Basketball 27.09.2019

Olympic mit schwerer Hypothek

Eine unterirdische erste Halbzeit von Olympic im Hinspiel der 2. Qualifikationsrunde der Champions League gegen Bonn kostete die Freiburger gestern Abend eine bessere Ausgangslage für das Rückspiel vom Sonntag.

Was wäre, wenn die erste Hälfte den Freiburgern gestern im St. Leonhard nicht derart misslungen wäre? Denn da legte der Bundesligist den Grundstein für den 80:66-Erfolg im Hinspiel der 2. Qualifikationsrunde der Champions League. Nach zwischenzeitlichen 30 Punkten Rückstand (41:71; 34. Min.) holte das Team von Trainer Petar Aleksic noch einen grossen Teil des Rückstandes auf. Dies dank einer verstärkten Defensive, welche Bonn ebenfalls zu Fehlern zwang. Daraus resultierten dann endlich auch Wurferfolge aus allen Distanzen. Und: Olympic vermochte die zweite Hälfte zu seinen Gunsten zu entscheiden.

Der Traum der zweiten Teilnahme an der Gruppenphase der Königsklasse rückte für die Hausherren bereits in der ersten Hälfte in weite Ferne. Selten sah man ein derart schwaches Olympic in der eigenen Halle. Der Bundesligist dominierte von der ersten Szene weg in allen Belangen. Ja, Thomas Päch, der Trainer der Deutschen, zog eine harte, aggressive Defensive aus seiner Trickkiste. Mit dieser Verteidigung kamen die Freiburger nie zurecht. Keiner der Saanestädter fand auch nur ansatzweise zu seiner gewohnten Form. Einzig Murphy Burnatowski liess mit einem Dreier kurz Hoffnung aufkeimen, doch war dies nur ein kurzes Strohfeuer.

Bonn mit Selbstvertrauen

Die spanische Spielausrichtung der Deutschen behagte Olympic ganz und gar nicht. Eine eklatante Wurfschwäche (3 von 23 aus der kurzen und 2 von 11 aus der langen Distanz), zu viele Ballverluste in der Aufbauzone und unter dem gegnerischen Korb sorgten schnell für klare Verhältnisse. «Päch im Glück» könnte deshalb das Motto der ersten Spielhälfte lauten. Doch die Gäste hatten die klare Führung nicht gestohlen, denn sie wussten in St. Leonhard zu überzeugen. Bereits nach wenigen Minuten hatte Bonn 10 seiner 12 Akteure eingesetzt und keiner fiel ab. Auch Petar Aleksic probierte alles, brachte ebenfalls neue Kräfte ins Spiel, aber in den ersten 20 Spielminuten war gegen diese Deutschen ganz einfach kein Kraut gewachsen. Tim Derksen, sonst einer der besten Skorer der Freiburger, blieb gar ohne Punkte, Nathan Jurkovitz schien all sein Selbstvertrauen verloren zu haben.

Würde die Pause den Freiburgern neues Leben einhauchen? Würde Aleksic seine Mannen wachrütteln können? Diese Fragen stellten sich nach der ersten Halbzeit. Denn eine derart ungenügende Leistung möchte man dem Publikum doch wohl keine 40 Minuten zumuten. Nein, diese desolate Leistung wollte man auf Freiburger Seite vergessen machen. Aber wie? Immerhin folgte eine Reaktion. Das dritte Viertel ging knapp zugunsten des Heimteams aus. Aber der Rückstand betrug dennoch satte 18 Punkte (39:57). Die letzten 10 Spielminuten sollten dazu dienen, den Rückstand nochmals zu verkleinern, um die Ausgangslage für das Rückspiel vom Sonntag zu verbessern. Aber Bonn verstand es, sein gesamtes Kader einzusetzen – ein unheimlich ausgeglichenes Kader, bei welchem alle Spieler zum Erfolg beitrugen und alle zu Punkten kamen.

Schlüsselspieler sorgen für die Differenz

Die Freiburger Leistungsträger ihrerseits vermochten nicht an die tollen Leistungen aus dem Bratislava-Match anzuknüpfen, als sie vor einer Woche im Rückspiel der 1. Qualifikationsrunde einen 15-Punkte-Rückstand hatten wettmachen können. Captain Jurkovitz und der Amerikaner Brandon Garrett lieferten eine Leistung zum Vergessen ab und dürfen als Ausfälle bezeichnet werden. Bei Bonn machte Coach Thomas Päch alles richtig, oder fast alles. Denn auch er wird am Ende doch einigen Zählern nachtrauern, die sein Team in der Schlussphase den Freiburgern zugestehen musste.

Die Differenz von 14 Punkten lässt für das Rückspiel vom Sonntag noch leicht an ein weiteres Basketballwunder glauben. Noch ist das Verpassen der Gruppenphase nicht besiegelt. Und wer weiss, falls der schmerzlich vermisste Babacar Touré im Rückspiel vom Sonntag vielleicht sein Comeback geben kann, liegt eventuell doch noch etwas drin. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Telegramm

Freiburg Olympic - Bonn 66:80 (17:38)

St. Leonhard. Ca 800 Zuschauer. SR: Lanzarini (ITA), Ciulin (RUM), Horozov (BUL).

Freiburg Olympic: Pollard (15), Jurkovitz (4), Burnatowski (12), Derksen (9), Mbala 11), Garrett (1), Louissaint (9), Jaunin (3), Gravet (2).

Bonn: Lischka (5), Binapfl (2), Breunig (9), De Oliveira (2), Di Leo (3), Frazier (5), Jones (7), Polas (), Saibou (7), Simons (23), Subotic (5), Zimmermann (5).

Bemerkungen: Olympic ohne Touré (verletzt), Bonn komplett. – 5 Fouls: Louissaint (40.). – Teilresultate: 8:20; 9:18; 22:19; 27:23.