laupen 28.11.2019

Der neue «Achetringeler» ist da

Der «Achetringeler» erscheint in diesem Jahr zum 94. Mal. In der Jahreschronik der Region Laupen geht es dieses Jahr unter anderem um die Gemeindefusion Golaten-Kallnach und den Wandel des Berndeutschen.

Die Chronik «Achetringeler» erschient jedes Jahr Ende November. Seit 1926 schreibt ein Autorenteam auf, was sich im aktuellen Jahr in Laupen und den umliegenden Gemeinden ereignet und was die Gemeinden beschäftigt hat. Am Dienstagabend präsentierten die Herausgeber in Golaten die 94. Ausgabe des «Achetringelers». In der diesjährigen Ausgabe sind Beiträge aus den Gemeinden Laupen, Thörishaus, Neuenegg, Bösingen, Ferenbalm und Mühleberg enthalten.

Gemeindefusion mit Kallnach

Nicht zufällig wurde der neue Band dieses Jahr in Golaten vorgestellt. Die Gemeinde fusionierte Anfang 2019 mit der Gemeinde Kallnach. Die Herausgeber des neuen «Achetringeler» haben die Fusion zum Anlass genommen, ein Interview mit dem letzten Gemeindepräsidenten von Golaten zu führen. Hansjörg ­Tüscher erzählt, dass nach der Ablehnung der Sechserfusion mit den Gemeinden Wileroltigen, Gurbrü, Ferenbalm, Kriechenwil und Laupen eine Fusion mit Kallnach die bestmögliche Option gewesen sei. Eine Dreierfusion mit den beiden Gemeinden Gurbrü und Wiler­oltigen sei auch nicht sinnvoll gewesen, da die neue Gemeinde immer noch zu klein gewesen wäre. Zur Diskussion gestanden sei auch eine Fusion mit der grossen Gemeinde Kerzers im Kanton Freiburg. Doch weil die Gemeinde in diesem Fall den Kanton hätte wechseln müssen, kam das für die meisten Bürger nicht infrage. Tüscher erzählt: «Es gab einige Pro-Kerzers-Stimmen, aber der Gedanke an ein FR-Schild am Auto störte viele dann doch.»

Berndeutsch in Neuenegg

Ein weiterer Beitrag erkundet die Veränderung des Berndeutschen in Neuenegg in den letzten 80 Jahren. Die Sprachwissenschaftlerin Christa Schneider von der Universität Bern hat für ihr Dissertationsprojekt den Dialekt, der früher in Neuenegg gesprochen wurde, mit demjenigen von heute verglichen. Dafür hat sie Daten hinzugezogen, die im Jahr 1945 in Neuenegg erhoben wurden – drei ältere Personen wurden damals während mehrerer Tage intensiv zu ihrem Dialekt befragt. Schneider hat herausgefunden, dass in Neuen­egg gewisse Wörter im Gegensatz zu umliegenden Dörfern nach wie vor so ausgesprochen werden wie vor 80 Jahren. So gebe man sich in Neuenegg nach wie vor ein «Müntschi» und keinen Kuss, wie an anderen Orten im Berner Mittelland.

Erstaunlich sei, dass in Neuenegg das Wort «stogle» noch in allen Generationen vorkomme, während in Laupen und den Gemeinden jenseits der Saane «stoupere» verwendet würde. «Vielleicht hat hier die Saane als natürliche Barriere gewirkt, wodurch nicht so viel Kontakt zwischen den Dialekten entstehen konnte», vermutet Schneider.

Es gebe jedoch auch Wörter, die sich verändert hätten oder ganz verschwunden seien. So sagt man heute in Neuenegg «töif» und nicht mehr «tüüf», und eine Ziege ist eine «Geiss» und nicht mehr eine «Giis». In der Küche trage man jetzt einen «Schurz» oder eine «Schöibe», während das früher verwendete Wort dafür, «Füürte» (Füürtuech), verschwunden ist.

Der wichtigste Grund, warum sich die Dialekte im Berner Mittelland verändert haben, ist laut Schneider die Mobilität. «Wir wohnen am einen und arbeiten am anderen Ort, oder wir ziehen vom einen in einen anderen Ort, beides verändert unsere Sprache.» Auch die Standardsprache habe Einfluss auf die Dialekte. «Wir übernehmen im Moment viele Wörter aus dem Hochdeutschen.»

Von Bibern und Felshäusern

Daneben erläutert die Chronik die Geschichte von Walter Bartlomé, der oberhalb des Zusammenflusses von Sense und Schwarzwasser ein Felsenhaus errichtet hat. Nicht fehlen darf das Mittelländische Schwingfest in Neuenegg sowie die Sonderausstellung «Sie hinterliessen Spuren» im Schloss Laupen. Der Kirchglocke in Bösingen, der grössten Glocke im Sensebezirk, ist ein Artikel gewidmet, wie auch der Biberansiedlung in Ferenbalm. Darüber hinaus sind die Neuuniformierung der Musikgesellschaft Laupen-Mühleberg, die Feuerwehr Region Laupen, die Oberschulen in der Region Laupen sowie das 50-Jahr Jubiläum des SAC Ledifluh Thema.

Informationen

Schüler verkaufen die Chronik

Der «Achetringeler» lässt sich abonnieren oder in diversen ­Verkaufsstellen zum Preis von 12 Franken erwerben. Mehrere Schülergruppen werden wie jedes Jahr durch einige Gemeinden ziehen und den Band verkaufen. Auf der Website können Interessierte alle Artikel der Ausgaben seit 1926 suchen.

nj

 

www.derachetringeler.ch