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«Bei Gottéron fehlten einige Stückchen»

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Seit letztem Samstag ist Christoph Bertschy zurück in Düdingen. Dort wohnt der 24-Jährige vorübergehend bei seiner Familie. Ein Jetlag mit der einen oder anderen nächtlichen Wachphase erinnert den Sensler noch an seine Zeit in den USA. Im Interview mit den FN spricht der Sensler darüber, was er sonst noch mitnimmt aus seinen drei Jahren in Nordamerika, in denen er mit den Minnesota Wild 9 Spiele in der NHL und mit den Farmteams Iowa Wild und Binghamton Devils 210 Spiele in der AHL bestritt.

 

Christoph Bertschy, diesmal sind Sie ohne Rückflugticket in die Schweiz gereist. Mit welchen Gefühlen?

Unter dem Strich mit guten Gefühlen. In der Organisation der New Jersey Devils habe ich mich am Ende der Saison noch einmal richtig gut gefühlt. Und auch sonst werde ich positiv auf die drei Jahre zurückschauen. Ich habe viel gelernt, sowohl menschlich als auch auf dem Eis. Das kann mir keiner mehr nehmen.

Sie waren mit dem Ziel nach Nordamerika gereist, sich in der NHL zu etablieren. Das haben Sie nicht geschafft. Gab es Momente, in denen sich die Rückkehr wie ein Scheitern anfühlte?

Nein. Ich betrachte es eher als Schritt zurück, um dann vielleicht wieder zwei Schritte vorwärts zu machen. In der AHL kann ich mich nicht mehr gross weiterentwickeln. Wenn ich hingegen nun zurück in die Schweiz komme, eine wichtige Rolle im Team übernehmen kann und vielleicht Aufgebote für die Nationalmannschaft erhalte, wäre das eine grosse Sache – etwas, das mich als Eishockeyspieler weiterbringt. Und wenn ich dann allenfalls in zwei, drei Jahren wieder eine Chance in Nordamerika erhalte, werde ich versuchen, sie zu packen.

 

«Man sagte mir, ich dürfe nicht mehr mittrainieren. Fünf Stunden später sass ich im Flugzeug.»

 

Warum hat es in Ihren ersten drei Jahren noch nicht gereicht für regelmässige NHL-Einsätze?

Da kommen immer viele Faktoren zusammen. Bei Minnesota war es schwierig, weil die Organisation in allen drei Saisons ein starkes Team hatte. Zudem war die Mannschaft immer sehr nah am Salary Cap. Man war so nah an der Lohnobergrenze, dass es nicht möglich war, einfach mal einen Spieler ohne Not nach oben zu berufen, weil es ihm in der AHL gerade gut lief.

Ihre letzten Wochen verbrachten Sie dann in der Organisation der New Jersey Devils. Wie kam es zu diesem späten Wechsel?

Das war eine spezielle Geschichte. Es war Anfang Februar, und ich ging nichts ahnend ins Training, zog mich an und kurvte eine Viertelstunde vor Beginn schon mal auf dem Eis herum. Fünf Minuten vor Trainingsstart kam der Trainer auf mich zu und schickte mich ins Büro. Dort sagte man mir, ich dürfe nicht mehr mittrainieren. Fünf Stunden später sass ich im Flugzeug.

Wie fühlte es sich an, nach zweieinhalb Jahren auf diese Art weggetradet zu werden?

Man muss dazu sagen, dass mein Agent und ich um eine neue Chance bei einem anderen Team gebeten hatten. Deshalb war ich froh über den Wechsel, über die Chance, noch einmal etwas Neues zu sehen. Aber natürlich fühlte es sich merkwürdig an, dass alles so schnell ging und ich bis im letzten Moment nichts davon wusste.

 

Reichten die paar Stunden bis zum Flug, um sich von Ihren Freunden und Bezugspersonen zu verabschieden?

Ich blieb noch bis zum Trainingsende in der Garderobe, so konnte ich mich immerhin von den Teamkollegen verabschieden. Aber natürlich hatte ich auch neben dem Eis Leute kennengelernt. Von ihnen konnte ich mich nicht wirklich verabschieden. Ich ging in die Wohnung, versuchte, so viele Kleider wie möglich mitzunehmen – und weg war ich.

Ist es in Nordamerika härter Eishockey-Profi zu sein als in der Schweiz?

