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Bauern wehren sich gegen Sperrfrist

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Autor: Helene Soltermann

Im Januar war es verhältnismässig warm. Landwirt Beat Mathys aus Cressier packte die Gelegenheit beim Schopf und trug Gülle aus. «Nicht nur ich habe das warme Wetter genutzt, sondern auch viele meiner Berufskollegen», sagt er. Was in diesem Winter noch erlaubt war, ist ab dem nächsten verboten: Das Ausbringen von flüssigem Hofdünger ist laut einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung des Staatsrates künftig vom 10. Dezember bis zum 10. Februar «in keinem Fall» erlaubt. Der Grund: Wird auf gefrorenem Boden gegüllt, kann dies Bäche und Grundwasser verschmutzen (siehe Kasten).

Beat Mathys stört sich am neuen Verbot. «Der Kanton behandelt uns, wie wenn wir keine Ahnung hätten», sagt er. «Wir wissen aber, wann es günstig ist, Gülle auszutragen.» Auch Landwirt Adrian Schneider aus Misery ist nicht glücklich über die neue Weisung. «Das Verbot orientiert sich an Terminen statt an der Natur. Wir Landwirte müssen aber mit der Natur arbeiten, nicht nach Reglement.»

Die neue Weisung des Kantons beschäftigt nicht nur die praktizierenden Bauern, sondern auch die politisierenden. Ob der Kanton Freiburg der einzige Kanton sei, der die Hofdüngeraustragung während zweier Monate nicht erlaube, wollen die beiden Grossräte Gabriel Kolly (SVP, Corbières) und Ruedi Schläfli (SVP, Posieux) in einer Anfrage an den Staatsrat wissen.

Zeitliches Verbot ist neu

Während sich der Staatsrat noch einmal mit der Weisung befassen muss, kann man sich bei der kantonalen Station für Tier- und Pflanzenbauproduktion in Grangeneuve damit abfinden. Dessen Leiter Joseph Emmenegger jedenfalls hat kein Gehör für Mathys und seine Berufskollegen. «Nun haben die Bauern klare Richtlinien», sagt er. Bis anhin schrieb der Kanton kein zeitlich festgesetztes Verbot fest. Vielmehr lautet die Regelung so, dass die Bauern «während der Vegetationsruhe» keinen Hofdünger auf den Feldern ausbringen dürfen. «Würde man diese alte Regelung beim Wort nehmen, wären die Vorgaben weit strenger als die neue Weisung», meint Emmenegger.

Für Emmenegger ist das Gülleverbot ausserdem gerechtfertigt, weil die Bauern genügend grosse Güllenlöcher haben, um Hofdünger während des Winters lagern zu können. Um ihre Güllegruben dem Tierbestand anzupassen, hatte der Kanton den Bauern in den letzten Jahren finanziell unter die Arme gegriffen.

Anton Lehmann, Pflanzenbau-Experte und Berater in Grangeneuve, hatte bereits Bauern am Telefon, die sich gegen das Verbot wehrten. Er findet zwar, dass den Bauern nicht immer mehr Verbote aufgebürdet werden sollten. Die zweimonatige Sperrfrist hält er jedoch für eine gangbare Regelung. «In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Gewässerverschmutzungen, weil Bauern Gülle zur Unzeit ausbrachten.»

Zwischen Stuhl und Bank sieht sich der Präsident des Freiburgischen Bauernverbandes Fritz Glauser. «Wir müssen die schlechte Nachricht unseren Landwirten überbringen.» Sein Verband habe schliesslich ein Interesse daran, dass sich die Bauern an die Weisungen hielten. Doch auch Glauser ist gegen das Gülleverbot. Wenigstens konnte der Bauernverband bei der Ausarbeitung der Weisung ein Wörtchen mitreden. «Wir konnten das Gülleverbot um ein paar Tage kürzen.»

Verstoss geht ins Geld

Hält sich ein Bauer nicht an das Verbot, wird er sanktioniert, wie Pflanzenschutz-Experte Lehmann sagt. Die Busse bei Gewässerverschmutzungen sei zwar hoch, aber verkraftbar. Weit einschneidender ist der Abzug bei den Direktzahlungen.

Egal, ob Schnee liegt oder nicht: Vom 10. Dezember bis zum 10. Februar dürfen Landwirte keine Gülle ausbringen.Bild Aldo Ellena

Ammoniak: Warum die Gülle nicht auf den Winterboden gehört

Gülle und Mist sind nicht bloss Abfallprodukte, sondern Nahrung für den Boden, wie Anton Lehmann, Berater am Landwirtschaftlichen Institut in Grangeneuve sagt. Ein in der Gülle enthaltener Nährstoff ist jedoch problematisch für die Umwelt: Stickstoff in Form von Ammonium. Kommt Ammonium mit Luft in Verbindung, verflüchtigt es sich als Ammoniak. Darum muss die Gülle vom Fass so schnell wie möglich in den Boden gelangen. Im Boden wird das Ammonium in Nitrat umgewandelt, welches von den Pflanzenwurzeln aufgesogen wird.

Je kälter die Luft, desto weniger Ammonium verflüchtigt sich in die Atmosphäre. Ist jedoch der Boden gefroren, kann die Gülle nicht versickern. Regnet es auf den gefrorenen Boden, fliesst die Gülle ab und kann in Bäche, in Flüsse oder ins Grundwasser gelangen.

Nicht nur auf dem Boden, sondern auch im Boden kann die Gülle zu Problemen führen. Haben sich die Wurzeln vollgesogen, versickert das überschüssige aus Ammonium gebildete Nitrat und gelangt ins Grundwasser.

Je wärmer, desto schlechter

Während im Winter der Boden der entscheidende Faktor fürs Gülleausbringen ist, ist es im Sommer die Luft. Je wärmer die Luft, desto mehr Ammoniak verflüchtigt sich. Deshalb sollten die Bauern laut Lehmann die Gülle an kühlen Tagen oder zumindest abends ausbringen, wenn es nicht mehr so warm ist. hs

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