NEUENEGG/KÖNIZ 15.10.2020

Das Dorf zwischen zwei Gemeinden

Die Verengungen, die für eine Verkehrsberuhigung sorgen sollen, sind in Thörishaus nicht gern gesehen.
Beim heutigen Info-Abend in Thörishaus wird die Neuenegger Gemeinderätin Petra Freiburghaus über die Dorfentwicklung sprechen. Der Könizer Gemeinderat Christian Burren äussert sich zur Verkehrssituation.

Thörishaus zeichnet sich durch die spezielle Situation aus, dass das Dorf zu zwei Gemeinden gehört. Im Westen befindet sich Neuenegg, der Osten des Dorfes gehört zur grossflächigen Gemeinde Köniz, die sich vom Westen Berns bis nach Thörishaus erstreckt. Der Ortsverein Thörishaus hat sich die Wahrung der Interessen der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner auf die Fahne geschrieben. Heute Abend lädt er zu einer Informationsveranstaltung ein. Als Redner sind Petra Freiburghaus, Gemeinderätin von Neuenegg, sowie der Könizer Gemeinderat Christian Burren eingeladen.

«Es ist wichtig, dass wir von beiden Gemeinden jeweils jemand im Boot haben», sagt Walter Stucki, Vizepräsident des Ortsvereins Thörishaus. Weil die Hauptversammlung des Ortsvereins diesen Frühling aufgrund der Covid-19- Pandemie nicht stattfinden konnte, habe man entschieden, heute einen Informationsabend zu organisieren, um den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern von Thörishaus nicht komplett zu verlieren.

Neuenegg will Areal ersteigern

Freiburghaus informiert heute Abend als Vorsteherin der Bau- und Planungskommission der Gemeinde Neuenegg über die Dorfentwicklung von Neuenegg. «Es ist ein recht umfangreiches Dossier, und ich will nicht zu viel vorwegnehmen», sagt Freiburghaus auf Anfrage. Bereits vor eineinhalb Jahren habe der Gemeinderat eine Arbeitsgruppe auf die Beine gestellt, die sich mit einem Konzept für ein neues Dorfzentrum auf Neuenegger Seite befassen sollte. Diese Gruppe habe den Bedarf und die Machbarkeit geprüft. Zudem habe der Gemeinderat eine externe Firma mit der Entwicklung des Dorfzentrums beauftragt.

Kein Geheimnis ist, dass die Gemeinde Neuenegg das Areal der Unterweg-Garage erwerben will, das zum Verkauf steht. Die Gemeindeversammlung von Neuenegg hatte im August dem Gemeinderat die Erlaubnis erteilt, an der Versteigerung des Areals vom 9. November mitzubieten, ohne zu wissen, wie teuer das Areal schliesslich sein wird. Für Freiburghaus ist ein Kauf des Geländes für die Dorfentwicklung essenziell. «Jetzt ist der Moment da, zuzuschlagen, damit wir keine Chance verpassen.» Strategisch sei es sinnvoll, bei der Versteigerung mitzubieten. Denn die Planung der Dorfentwicklung sei wesentlich einfacher, wenn sich nicht zu viele Player einmischen würden. Freiburghaus verrät, dass der Gemeinderat noch in weitere Verhandlungen involviert sei und plane, noch andere Grundstücke zu erwerben.

Walter Stucki begrüsst die Pläne der Gemeinde Neuenegg, die Entwicklung eines Dorfkerns auch auf dieser Seite voranzutreiben. Stucki ist auch gespannt, ob die Vision einer Verlängerung der Autobahnüberdeckung nach wie vor im Raum steht und ob sie realisierbar ist. Auf der Könizer Seite sei die Dorfentwicklung ja bereits fast abgeschlossen – nun sei es an der Zeit, dass auch die andere Seite vorwärtsmache.

Keine neuen Erkenntnisse

Der Direktionsvorsteher des Departments Planung und Verkehr, der Könizer Gemeinderat Christian Burren, informiert über die Verkehrssituation auf der Sensemattstrasse. Der Vizepräsident des Ortsvereins erwartet von ihm Erklärungen dazu, wie es mit den Tempoanpassungen auf dieser Strasse weitergeht. An der Hauptversammlung des Ortsvereins im Frühling 2019 sorgten die Massnahmen zur Verkehrsberuhigung in Thörishaus für Ärger bei den Dorfbewohnern. Die Gemeinde Köniz hatte auf der Sensemattstrasse zwei Verengungen gebaut, um den Verkehr zu verlangsamen. Sie kamen bei den Anwohnern und beim Gewerbe von Thörishaus nicht gut an. Sie forderten die Entfernung der Verengungen und andere Massnahmen zur Verkehrsberuhigung. Burren versuchte damals zu beruhigen und erklärte, dass seit jeher klar gewesen sei, dass die Situation nicht ideal sei – denn eine wirksame Verkehrsberuhigung erfordere eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde – Thörishaus habe aber auf Tempo 40 beharrt.

Auf Anfrage teilt Burren mit, dass eine kurzfristige Veränderung der Situation nicht geplant sei. «Wegen der ausserordentlichen Situation mit den Bahnersatzbussen in Thörishaus können wir bis mindestens April des nächsten Jahres nichts machen.» Bis zu diesem Datum würden die Verengungen sicherlich Bestand haben. «Die Informationen von meiner Seite werden kurz sein, da keine neuen Erkenntnisse auf dem Tisch liegen.» Gespannt ist Burren jedoch auf die Ausführungen der Gemeinde Neuenegg. Denn die geplante Dorfentwicklung auf dieser Seite sei auch eine Chance für Thörishaus und deren Verkehrsprobleme. Momentan sei das Problem, dass die Autofahrer auf der Seite Neuenegg zu schnell fahren würden, weil sie kein Dorfzentrum erkennen würden. «Die Dorfentwicklung auf Seite Neuenegg bietet die Chance, dass man den Verkehr so gestalten kann, dass er nachhaltig ist und den Bedürfnissen aller Bewohnerinnen und Bewohner von Thörishaus entspricht.»

«Es ist wichtig, dass wir von beiden Gemeinden jeweils jemand im Boot haben.»

Walter Stucki

Vizepräsident Ortsverein Thörishaus