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Bauern müssen Milchhahn zudrehen

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Josef Jungo

Innerhalb der Sortenorganisation (SO) Gruyère wurden 5,5 Millionen Kilo Milch mehr eingeliefert als im Vorjahr, d. h., die Käseproduktion stieg um 470 Tonnen. Die SO mit Sitz in Pringy hält aber an den festgelegten und den einzelnen Käsereien zugeteilten Käsekontingenten fest. Deshalb ruft sie die Produzenten jetzt auf, in den verbleibenden zweieinhalb Monaten die Milchmengen drastisch zu senken. Wenn die Bauern dies nicht tun, drohen ihnen Abzüge von 50 Rappen je Kilo bei einem Milchpreis von 80 bis 82 Rappen.

Wie Gespräche mit Produzenten und Käsermeistern zeigen, gibt es grosse Unterschiede. Es gibt Produzenten, die ihr Lieferrecht eingehalten haben. Andere dagegen produzierten drauflos. Das hat Konsequenzen. Denn Milch, die von der Käserei nicht verarbeitet werden kann, muss zu Weltmarktpreisen an die Industrie geliefert werden. Dieser Preis liegt momentan zwischen 25 und 30 Rappen pro Kilo.

«Die Natur meinte es gut»

Für den reichen Milchfluss gibt es laut Stefan Fasel, St. Antoni, mehrere Gründe: «Die Natur meinte es gut mit uns Bauern; es hat von April weg immer viel und gutes Futter gegeben», fasst er das Landwirtschaftsjahr zusammen. Der Meisterlandwirt vertritt im Vorstand der SO die Deutschfreiburger Produzenten, deren Milch zu Gruyère AOC verarbeitet wird.

Zur momentanen Situation sagt er, dass der einzelne Produzent für die im Lieferrecht festgelegte Milchmenge verantwortlich sei. Um der besonderen Situation Rechnung zu tragen,müsse man die Milchproduktion zu drosseln.

Angesprochen auf die hohen Kuhbestände, erklärt Fasel, dass Nutzvieh im Moment wenig gefragt sei.

Aufhebung der Kontingentierung falsch interpretiert?

Die hohen Milcheinlieferungen führt auch Käsermeister Peter Neuhaus, Tentlingen, auf die Futterproduktion zurück. Zum reichlichen Milchfluss komme, dass die Milch gehaltvoll war und in der Fabrikation eine gute Ausbeute erlaubte. Die Milch zu Weltmarktpreisen an die Industrie zu liefern, sei keine gute Lösung.

Neuhaus nennt noch einen anderen Grund für die problematische Situation: So passte die Sortenorganisation das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr an. Nach dem Milchjahr 2008/2009 (1. Mai bis 30. April) blieben also nur noch acht Monate.

An und für sich ändere diese Umstellung nicht viel, meint Neuhaus. Aber Produzenten, welche von der letzten Kontingentsabrechnung eine gewisse Milchmenge auf die neue und nur noch acht Monate zählende Rechnungsperiode übertrugen, stiessen rasch an die Produktionsgrenzen.

Bei der Aufhebung der Milchkontingentierung am 30. April 2009 gingen seiner Meinung nach auch Produzenten von einer falschen Annahme aus. Sie glaubten, nun drauflos produzieren zu können, und kümmerten sich zu wenig um die zugeteilten Lieferrechte.

Auch in der Käserei Strauss/St. Ursen wurden laut Käsermeister Franz Jungo im Frühjahr und Vorsommer einige zehntausend Kilo Milch mehr eingeliefert als im Vorjahr. Bis zu einem gewissen Grad habe er Verständnis gehabt für die Produzenten, welche die guten Futterverhältnisse ausnützen wollten, sagt Jungo. Seiner Meinung nach ist aber der zu hohe Kuhbestand die Hauptursache für die Überproduktion.

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