Schwarzenburg 05.07.2018

Alte Schulstube zu neuem Leben erweckt

Die Primarschule Schwarzenburg machte einen Zeitsprung zurück ins Jahr 1868.
Als das Schulhaus an der Schlossgasse in Schwarzenburg vor 150 Jahren gebaut wurde, hat man noch mit Federkiel geschrieben und Kurrentschrift gelesen. Ihm zu Ehren liess die Primarschule Schwarzenburg längst vergangene Schulzeiten wieder aufleben.

Mit der Digitalisierung Schritt halten, den Anforderungen des Lehrplans  21 gerecht werden, die Helikopter-Eltern zu besänftigen wissen: Die Herausforderungen an die Primarlehrpersonen von heute sind komplex. Kein Wunder, dass sie sich hie und da in die Schulstuben vergangener Tage zurückwünschen – zurück in eine Zeit, als das Wort von Schulmeistern und Lehrgotten noch über das Klassenzimmer hinaus von Bedeutung war. Am diesjährigen Schulschlussfest ergriffen die Lehrkräfte und Schulkinder der Primarschule Schwarzenburg die Gelegenheit, diese Tage erneut zum Leben zu erwecken.

Alte Schule rockt

Als Zielpunkt für die gemeinsame Zeitreise wurde das Jahr 1868 auserkoren. «Beim Studium historischer Akten ist eine Lehrerin darauf gestossen, dass das Schulhaus an der Schlossgasse vor genau 150  Jahren aus Sandsteinen des Steinbruchs im Allmit­hölzli gebaut worden ist», erklärte Primarlehrerin und Organisatorin Ruth Wandfluh. Unterstützt von unzähligen Helfern vollzogen 40 Lehrpersonen und 240 Schulkinder aus zwölf Primarklassen vergangenen Freitag gemeinsam mit Verwandten und Freunden den Zeitsprung.

Bildergalerie am Ende des Artikels.

In einer mit antikem Mobiliar eigens hierfür eingerichteten Schulstube erlebten die Erst- bis Sechstklässler Schulunterricht wie zu Urgrossvaters Zeiten. Bruno Chapuis vom Schulmuseum Bern, schlüpfte in die Rolle des gestrengen Schulmeisters und kon­trollierte höchstpersönlich die Sauberkeit der Schülerhände, dirigierte die Leseübungen der Klasse mit seinem Stock und liess ungehorsame Schüler – natürlich nur zu Showzwecken – auf ein Holzscheit knien. Den Angehörigen auf der anderen Seite der Schulzimmertür berichteten die Schülerinnen und Schüler – die Jungs waren stil­echt mit Hosenträgern, Hemd und Hut erschienen, die Mädchen in Röcken und Schürzen und mit langen Haarzöpfen, die Lehrer trugen Tracht – im Anschluss an die Lektion mit leuchtenden Augen vom gerade Erlebten: Streng sei es zwar gewesen, aber doch auch ein «megacooles» Erlebnis.

«In Zeiten, in denen die Schule oft kritisiert wird, habe ich grosse Unterstützung gespürt.»

Ruth Wandfluh

Lehrerin Primarschule Schwarzenburg

 

Im und rund um das Schulhaus kamen auch jene auf ihre Kosten, die dem Primarschulalter bereits entwachsen sind: Beim Sackhüpfen, Büchsenwerfen und «Haagge-Stäcke-Hockey» traten Gross und Klein gegeneinander an. In Workshops wollte das Lesen der Kurrentschrift oder das Schreiben mit dem Federkiel gelernt sein. Im Schlosshof erhielten Besucher die Möglichkeit, den Meistern beim Weben, Töpfern, Klöppeln oder Schnitzen über die Schultern zu schauen. Begleitet von Volkstänzen, Alphorn- und Dreh­orgelklängen wurde aus dem Schulhaus-Jubiläum ein Fest für das ganze Dorf.

Über 1000 Besucher hätten das Fest besucht, zeigte sich Ruth Wandfluh am Tag nach dem Fest zufrieden. «Die Eltern waren von dieser Zeitreise ebenso begeistert wie die Kinder.» Sie empfinde grosse Freude, mit dem Schulteam ein so vielfältiges Fest zustande gebracht zu haben. «In Zeiten, in denen die Schule oft kritisiert wird, habe ich grosse Unterstützung gespürt. Der Aufwand hat sich gelohnt.» Das sah Gemeinderat Daniel Schmied genau so: «Vom Menü bis zu den Trachten hat alles gepasst. Das Fest hat begeistert. Da wurden Kultur und Bildung in festlicher Laune ­vereint.»