basketball 29.04.2019

Abgezocktes Olympic siegt trotz Blackout

Nach einem 16:0-Lauf von Genf schien Olympic in Biel der Sieg im Cupfinal zu entgleiten. Doch die Freiburger behielten ruhig Blut.

«Es war eine Achterbahn der Gefühle», sagte der überglückliche Natan Jurkovitz nach Olympics zweitem Cup-Erfolg in Folge, dem dritten unter der Führung von Petar Aleksic und dem neunten der Vereinsgeschichte. Tatsächlich mussten sich die Freiburger den Sieg vor 6000 Zuschauern hart erkämpfen. Kurz nach der Pause legte Olympic gegen die Genfer mit 50:36 vor, und das härteste Stück Arbeit schien geschafft. Die Genfer aber steckten nicht auf und kamen nochmals spektakulär zurück in die Partie. Mit einem 16:0-Teilresultat riss das Team von Vedran Bosnic im 3.  Viertel die Führung nochmals an sich und hatte so das Momentum scheinbar auf seiner Seite. Doch einmal mehr erwiesen sich die Freiburger als äusserst abgeklärt: Statt den Faden endgültig zu verlieren, behielt Olympic ruhig Blut und konnte im Schlussviertel auf die zwei amerikanischen Flügelspieler Justin Roberson und Tim Derksen zählen, die ihr Team zum verdienten 82:73-Sieg führten.

Olympics internationale Erfahrung

«Nach unserem 16:0-Lauf waren wir derart im Hoch, dass wir unseren Fokus verloren haben», übte Genfs Topskorer Markel Humphrey Selbstkritik. «Gegen eine Mannschaft von der ­Qualität Olympics darf das nicht sein.» In der Tat nutzen die Freiburger in den letzten zehn Minuten jeden Ballverlust der Genfer eiskalt aus, etwa als der vife Roberson nach einem Korberfolg das Anspiel der Genfer abfangen konnte, um gleich nachzudoppeln. «Wir haben den einen oder anderen Ballverlust zu viel produziert», sagte denn auch Bosnic, der dem Gegner Respekt zollte. «Olympic kann mit einer Intensität spielen, zu der wir nicht über die 40 Minuten fähig sind. Man sieht, dass diese Mannschaft in dieser Saison mehr als ein ­Dutzend Spiele in der Champions League gemacht hat.»

Tatsächlich kommt den Freiburgern diese internationale Erfahrung in den Schlüsselmomenten zupass. Jurkovitz, der nach einer überstandenen Verletzung ein starkes Comeback gab, und Babacar Touré hatten die Zone unter den Körben zumeist im Griff. Und Derksen erweist sich immer mehr als veritabler Glücksfall für Olympic. Als Ersatz für den gefeuerten Captain Chad Timberlake gekommen, erweist sich der Amerikaner als extrem wertvoll. Derksen hat ein ausserordentliches gutes Gespür für Spiel­situationen und macht vieles instinktiv richtig. Zurecht wurde er zum MVP des Cupfinals erkoren und durfte eine Luxusuhr mit nach Hause nehmen. «Diese Uhr gehört der ganzen Mannschaft», blieb Derksen, der seinen ersten Titel der Karriere gewinnen konnte, bescheiden. «Das Team hat mir den Einstieg hier wahnsinnig erleichtert, indem ich sofort integriert wurde.»

Der Schlüssel zum Erfolg sei gewesen, dass man sich trotz des Blackouts im dritten Viertel nicht aus dem Konzept habe bringen lassen. «Vielmehr haben wir den Rhythmus über eine intensive Spielweise wieder gefunden und dank Details wie ein paar Rebounds oder Balleroberungen das Glück auf unsere Seite gezwungen.»

Wiedersehen im Playoff-Final?

Trainer Aleksic widmete den Cupsieg den mitgereisten Freiburger Fans, die für eine tolle Atmosphäre gesorgt hätten. Und er freute sich besonders für Spieler wie Roberson und Derksen, die ihren ersten Pokal unter seinen Fittichen in die Höhe stemmen konnten. «Eine Titelverteidigung ist nie einfach, darum bin ich umso stolzer auf meine Mannschaft. Als sie in Rücklage geriet, haben wir es zusammen geschafft, die Ruhe zu bewahren. Und mit ein paar Umstellungen im letzten Abschnitt, etwa indem ich Roberson auf die Spielmacherposition beordert habe, gelang es uns schliesslich, den Sieg heimzubringen.»

Während Genf damit innert einer Woche gleich zweimal als Verlierer gegen Olympic vom Parkett musste und sowohl den Sieg in der Qualifikation als auch den im Cup verpasste, gehen die Freiburger auch als moralischer Gewinner in die Playoffs. Und es würde niemanden überraschen, wenn sich diese beiden Equipen auch in der Finalserie um die Meisterschaft gegenüberstehen. Mit Blick auf den hochstehenden Cup-Final in Biel könnte dem Schweizer Basketball nichts Besseres passieren.

Telegramm

Genf - Freiburg Olympic 73:82 (36:48)

Biel (Tissot Arena). – 6000 Zuschauer. – SR: Clivaz, Novakovic, Marmy.

Genf: Humphrey (19), Colter (14), Smith (11), M. Mladjan (13), Cotture (5), Tutonda, Kovac (9), Padgett (2).

Freiburg Olympic: D. Mladjan (6), Jaunin (3), Steinmann, Gravet (3), Touré (15), Derksen (19), Roberson (15), Williamson (7), N. Jurkovitz (14).

«Nach unserem 16:0-Lauf waren wir derart im Hoch, dass wir unseren Fokus verloren haben.»

Markel Humphrey

Genfer Topskorer

«Eine Titel­ ver­teidigung ist nie einfach, darum bin ich umso stolzer auf meine ­Mannschaft.»

Petar Aleksic

Olympic-Trainer