etwas die Spannung. «Im Allgemeinen gehen die Kontrollen mehr oder weniger gut über die Bühne», betont der Leiter des Baustelleninspektorats. «Wenn wir aber sehen, dass wir bedroht werden oder dass sich ein Sicherheitsrisiko ergibt, verlassen wir die jeweilige Baustelle sofort und rufen die Polizei an.» Dies komme tatsächlich von Zeit zu Zeit vor. Aber seine Kontrolleure hätten noch nie physische Auseinandersetzungen mit Kontrollierten gehabt.

Was hingegen öfter vorkomme, seien sprachliche Verständigungsschwierigkeiten. Auch hier gebe es im Prinzip die Möglichkeit, die Polizei aufzubieten. «In der Regel reicht es aber, damit zu drohen, und schon stellt sich heraus, dass die Kontrollierten doch genug Deutsch oder Französisch können, um sich mit uns unterhalten zu können», sagt Aguet.

Serie

Die Schwarzarbeit unter der Lupe

Der Kanton Freiburg ist daran, sein Gesetz über die Beschäftigung und den Arbeitsmarkt abzuändern, um besser gegen Schwarzarbeit vorgehen zu können. Ein Massnahmenplan soll diese Revision ergänzen. Auch die gemeinsame Kriminalpolitik der Staatsanwaltschaft und des Staatsrats will der Schwarzarbeit mehr Aufmerksamkeit schenken. Das Ziel sind unter anderem härtere Sanktionen. Im Kanton finden jährlich rund 500 Betriebskontrollen statt. Zahlen über das Ausmass der Schwarzarbeit gibt es aber kaum. In einer Artikelserie beleuchten die «Freiburger Nachrichten» verschiedene Facetten der Schwarzarbeit im Kanton Freiburg.

uh

 

 

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