Schwarzenburg 11.07.2019

Die Lehrerin ist an allem schuld

Die Schulkinder stecken mitten in den Vorbereitungen für das geplante Sommerfest. Ihre Eltern sind derweil mit sich selber beschäftigt.
«Frau Müller muss weg» heisst die neue Freilichtproduktion der Bühne Schwarzenburg, die morgen Premiere feiert. Die Komödie karikiert bissig Eltern, die das Unvermögen ihrer Kinder der Lehrerin anlasten und dabei mit ihrem eigenen Leben kämpfen.

«Seit wann sind Eltern objektiv», fragt Lauras Mutter Jessica in die Runde. Auf der Schwarzenburger Freilichtbühne haben sich die Eltern von vier Schulkindern versammelt, um sich über die Klassenlehrerin ihrer Kinder zu beschweren. Ihr Fazit ist klar: «Frau Müller muss weg».

Das ist zugleich der Titel der neuen Produktion der Bühne Schwarzenburg, die morgen Premiere feiert. «Mehrere Gründe sprachen für dieses Stück», erklärt Regisseur Dominique Saner. Einerseits wollte die Bühne Schwarzenburg ein zeitgenössisches Werk aufführen. Andererseits war das Thema des Werks zugänglich: «Die Schule kennen alle aus eigener Erfahrung.» Und schliesslich sei «Frau Müller muss weg» zwar eine Komödie, gleichzeitig aber recht bissig.

Ein Sommerfest als Rahmen

Die Bühne Schwarzenburg hat das Stück auf ihre Anforderungen zugeschnitten. «Schauplatz ist nicht mehr ein Klassenzimmer wie im Original, sondern ein Sommerfest», erklärt Saner. Während des Stückes laufen die letzten Vorbereitungen, bevor das Fest am Ende tatsächlich beginnt.

Während Schulkinder und einige Erwachsene den Festplatz schmücken, warten die Eltern der vier Schulkinder angespannt. Sie haben mit Frau Müller abgemacht. Sie wollen ihr die unmissverständliche Botschaft überbringen, dass sie als Klassenlehrerin ihrer Kinder nicht mehr erwünscht ist. Sie habe die Klasse nicht im Griff, gebe schlechte Noten und gefährde damit den Übertritt in die Oberstufe. Ausserdem glauben die Eltern, dass die Pädagogin psychische Probleme hat.

Schnell ahnt man, dass die Geschlossenheit der Eltern nicht lange anhält. Zu offensichtlich brodeln Konflikte unter der Oberfläche. Auch das Gespräch mit der Klassenlehrerin läuft nicht nach Wunsch: Frau Müller (Helen Gauderon) stürmt wutentbrannt davon. Nicht ohne vorher die Eltern mit dem Verhalten ihrer Sprösslinge zu konfrontieren: Lukas, dessen Mutter Mobbing beklagt, sei ein ADHS-Kind; Janine himmle Laura an, die wiederum Absenzen im grossen Stil fälsche.

Konflikte brechen aus

Nach diesem Schock lassen sich die Konflikte und Sorgen der Eltern endgültig nicht mehr verbergen. Die Eltern von Lukas (Fredy Jutzi und Nada de Avia) geraten sich dermassen in die Haare, dass die Beziehung fast daran zerbricht. Der polternde Wolfgang (Tristano Genovese) hat die Affäre mit Matteos Mutter Katja (Regina Kraushaar) schlecht verdaut. Dafür verordnet er seiner Tochter Janine ein strenges Freizeitprogramm. Katja wiederum leidet unter dem Verhalten ihres Sohnes: Matteo schreibt zwar gute Noten, kapselt sich aber völlig ab. Und Lauras Mutter Jessica (Andrea Hofmann) übernimmt zwar unter Erwachsenen gerne die Kontrolle, lässt dafür ihrer Tochter umso mehr Freiheiten.

Natürlich sind die Figuren im Stück stark überzeichnet. Doch Lehrerinnen und Lehrern dürfte die eine oder andere Szene durchaus bekannt vorkommen. Die Stärke der Produktion ist, dass sie die Eltern nicht ins Lächerliche zieht. Vielmehr zeigt sie auf, wie sie selbst als Erwachsene mit dem Leben zu kämpfen haben und unter welchem Druck sie selber stehen. So hat Janines Vater Wolfgang dermassen Panik vor dem nächsten Zeugnis, dass er heimlich die Tasche der Lehrerin durchsucht, die sie in ihrer Wut zurückliess.

«Mit sich selber beschäftigt»

Auch Regisseur Dominique Saner nimmt die Protagonisten in Schutz. «Es sind eigentlich engagierte Eltern, die es gut mit ihren Kindern meinen.» Ihre eigenen Sorgen und Nöte lassen sie aber merkwürdig werden. «Die Eltern meinen zu wissen, was ihre Kinder brauchen, ohne ihnen richtig zuzuhören.» Sie seien so stark mit sich selber beschäftigt, dass sie die Kinder aus dem Blick verlören. Die Schwarzenburger Fassung der Komödie endet dabei versöhnlicher als das Original: Am Sommerfest treffen die Erwachsenen wieder mit den Kindern zusammen und sehen das Geschehene entspannter.

«Viel harmoniebedürftiger»

Fredy Jutzi, der im Stück Lukas Vater spielt, ist selber Vater schulpflichtiger Kinder. Streckenweise kommen ihm die Szenen im Werk deshalb bekannt vor. Zwar würden die Eltern in Schwarzenburg nicht gegen die Lehrer schiessen. «Aber wenn Eltern etwa an einem Fest aufeinandertreffen, kann es schon sein, dass sie sich kritisch über die Kinder anderer Eltern unterhalten.»

Er habe lange gebraucht, bis er in die Rolle von Lukas Vater gefunden habe. Er sei privat ganz anders, als der autoritäre Patrick, der von seinem Sohn vor allem Leistung verlangt. «Ich bin viel harmoniebedürftiger.» Erst bei einem Coiffeurtermin mit Schauspielkollegin Andrea Hoffmann habe er den Draht zu seiner Figur gefunden, sagt Jutzi.

Praktische Informationen

22 Aufführungen im Freilichttheater

Die Bühne Schwarzenburg führt das Stück «Frau Müller muss weg» bis am 17. August 22 Mal auf. Spielort ist das Freilichttheater «Im Than», das rund 100 Meter von der Migros in Schwarzenburg entfernt liegt. Die Vorstel­lungen beginnen jeweils um 20 Uhr und dauern rund 90 Minuten.

sos

 

www.buehne-schwarzenburg.ch