Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Bedrohlich ist der, von dem man nichts weiss»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Innocent Naki aus Marly über sein Buch «Verschieden, aber vereint»

Autor: Mit INNOCENT NAKI sprach CAROLE SCHNEUWLY

Für Ihr Buch «Verschieden, aber vereint» haben Sie fünf Schweizerinnen interviewt, die mit schwarzen Männern aus Afrika zusammenleben. Die Frauen haben sehr offen über ihre Erfahrungen Auskunft gegeben. Drehen wir jetzt den Spiess um: Erzählen Sie uns Ihre eigene Geschichte?

Die Idee für das Buch ist tatsächlich zumindest teilweise aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen entstanden. Meine Frau Stéphanie ist Baslerin. Wir haben uns vor acht Jahren in meiner Heimat, der Elfenbeinküste, kennen gelernt. Während dreieinhalb Jahren haben wir uns danach regelmässig getroffen, immer in der Elfenbeinküste. Meine Frau konnte so oft nach Afrika reisen, wie sie wollte, ich hingegen konnte sie kein einziges Mal in der Schweiz besuchen. Dreimal wurde mein Visumsantrag abgelehnt, wegen «mangelnder Rückreisegarantie» und «Heiratsrisiko», wie es hiess …

Die von Ihnen interviewten Frauen erzählen ebenfalls von solchen Schwierigkeiten mit den Behörden, aber auch von familiären Auseinandersetzungen. Wie war das bei Ihnen?

Auch solche Probleme habe ich am eigenen Leib erfahren. Stéphanies Familie hat mir am Anfang klar zu verstehen gegeben, dass ich hier nicht willkommen sei. Sie selbst geriet zu Hause ebenfalls unter starken Druck.

Inzwischen hat sich die Situation aber normalisiert?

Ja. Nach dreieinhalb Jahren habe ich endlich ein Visum bekommen, damit wir in der Schweiz heiraten konnten. Danach hat Stéphanies Familie mich kennen und akzeptieren gelernt.

Diese persönlichen Erfahrungen waren aber nicht der einzige Grund, das Buch zu schreiben?

Ich habe in der Schweiz mehrere Frauen getroffen, die mit Schwarzen zusammenleben und jeden Tag mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Und ich habe mich geärgert über all die Ideologen, die sich eine hermetisch abgeschlossene Schweiz wünschen, während die Realität so vielfältig ist. Diese multikulturelle Schweiz wollte ich mit meinem Buch sichtbar machen.

Das Buch besteht ganz schlicht aus fünf Interviews. Wieso haben Sie sich für diese Form entschieden?

Weil ich die Aussagen der Frauen nicht durch meine Kommentare verwässern wollte. Sie haben diese Fähigkeit, mit einer unglaublichen Tiefe und Menschlichkeit zu kommunizieren. Sie erzählen ihre Geschichten viel besser, als ich es je könnte!

Und warum haben Sie keine Männer interviewt?

Weil eine weisse Frau, die in der Schweiz mit einem schwarzen Mann zusammenlebt, unter einem viel stärkeren sozialen Druck steht als ein weisser Mann, der mit einer schwarzen Frau zusammenlebt. Das belegen übrigens auch wissenschaftliche Studien. Ich wollte jenen eine Stimme geben, für die der Druck am grössten ist.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Frauen ausgewählt?

Das wichtigste Kriterium war, dass ihre Geschichten möglichst unterschiedlich sein sollten. Ich wollte keine Propaganda machen, sondern realitätsnahe Geschichten erzählen. Ich wollte zeigen, dass die porträtierten Paare Paare sind wie alle anderen auch, Paare mit guten und mit schlechten Zeiten, Paare, deren Beziehungen auf Dauer funktionieren können oder auch nicht. Und wenns nicht funktioniert, dann ist das nicht unbedingt die Schuld der Gesellschaft, die auf diese Paare Druck ausübt. Es kann auch einfach an dem Paar selbst liegen.

Sie haben sich für die Gespräche viel Zeit genommen und sich mit jeder Frau vier bis fünf Mal getroffen. Welche Eindrücke sind am Ende geblieben?

Ein Gefühl der Freundschaft, des Respekts und einer ungeheuren menschlichen Grösse. Eine der Frauen hat mit verschiedenen schwarzen Männern aus Afrika Enttäuschungen erlebt und sagte immer noch, das Problem liege nicht bei den Afrikanern, sondern einfach bei den Männern, die sie kennen gelernt habe. Ich habe viel gelernt von diesen Frauen und mich neben ihnen oft ganz klein gefühlt.

Das klingt sehr positiv, obwohl die Frauen auch von schlechten Erfahrungen erzählen …

Ich habe Menschen getroffen, die den Mut haben, mit Menschen einer anderen Hautfarbe zusammenzuleben. Das gibt mir Vertrauen und Hoffnung für die Schweiz von morgen, für eine Schweiz, die mit ihren Minderheiten in Frieden leben kann.

Trotzdem: Die Frauen erzählen immer wieder von rassistischen Bemerkungen und Schikanen durch Polizisten und andere Beamte, von Schwierigkeiten im Alltag und teils unglaublichen Demütigungen.

Die Erlebnisse dieser Frauen machen mich auch traurig. Trotzdem glaube ich fest daran, dass sich Weisse und Schwarze dank Information und Kommunikation immer näher kommen werden. Dieser Schritt muss von beiden Seiten kommen. Je besser man sich kennen lernt, umso einfacher wird die interkulturelle Verständigung. Der bedrohlichste Nachbar ist immer der, von dem man am wenigsten weiss.

Nur mit reden ist es aber nicht getan …

Nein, und in der Schweiz gibt es besonders viel Nachholbedarf: Die Schweiz hatte nie Kolonien, und es gab keine grossen antirassistischen Kämpfe. Die Auseinandersetzung mit dieser Problematik beginnt erst jetzt. Deshalb kommt es immer wieder zu Schikanen von Afrikanern und anderen Ausländern: weil man zu wenig über sie weiss. Abgesehen von der Informationsarbeit bräuchte es meiner Meinung nach eine stärkere kulturelle Durchmischung der Behörden und der Polizei. In den USA etwa, in Grossbritannien oder in Skandinavien ist das längst Realität.

Mehr zum Thema