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Bereit für den grossen Auftritt

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Behinderte, die Leistungssport betreiben, üben auf das Publikum eine besondere Faszination aus. Sie sind Botschafter der Hoffnung, Menschen, die bewundert werden, weil sie nicht nur ihr Schicksal meistern, sondern trotz ihres Handicaps unglaubliche körperlichen Leistungen vollbringen. So wie Ursula Schwaller.

Das Sahnehäubchen fehlt

Die Düdingerin, seit einem Unfall bei einer Schneeschuhtour 2002 Paraplegikerin, hat in den letzten Jahren auf ihrem Liegendvelo schier Unglaubliches vollbracht. 2009 wurde Schwaller im italienischen Bogogno Weltmeisterin im Strassenrennen, im Zeitfahren und im Teamevent. 2010 verteidigte sie in Baie-Comeau (Ka) ihre beiden Einzeltitel und 2011 liess sie sich im Rennen gegen die Uhr und auf der Strasse zum dritten Mal in Folge zur Weltmeisterin krönen. Die 36-Jährige hat nicht nur die internationale Handbike-Szene in den letzten drei Jahren geprägt und dominiert, sondern mit ihren Leistungen auch viel zum aktuellen Boom des Behindertensportes beigetragen.

Was Ursula Schwaller noch fehlt, ist das Sahnehäubchen auf ihrer beeindruckenden Karriere: eine Goldmedaille an Olympischen Spielen. In Peking vor vier Jahren hatte sich die Architektin und Baubiologin mit Platz 4 im Zeitfahren und Rang 9 im Strassenrennen zufriedengeben müssen. Nun will die Freiburgerin bei den heute in London beginnenden Paralympics Verpasstes nachholen und Edelmetall holen.

Akribische Vorbereitung

Damit sich der Gold-Traum verwirklicht, hat Ursula Schwaller in den vergangenen Wochen und Monaten keine Mühen gescheut. So hat sie sich ein neues, flacheres und aerodynamischeres Handbike angeschafft. Sie hat sich bei der Ruag in den Windkanal gelegt, Liegeposition, Helm und Kleider getestet. «So konnte ich meine Fussstellung auf dem Rad optimieren.»

Anfang Juli hat Schwaller ihr Training intensiviert und absolvierte seither täglich zwei Trainingseinheiten. Rund 10 000 Kilometer mit 50 000 Höhenmetern hat sie in den letzten zehn Monaten zurückgelegt. Bereits im vergangenen November hat sie die olympische Rennstrecke ausgemessen und die Daten der «Brands Hatch» in ihre Trainingsrolle eingegeben, um den Ernstkampf perfekt simulieren zu können.

Auch in London überlässt die Freiburgerin nichts dem Zufall. So hat sich Ursula Schwaller neben der «Brands Hatch»–der ehemaligen Formel-1-Strecke, auf der Jo Siffert 1968 sein erstes F1-Rennen gewann und drei Jahre später tödlich verunglückte–ein Zimmer gemietet. Damit vermeidet sie am Renntag Reisestrapazen, zudem kann sie dem Trubel im olympischen Dorf entfliehen.

Die Krux mit dem Klassierungssystem

Am 5. September beim Zeitfahren und zwei Tage später beim Strassenrennen wird sich zeigen, ob sich Schwallers akribische Vorbereitung auszahlt. Trotz ihres Palmarès geht Ursula Schwaller in London nicht als grosse Favoritin an den Start, was in erster Linie mit dem Klassierungssystem zu tun hat.

Das Klassierungssystem ist das Rückgrat des paralympischen Sports. Jeder Athlet soll dieselben Chancen haben, deswegen wird er untersucht und in eine passende Klasse eingeteilt. So gibt es zum Beispiel in der Leichtathletik 41 Klassen, beim Handcycling sind es drei. Zur Leistungsklasse H1 gehören die Tetraplegiker mit einer Fraktur im Halswirbelbereich, in der Leistungsklasse H2 starten Paraplegiker wie Schwaller mit einer Fraktur zwischen dem 1. und 10. Brustwirbel und in der Klasse H3 jene mit einer Fraktur ab dem 11. Brustwirbel abwärts. Im Gegensatz zum Internationalen Radsport-Verband UCI, der die Weltmeisterschaften organisiert und alle Leistungsklassen getrennt durchführt, legt das Internationale Paralympische Komitee IPC bei den Paralympics Kategorien zusammen. So auch im Strassenrennen der Handbikerinnen, wo H1, H2 und H3 gemeinsam an den Start gehen. Während Schwaller nur ihre Arm- und Brustmuskulatur einsetzen kann, haben H3-Athletinnen auch die Rumpfmuskulatur zur Verfügung. «Das kann vor allem bei kurzen Beschleunigungen in Sprints und Anstiegen ausschlaggebend sein», sagt Schwaller. «Auf der hügeligen Strecke in London bin ich da im Nachteil.»

Anders liegen die Dinge beim Zeitfahren, wo H2 und H1 zusammen starten. «Weil keine H1-Fahrerin an den Start geht, wird es ein ‘reines’ H2-Rennen. Vier bis fünf Fahrerinnen dürfen sich da Hoffnungen auf Gold machen, und ich gehöre sicher dazu.»

Keine Angst vor Tricksern und Simulanten

Mittlerweile sind die Paralympics in den Fokus der internationalen Medien gerückt. Stars wie der südafrikanische Prothesen-Sprinter Oscar Pistorius, der inzwischen gegen Nichtbehinderte antritt, haben es zu internationalem Ruhm gebracht. Im Behindertensport lässt sich heute gutes Geld verdienen.

Wo Geld im Spiel ist, ist auch die Versuchung zum Tricksen gross. Spätestens seit der spektakulären Geschichte der Holländerin Monique van der Vorst, die zugab, dass sie auch während ihrer Karriere als querschnittgelähmte Handbikerin stehen und gehen konnte, wissen alle, dass sich an den Wettbewerben der Behinderten auch jede Menge Simulanten tummeln. Sorgen macht sich Schwaller deswegen keine–keine mehr. «Es gab eine amerikanische Handbikerin, die sich meiner Meinung nach eine günstigere Klassierung erschlichen hat. Der amerikanische Verband hat sie allerdings nicht selektioniert.»

Berset gefordert

Mit Jean-Marc Berset nimmt ein zweiter Freiburger Handbiker an den Paralympics teil. Der 52-Jährige aus Bulle ist mehrfacher Weltmeister und zählt folglich auch in London zu den Anwärtern auf eine Medaille. Die internationale Konkurrenz hat im letzten Jahr allerdings mächtig zugelegt und wird dem Greyerzer einen Exploit abverlangen.

«Vier bis fünf Fahrerinnen dürfen sich Hoffnungen auf Gold machen, und ich gehöre dazu.»

Ursula Schwaller

Handbikerin

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