Basketball 08.04.2019

Da waren’s nur noch drei

Basketball ist eigentlich ein Spiel 5-gegen-5. Nicht so am Samstag in der Partie zwischen Olympic und Massagno. Bei den Gästen standen beim 124:71-Sieg der Freiburger am Ende nur noch gerade drei Spieler auf dem Parkett.

Man hätte es fast erahnen können: Aufgrund einiger verletzter Spieler präsentierte sich Massagno am Samstag mit nur acht Spielern zum dritten Spiel der Zwischenrunde der Nationalliga A in Freiburg. Viel Spielraum blieb so selbstredend nicht mehr. Und es kam denn auch, wie es kommen musste. Hadernd mit dem Spielverlauf – schon bald zeichnete sich der klare Sieg für die Freiburger ab – liessen sich die Tessiner immer wieder zu Fouls hinreissen. Ein Gästespieler nach dem anderen näherte sich so bedrohlich der Grenze von fünf persönlichen Fouls, die gleichbedeutend mit einem Restauschluss vom Spiel ist. Im Schlussviertel war es dann soweit. Zunächst mussten Keon Moore und Slobodan Miljanic (31.) vorzeitig auf die Bank, wenig später erwischte es Zoran Krstanovic (33.) und schliesslich musste auch Oliver Hüttenmoser vom Feld (37.). Und da sich im Verlauf des Spiels zu allem Überfluss Randon Grüninger eine Blessur zugezogen hatte, standen bei Massagno einige Minuten vor der Schlusssirene nur noch drei Spieler auf dem Parkett – im Basketball auf diesem Niveau eine absolute Rarität. Was ansonsten den Nachbarn von Gottéron vorenthalten ist, wurde so ausnahmsweise Olympic zuteil: ein Powerplay in doppelter Überzahl. Die Freiburger nutzen dieses zu einem Teilresultat von 18:0 zum Endstand von 124:71.

«Schade für die Zuschauer»

«So etwas habe ich noch nie erlebt», sagte Natan Jurkovitz. Die Tessiner hätten ihm am Ende leidgetan. «Trotzdem mussten wir unsere Überzahl am Schluss ausnutzen, andernfalls hätten wir uns lächerlich gemacht, wenn wir gegen drei Spieler noch Körbe kassiert hätten.» Auch für den Freiburger Spielmacher Jérémy Jaunin war es ein «bizarres Ende», wie er sagte. «Wir haben versucht, dem Publikum noch ein wenig Spektakel zu bieten.» Immerhin, denn mit einem richtigen Basketballspiel hatte das Ganze nur noch am Rande etwas zu tun.

Das sah auch Massagno-Trainer Robbi Gubitosa so. «Für die Zuschauer war es schade, ich möchte mich dafür entschuldigen. Das war kein Match mehr.» Und obwohl sein Gegenüber Petar Aleksic fand, dass die drei Unparteiischen unter den gegebenen Umständen etwas gar streng gepfiffen hätten, suchte Gubitosa nicht nach solchen Ausreden. «Es sind drei gute Schiedsrichter. Schuld dafür haben vielmehr meine Spieler, die ihren Frust nicht unter Kontrolle hatten. Man kann mit acht Spielern nach Freiburg kommen und mit Anstand verlieren, dann sagt niemand etwas. Aber nicht auf diese Art und Weise.»

Unverständnis zeigte der Tessiner Coach jedoch nicht nur gegenüber seinem Team, sondern völlig zu Recht auch gegenüber Swiss Basket. Denn Massagno hatte den Verband im Vorfeld der Partie darauf hingewiesen, dass es nur acht gesunde Spieler zur Verfügung habe und deshalb um die Verschiebung der Playoff-Partie seiner U23-Equipe in der 1. Liga gebeten, um so den einen oder anderen Nachwuchsspieler mit nach Freiburg nehmen zu können. Swiss Basket kam dieser Bitte aber nicht nach. Ganz im Gegenteil: Weil Massagno nicht die erforderlichen zehn Spieler auf dem Matchblatt stehen hatte, flattert den ohnehin bereits bedienten Tessinern bald noch eine Busse ins Haus …

Leader und doch alles gleich

Für Olympic war der Match so nicht mehr als ein besseres Training unter Wettkampfbedingungen. Die Freiburger dominierten nach Belieben. Die Reboundstatistik beispielsweise ging mit 54:21 an die Gastgeber, bei denen nicht weniger als acht Spieler zweistellig punkten konnten. Als bester Skorer konnte sich der neue Amerikaner Tim Derksen auszeichnen, der mit seinen 21 Zählern einmal mehr zeigte, dass er in den Playoffs wertvoll sein wird.

In diese Playoffs wollen die Freiburger als Nummer 1 steigen. Und tatsächlich hat Olympic mit dem Sieg gegen Massagno die Spitzenposition in der Zwischenrunde übernommen, weil das nun punktegleiche Genf überraschend zu Hause gegen Neuenburg verlor. An der Ausgangslage hat das aber zwei Runden vor Ende der Zwischenrunde nichts geändert. Will Olympic in den Playoffs das Heimrecht bis im Final, muss es am 20. April im letzten Spiel die Genfer bezwingen. Denn am Ende zählen die Direktbegegnungen – und da steht es zwischen Olympic und Genf 1:1.

Telegramm

Olympic - Massagno 124:71 (57:37)

St. Leonhard. – 872 Zuschauer. – SR: Clivaz, Pillet, Emery.

Freiburg Olympic: Mladjan (14), Jaunin (4), Steinmann (12), Gravet (18), Touré (15), Madiamba (2), Derksen (21), Roberson (14), Williamson (14), N. Jurkovitz (10).

SAM Massagno: Miljanic (13), Sinclair (16), Martino (7), Magnani (5), Krstanovic (7), Hüttenmoser (5), Grüninger (8), Moore (10).

Bemerkungen: ausgeschieden mit 5 Fouls: 31. Moore und Miljanic, 33. Krstanovic, 37. Hüttenmoser.

«Wir hätten uns lächerlich gemacht, wenn wir gegen drei Spieler noch Körbe kassiert hätten.»

Natan Jurkovitz

Olympic-Spieler