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Beherrscht das Hirn den Menschen?

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Beherrscht das Hirn den Menschen?

Symposium «Hirnforschung und Menschenbild»

Ist der Mensch ein unfreies Wesen, das vollständig von physikalischen, im Hirn ablaufenden Prozessen gesteuert wird? Dies war eine der zentralen Fragen, mit denen sich das wissenschaftliche Symposium «Hirnforschung und Menschenbild» an der Uni Freiburg vom 12. bis 14. Oktober befasste.

Autor: Von WALTER LUDIN/Kipa

Der Freiburger Moraltheologe und Ethiker Adrian Holderegger, Hauptinitiant der Tagung, verwies in seiner Einleitung auf die Aktualität des Themas: «Wer hätte gedacht, als im Jahr 2000 das Jahrzehnt des Gehirns ausgerufen wurde, dass die Neurowissenschaften und speziell die Hirnforschung in der Wissenschaftswelt, aber auch in der Öffentlichkeit eine so hohe Aufmerksamkeit erreichen würden?» Traditionelle Konzepte vom Menschen als freiem und verantwortlichem Wesen kämen in Bedrängnis.

Sitzt Gott im Schläfenlappen?

Im Verlaufe des Symposiums wurde öfters an die «Aufgeregtheit» erinnert, welche die Hirnforschung in den vergangenen Jahren dank den Boulevardmedien ausgelöst hat. So wurde behauptet, der Sitz der Religiosität sei im Hirn lokalisiert worden, Gott sei ein blosses Produkt der betreffenden Neuronen. Das Hirn benutze den Menschen und nicht der Mensch das Hirn.

Forschung steckt noch in den Anfängen

Am Symposium ging man diese Fragen unaufgeregt an. Die Hirnforscherhätten zwar in den letzten zehn Jahren viele Forschungsergebnisse veröffentlicht, doch stecke man noch in den Anfängen, war häufig zu hören.Wie weit der Weg noch sein wird, zeigte Rainer Mausfeld. Der Professor für Psychologie an der Uni Kiel erzählte von der Erforschung des Fadenwurmes, eines sehr einfachen Lebewesens mit bloss 302 Nervenzellen. (Zum Vergleich: Der Mensch hat etwa 100 Milliarden.) Obwohl die wenigen Neuronen des Wurms und seine ebenso relativ kleine Anzahl von Genen vollständig untersucht worden seien, hätte man «nicht einmal den Schimmer einer Idee», wie sie letztlich funktionierten.

Leistungen völlig unerklärlich

Ihre Leistungen seien völlig unerklärlich. Die Antwort scheine auf einer «tieferen, abstrakteren Ebene» zu liegen.

Hirnbilder zeigen nicht alles

Zahlreiche Hirnforscher unter den Referenten zeigten anhand von Hirnbildern, dass die sogenannten bildgebenden Verfahren nur einen beschränkten Wert hätten. «Wenn zwei Wissenschafter am Denken sind, können ihre Hirnfunktionen abgebildet werden. Es wird aber keineswegs ersichtlich, dass sie allenfalls völlig gegensätzliche Inhalte denken», sagte Eberhard Schockenhoff, Professor für Moraltheologie in Freiburg i. Br.Ähnlich äusserte sich ein Anatomieprofessor. «Zu allen unsern geistigen Akten gibt es Entsprechungen in Hirnaktivitäten. Doch diese geistigen Akte sind nicht auf neuronale Prozesse oder letztlich auf physiko-chemische Vorgänge reduzierbar», führte Günter Rager, bis anhin Professor für Anatomie an der Uni Freiburg, aus.Christoph von der Malsburg, Professor für Systembiophysik an der Uni Bochum, sagte es so: «Wenn wir annehmen, dass die Grundlagen unseres Geistes etwas Mechanistisches sind, folgt daraus nicht, dass das, was darauf wächst, auch mechanistisch ist.»Eine «grundlegende Revision» des Menschenbildes sei durch die künftigen Ergebnisse der Hirnforschung kaum zu erwarten, lautete das Fazit der Tagung. Möglich seien aber Korrekturen dank einem bessern Verständnis der komplexen Vorgänge, die sich im hoch differenzierten System des Hirns abspielen. Immerhin ist jede der 100 Milliarden Nervenzellen mit bis zu 100 000 Verbindungen (Synapsen) mit andern verknüpft.

250 Teilnehmer und 20 Fachreferate

Am Symposium vom Donnerstag bis Samstag hörten 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer 20 Fachreferate und diskutierten darüber. Organisiert wurde das interdisziplinäre Kolloquium von der Medizinischen, Philosophischen und Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, von der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften und der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und der Universität Freiburg. Es stand unter dem Patronat von Bundesrat und Forschungsminister Pascal Couchepin.

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