Für mich als Alleinstehenden war das zwar ein Schock, aber letztlich kein grosses Ding. Mit einer Familie wäre das natürlich ganz etwas anderes. Grundsätzlich hast du aber als Eishockey-Profi ein schönes Leben, weil du machst, was du liebst. Ob nun hier oder in Amerika, das macht keinen entscheidenden Unterschied, auch wenn du in der NHL und der AHL längere Roadtrips hast, was mit einer Familie sicher weniger vorteilhaft ist.

Sportlich lief es Ihnen nach dem Wechsel besser, Ihre Skorerwerte bei New Jerseys Farmteam Binghamton waren deutlich besser als zuvor bei Iowa, dem Farmteam der Minnesota Wild.

Das hatte viel mit meiner Rolle zu tun: Ich spielte plötzlich im ersten Powerplay-Block und stand meist bei den wichtigen Situationen auf dem Eis. Letztlich habe ich die Chance bekommen, die ich mir immer erhofft hatte. Ich konnte noch einmal zeigen, was ich eigentlich kann, deshalb bin ich recht zufrieden mit dem Ende.

Sind Sie nach dieser Hausse noch einmal ins Grübeln geraten, ob Sie wirklich in die Schweiz zurückkehren wollen?

Also ganz dazu entschieden zurückzukehren habe ich mich eigentlich noch nicht. Ich habe in Lausanne vor jedem der vier Vertragsjahre eine Ausstiegsklausel, von der ich Gebrauch machen kann, wenn mir ein NHL-Team einen Einweg-Vertrag (gleiches Gehalt in NHL und AHL, Red.) anbietet. Natürlich wird es schwierig, diesen Sommer einen solchen Vertrag zu erhalten – aber man weiss nie. Ich habe zuletzt recht gut gespielt, und die Devils sind auch nicht knapp dran in Sachen Salary Cap. Lausanne mag momentan wie Plan  A aussehen, aber für mich bleibt die NHL ein Thema – auch wenn ich mich natürlich auch auf Lausanne freuen würde.

Haben Sie vor Ihrer Rückreise in die Schweiz mit den Verantwortlichen der New Jersey Devils gesprochen?

Ja, wir hatten ein Abschlussmeeting. Sie sagten mir, sie seien sehr zufrieden gewesen und ich würde die Voraussetzungen mitbringen, um in ihrer Organisation erfolgreich zu sein. Aber sie sagten mir auch, es sei natürlich nur eine kurze Zeit gewesen und sie hätten mich halt noch nie im NHL-Team gesehen.

Welche drei Momente in Ihren drei Jahren in den USA haben Sie als Eishockeyspieler am stärksten geprägt?

An erster Stelle kommt natürlich das erste NHL-Spiel. Das war etwas Grandioses, davon träumt jeder Eishockeyspieler. An zweiter Stelle folgt mein erster Assist in der NHL. Dummerweise war es für den Torschützen gleichzeitig das erste NHL-Tor, deshalb hat er den Matchpuck erhalten und nicht ich. Der dritte Moment war etwas weniger Positives. Aber etwas, woraus ich lernen konnte. Es war in meinem zweiten Jahr, als ich nach dem Vorbereitungscamp eigentlich den letzten Cut geschafft hatte und im NHL-Team stand, Minnesota aber in letzter Sekunde noch einen Spieler verpflichtete und ich doch wieder in die AHL runtergeschickt wurde. Das war wie ein Bruch für mich. Ich benötigte fast eine halbe Saison, um mich davon zu erholen und wieder zur Normalform zu finden. Es war eine mental schwierige Zeit, weil ich an mir zu zweifeln begann. Ich blieb zwar der erste «Call-up» und wurde tatsächlich wieder kurz ins NHL-Team zurückbeordert. Doch ich war so gebrochen, dass wirklich grad nichts mehr ging.

Und welche Lehren ziehen Sie daraus?

Dass man manchmal einen Schlag ins Gesicht kriegt, und dass man in solchen Momenten möglichst schnell versuchen muss, den Rückschlag auszublenden, weiterzumachen und von sich überzeugt zu bleiben.

Was waren neben dem Eis Ihre besten Erlebnisse?

Da gibt es nicht so viele. Ich lebte in Des Moines und Binghamton. In beiden Städten gibt es nun wirklich absolut gar nichts zu sehen. Das meiste drehte sich ums Eishockey. Ganz gute Erinnerungen habe ich an meine erste Rookie-Party. Das war lustig, die Neulinge mussten eine Art Schnitzeljagd und dumme Sachen machen. Was genau, kann ich jetzt hier nicht sagen (lacht). Aber alle waren fröhlich und happy. Solche Momente mit Teamkollegen gab es immer wieder, und die schätzte ich sehr. Ganz allgemein schätzte ich auch die Offenheit und Hilfsbereitschaft vieler Amerikaner. Das hat mich ebenfalls geprägt.

