Laupen 29.11.2018

Der neue «Achetringeler» ist da

Dieses Bild aus der Gosteli-Sammlung zeigt die Marktgasse in Laupen um das Jahr 1940.
Die alljährliche Chronik lässt das Jahr im ehemaligen Amt Laupen Revue passieren. Dieses Jahr erzählt unter anderem die Tochter des letzten Seilers in Laupen aus ihrer Jugendzeit in den Dreissiger- und Vierzigerjahren.

Es ist ein Ritual: Jedes Jahr, schön vor den Gemeindeversammlungen der Wintersaison, greift die Chronik «Achetringeler» Themen auf, welche die Gemeinden im ehemaligen Amt Laupen unter dem Jahr beschäftigt haben. Am Dienstagabend präsentierten die Herausgeber in Gümmenen die 93. Ausgabe der Chronik.

Zwei Beiträge des diesjährigen «Achetringelers» machen die Geschichte der Region erfahrbar. In einem Interview erzählt Margrit Haller-Bernhard aus ihrer Kindheit im Laupen der Dreissiger- und Vierzigerjahre. Ihr Vater Ernst Bernhard führte das letzte Seilergeschäft in Laupen. «Die Seile wurden an drei Orten hergestellt: die kurzen in unserer Seilerwerkstatt an der Marktgasse 21, die mittleren in der dreissig Meter langen Schlossscheune. Die längsten, bis zu 100 Meter langen Seile entstanden auf der Seilerbahn entlang des Schlosssträssli.» Die erwähnte Schlossscheune brannte 1940 nieder. Das Feuer zerstörte die Anlagen der Seilerei und deren ganzer Hanfvorrat. Entsprechend beträchtlich war der angerichtete Schaden.

Lebendiges Stedtli

Damals habe im Stedtli jeder jeden gekannt. «Man wusste sehr viel voneinander, aber man fühlte sich gleichwohl nicht als Einheit. Dazu waren die Leute zu verschieden», sagt Haller-Bernhard. Heute sei vieles verschwunden: «Die Fuhrwerke auf der Strasse, die Rossäpfel überall, die Frauen, die mit ihren Einkaufstaschen unterwegs waren.» Vor den Häusern hätten Handwerker gearbeitet. Das Leben habe zu einem guten Teil auf der Strasse stattgefunden. In Laupen habe es damals viele Originale gegeben, die Selbstgespräche geführt hätten. Gerade Kinder hätten diese Aussenseiter oft geplagt, räumt Haller-Bernhard ein.

Margrit Haller-Bernhard erzählt im Interview auch von den traditionellen Bräuchen in Laupen. Neben dem «Achetringele» zum Jahresende gab es zu dieser Zeit auch das sogenannte Brämen am Hirsmontag im Frühjahr. Dabei lauerten die Burschen in der Dunkelheit den Mädchen auf. «Wenn sie eines erwischten, schmierten sie der Armen mit Russ vermischte Karrensalbe ins Gesicht.» Manchmal litten darunter auch die Kleider. Trotzdem gingen die Mädchen des Dorfes an den Brämabenden auf die Strasse. «Denn es lockte uns gleichwohl, von einem Burschen, vielleicht sogar dem Schätzeli, gefangen zu werden.»

Bäckerei und Frauenverein

Neben dem Interview mit Margrit Haller-Bernhard erzählen auch zwei Senioren aus Neuenegg aus ihrer Jugendzeit. Die Chronik erläutert weiter die wechselvolle Geschichte der Bäckerei Ritz, die im vergangenen März schliessen musste. Auch der Verkehr kommt zur Sprache: Leserinnen und Leser erfahren, wie Zugpassagiere im Notfall den neuen Rosshäuserntunnel verlassen könnten. Eine Folge des neuen Tunnels ist die Schliessung der Station Ferenbalm-Gurbrü. Urs Dick schildert, welche Impulse der Bau der Bahnlinie und der Station in der Region ausgelöst hat. Franziska Herren beschreibt, wie sich der Frauenverein Ferenbalm und Umgebung entwickelt hat. Dazu kommen weitere Beiträge zu diversen Themen sowie die Chroniken der Gemeinden und ihrer Vereine. Wie jedes Jahr nehmen ausserdem der Nachtwächter und die Zytlupe das zu Ende gehende Jahr auf die Schippe.

Praktische Informationen

Im Abonnement oder im Verkauf

Der «Achetringeler» lässt sich abonnieren oder an diversen Verkaufsstellen in der Region zum Preis von 12 Franken erwerben. In mehreren Gemeinden ziehen auch Schülergruppen von Haus zu Haus. Auf der Website können Interessierte alle Artikel der bislang 92  Aus­gaben seit 1926 nach Schlagworten suchen.

sos

www.achetringeler.ch