Schwarzenburg 24.10.2019

Die Gemeinden stehen hinter dem Park

Vor allem Gewerbebetriebe stehen dem Naturpark Gantrisch skeptisch gegenüber. Sie befürchten etwa Einschränkungen durch neue Beleuchtungsvorschriften.
Im kommenden Jahr muss die Bevölkerung der 20 Parkgemeinden entscheiden, ob sie den Naturpark Gantrisch weiterführen will. Das Resultat dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie sich Politiker und Verbände positionieren. Die FN haben nachgefragt.

Der Schwarzenburger Gemeindepräsident Martin Haller (SVP) äussert sich auf Anfrage klipp und klar: «Es gibt keinen anderen Weg, als den Naturpark Gantrisch weiterzuführen.» Der Gemeinderat von Schwar­zenburg stehe einstimmig und überzeugt hinter der Verlängerung des Parklabels. Die Region sei durch den Park bekannter geworden. Auch finanziell zahle sich der Park aus: «Die regionale Wertschöpfung ist enorm.» Neben dem eigentlichen Tourismus profitierten auch die Baubranche oder Lebensmittelproduzenten. «Dank dem Park fliesst mehr Geld in unsere Region, als wir investieren müssen», so Haller.

«Wir konnten stark vom Park profitieren», meint auch Hans­peter Schneiter, Gemeindepräsident von Guggisberg. «So erhielten die Landwirte Landschaftsqualitätsbeiträge dank der Unterstützung des Naturparks früher als an anderen Orten.» Schneiter führt selber einen Hof in Riffenmatt. Der Naturpark Gantrisch habe zudem regionale Produkte gefördert und die Wertschöpfung gesteigert. Wie Haller befürwortet er deshalb die Verlängerung des Parklabels.

Haller ist optimistisch

Martin Haller informiert die Schwarzenburger Bürgerinnen und Bürger regelmässig an Gemeindeversammlungen über den Naturpark. «Schwarzenburg wird der Verlängerung problemlos zustimmen», ist er überzeugt. Er habe kaum je negative Stimmen zum Park gehört. Sein Guggisberger Amtskollege Hanspeter Schneiter ist vorsichtiger: «Wir dürfen die Abstimmung nicht auf die leichte Schulter nehmen.» Nach wie vor gebe es in Guggisberg skeptische Stimmen. Die Gemeinde werde deshalb an der kommenden Gemeindeversammlung den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.

Kein Hindernis für Landwirte

«Kritisch-positiv» nennt Hansjörg Rüegsegger seine Haltung zum Naturpark. Der Präsident des Berner Bauernverbands und SVP-Grossrat aus Riggisberg befürwortet die Erneuerung des Parklabels. «In den letzten acht Jahren sind viele Angebote und Produkte entstanden, die der Park gefördert hat.» Zudem habe sich die Region durch den Park touristisch gut positionieren können, so Rüegsegger. In Zukunft müsse sie aber noch bekannter werden, und die Qualität des gastronomischen Angebots müsse sich verbessern. Zurzeit unterstützen Bund und Kanton den Park jährlich mit 1,5  Millionen Franken. Längerfristig solle der Park finanziell unabhängiger werden und mehr Wertschöpfung generieren, fordert Rüegsegger. «Die meisten Projekte brauchen aber Zeit, bis sie richtig in Fahrt kommen.» Da sei der Naturpark keine Ausnahme. Die Meinung der Landwirte hänge vor allem davon ab, ob sie im Alltag mit dem Park in Berührung kämen. «Die Landwirte, die etwa das Gantrischlabel für ihre Produkte nutzen können, stehen dem Park positiv gegenüber. Andere sehen dessen Nutzen weniger.» Der Park komme den Landwirten im Alltag aber nicht in die Quere.

Gewerbler befürchten Auflagen

Deutlich kritischer äussert sich Thomas Kreuter, Präsident des Vereins KMU Schwar­zen­burger­land. «Der Naturpark hat den meisten Betrieben in der Region nicht viel gebracht», sagt der Inhaber eines Architekturbüros in Schwar­zenburg. Er widerspricht damit den beiden Gemeindepräsidenten. «Profitieren konnten vor allem das Gastgewerbe und der Tourismus.» Denn der Park habe mehr Touristen in die Region gebracht, anerkennt Kreuter. Die übrigen Betriebe hätten im Alltag aber wenig vom Park gespürt. Das ändere sich jetzt, allerdings nicht zum Guten. Denn für seine Kandidatur als Sternenpark hat der Naturpark Beleuchtungsrichtlinien erarbeitet, die die Betriebe bei einer strengen Umsetzung laut Kreuter stark einschränken könnten.

Ob die Gewerbler die Erneuerung des Parklabels ablehnen werden, kann Thomas Kreuter schwer abschätzen. «Je mehr Auflagen durch den Park auf uns zukommen, desto mehr Gewerbler sind gegen eine Erneuerung. Je mehr Spielraum der Park den Gewerblern lässt, desto weniger stellen sie sich gegen den Naturpark.»