Ein Beispiel?

Da war zum Beispiel dieser Vater einer Gastfamilie, die einen Schweizer beheimatete, der in einer Juniorenliga spielte. Ich kannte den Bruder des Juniors flüchtig und wurde deshalb mal zum Abendessen eingeladen. In den Tagen danach half mir der Gastvater dabei, ein Auto zu kaufen. Ein Mann, den ich nicht kannte, fuhr mit mir stundenlang von Autohändler zu Autohändler.

Vor Ihrem Wechsel in die USA hatten Sie Angst vor einsamen Momenten. Gab es die?

Ich habe gelernt, die Schweiz zu vermissen, gemerkt, dass ich die Schweiz sehr schön finde und längerfristig hier mein Leben verbringen möchte. Und natürlich habe ich meine Familie und meine Freunde vermisst – aber richtig einsam habe ich mich nie gefühlt. Ich hatte ja jeden Tag die Jungs um mich, hatte ständig Trainings und Spiele. Und wenn du einmal in deiner Freizeit alleine bist, kannst du immer deine Mitspieler anrufen, die sind schliesslich in derselben Situation. Ich wage es ja fast nicht zu sagen, aber jeden Montag haben wir uns zum Beispiel gemeinsam «The Bachelor» angeschaut. Solche lustigen Traditionen haben sich immer wieder eingebürgert, so dass ich nicht viel Zeit für Heimweh hatte.

«Lausanne präsentierte ein gutes Gesamtpaket, während bei Gottéron einige Stückchen fehlten.»

 

Zurück zur Gegenwart: Sie haben in Lausanne einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Warum fiel Ihre Wahl auf den LHC?

Lausanne baut etwas Grandioses auf. Der Club erhält ein neues Stadion und hat eine gute Fanbasis. Und obwohl Lausanne ein schlechtes Jahr hatte, bin ich überzeugt, dass mit dem Kader und mit den Neuverpflichtungen in den nächsten Jahren etwas Grosses möglich ist. Dass ich gleich für vier Jahre unterschrieben habe, hat damit zu tun, dass ich zeigen möchte, dass ich ein Team prägen und tragen und mich in einer Hierarchie hocharbeiten kann.

Es ist schon lange ein offenes Geheimnis, dass Sie im Fall einer Rückkehr nach Lausanne wechseln. Wann haben Sie den Vorvertrag bereits unterschrieben?

Das war tatsächlich schon im Januar 2017.

Aus Freiburger Sicht stellt sich natürlich die Frage: Warum haben Sie nicht bei Gottéron unterschrieben? Sportchef Christian Dubé soll fast vor Ihnen auf die Knie gegangen sein und Sie langfristig als mögliches Aushängeschild des Clubs gesehen haben …

Damals hat es für mich einfach nicht gepasst, es gab zu viele offene Fragen. Lausanne präsentierte ein gutes Gesamtpaket, während bei Gottéron einige Stückchen fehlten.

Konkreter …

Es war damals nicht klar, wer Trainer wird, wer im Tor stehen wird und so weiter.

Und das Team spielte im Januar 2017 unterirdisch.

Lausanne lag damals auf Rang vier, Gottéron auf dem zweitletzten Rang.

Und Lausanne hat wohl noch einen Tick mehr Geld geboten.

Nein, die Offerten waren mehr oder weniger identisch. Es ging nicht um Geld, sondern um die Perspektiven.

Karriere

Neun NHL-Spiele

Nach ersten Schritten beim EHC SenSee und Gottéron wechselte Christoph Bertschy 2009 bereits als Junior zum SC Bern. Zwei Jahre später gab er als 17-Jähriger sein Debüt in der NLA. Nach vier Saisons und einem Meistertitel mit dem SCB wechselte er 2015 nach Nordamerika in die Organisation der Minnesota Wild, die ihn drei Jahre zuvor in der sechsten Runde an 158. Stelle gedraftet hatten. In seinen zweieinhalb Saisons mit den Wild kam der Sensler zu 9 NHL-Einsätzen (1 Assist). Mehrheitlich spielte er mit dem Farmteam Iowa Wild jedoch auf zweithöchster Stufe in der AHL (184 Spiele, 76 Skorerpunkte). Im Februar wurde er in die Organisation der New Jersey Devils getradet, kam allerdings nur beim Farmteam Binghamton zum Einsatz (26 Spiele, 18 Skorerpunkte).

fm

 

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