Schwarzenburg 11.04.2019

Die Werkzeuge der Politik gewechselt

Früher machte Vera Diener mit umstrittenen Aktionen Schlagzeilen. Seit Anfang Jahr sitzt die Jungsozialistin im Gemeinderat von Schwarzenburg. Gemeindepräsident Martin Haller attestiert ihr, sie leiste seriöse Arbeit.

Wer Vera Diener per E-Mail kontaktiert, erhält keine alltägliche Antwort. Die junge Gemeinderätin von Schwarzenburg unterzeichnet ihre elektronischen Nachrichten mit «solidarisch, Vera». Darunter folgt der Slo­gan «Für mehr Liebe & Solidarität». Diener hebt sich nicht nur durch ihre farbigen Haare von vielen anderen Gemeindepolitikern ab. Seit Anfang Jahr ist die 22-jährige Jungsozialistin Gemeinderätin und Finanzvorsteherin von Schwarzenburg. Sie rutschte als Ersatz für Alexandre Meucelin nach, der im September nach zwei Jahren aus dem Gemeinderat zurückgetreten ist. Gleichzeitig trat auch Barbara Mischler (SVP) ihr Amt an (siehe Kasten links).

Nach den ersten 100 Tagen ist Vera Diener positiv überrascht. «Ich habe damit gerechnet, dass ich vielleicht nicht ganz ernst genommen werde.» Das habe sich aber nicht bewahrheitet. «Meine Meinung wird nicht nur gehört, ich kann auch ­Ideen einbringen.» Wie Gemeindepräsident Martin Haller im Schwarzen­burger Internetfernsehen erklärte, befasste sich der Schwarzenburger Gemeinderat kürzlich mit dem Klimawandel. War das die Idee von Vera Diener? Sie schmunzelt, bevor sie antwortet: «Ich habe tatsächlich den Anstoss für diese Diskussion gegeben.»

Informationen filtern

Geht es um die Finanzdirektion, so räumt Diener ohne Umschweife ein, dass sie stark gefordert sei. Zum Glück gebe es viele Menschen, die sie um Rat fragen könne. Sie müsse im Moment vor allem aus den unzähligen Finanzkennzahlen die wesentlichsten Informationen herausfiltern. «Eigentlich ist das meiste nicht so kompliziert, wenn man die vielen Informationen einmal geordnet hat.» Politisch beschäftige sie in ihrem Ressort die angespannte Finanzlage am meisten. «Trotz knapper finanzieller Mittel soll Schwarzenburg aber eine soziale und umweltfreundliche Gemeinde mit einer solidarischen Gesellschaft sein.» Diener will mit ihrer Arbeit aber auch die junge Generation und nicht zuletzt die jungen Frauen ermutigen, sich für die Politik zu engagieren.

Als Dieners Wahl bekannt wurde, äusserten sich vor allem bürgerliche Politiker skeptisch. Sie lässt sich davon kaum beeindrucken. Sie habe viele ermutigende Reaktionen gehört. «Speziell ältere Frauen hatten viel Freude, dass ich im Gemeinderat bin.» Die Skeptiker will sie mit einer seriösen Einarbeitung und Dossierkenntnis überzeugen.

Umstrittene Aktionen

Vera Diener geriet bereits mehrmals in die Schlagzeilen. So nahm die Polizei sie bei einer Demonstration in Gewahrsam, für eine Störaktion im Berner Rathaus wurde sie gebüsst. Die «Berner Zeitung» publizierte zudem ein Bild, auf dem Diener als Ordnungsdienst in einer Demonstration gegen Rechtsextremismus vor einem Transparent mit einem gewaltverherrlichendem Slogan herläuft. «Ich fand diesen Artikel fragwürdig», sagt Diener. Als Ordnungsdienst sei sie nicht zwangsläufig mit den Aussagen auf allen Transparenten in einer Demonstration einverstanden. «Gerade diesen Spruch finde ich nicht cool.» Gemeindepräsident Martin Haller nimmt seine Kollegin in Schutz: «Grundsätzlich sind solche Demonstrationen Vera Dieners Privatsache.» Sie habe sich gut in den Rat eingelebt und mache ihre Arbeit seriös. Diener sagt, sie habe die Werkzeuge gewechselt. «Will man ohne Amt oder Geld etwas verändern, muss man mit unkonventionellen Methoden Beachtung finden. Jetzt kann ich Anliegen direkt einbringen.»

«Meine Meinung wird nicht nur gehört, ich kann auch Ideen einbringen.»

Vera Diener

Gemeinderätin

Barbara Mischler

«Das Amt ist vielseitiger als gedacht»

Barbara Mischler (SVP) hat Anfang Jahr von Parteikollege Daniel Schmied das Ressort Bildung, Kultur und Sport übernommen. «Das Amt entspricht etwa dem, was ich im Voraus erwartet habe.» Die Aufgaben seien aber vielseitiger und interessanter als gedacht. So habe ihr insbesondere die Ehrung der Schwarzenburger Sportlerinnen und Sportler oder die Mitarbeit im Netzwerk Prävention gefallen. Spannend sei die Arbeit, wenn es um die eigentliche Bildungsthematik gehe, denn diese bringe viele zwischenmenschliche Kontakte mit sich. Diese könnten aber gerade in Konfliktsituationen auch herausfordernd sein.

Erst Kommissionserfahrung

Dass Mischler im Gemeinderat sitzt, hat sich eher überraschend entwickelt. Das Interesse war zwar schon länger da. «Ich wollte mich stärker in der Gemeinde engagieren», sagt die 49-jährige Zah­lungs­ver­kehrs­spe­zia­lis­tin. Bei den letzten Wahlen vor zwei Jahren wollte sie aber erst in einer Kommission mitarbeiten. So war sie zwei Jahre Mitglied der Sozialkommission. Dass sie im Gemeinderat die Bildung übernimmt, war relativ schnell klar. «Die Thematik interessierte mich immer am meisten», sagt Mischler, deren Kinder selbst in Schwarzenburg in die Schule gingen.

Keine Neubauten

Am meisten beschäftige sie im Moment die Schulweg­sicherheit sowie die Schulraumplanung. «Dieses Dossier hat Daniel Schmied aber weitgehend aufgegleist.» In der Schlossmatte entsteht gerade ein neues Gebäude für den Kindergarten sowie die Tagesschule. Weitere Neubauten seien im Moment nicht geplant. «Allerdings müssen wir einige Schulhäuser sanieren und gleichzeitig in die Informatik investieren.» Doch die Finanzlage der Gemeinde ist seit längerem angespannt. Kann Mischler der Bevölkerung die notwendigen Investitionen besser verkaufen, da sie aus einer Partei kommt, die für ihren Sparwillen bekannt ist? «Das glaube ich nicht», sagt Mischler. Denn im Schwarzenburger Gemeinderat spielten die Parteien eine untergeordnete Rolle. «Der Gesamtgemeinderat hat vielmehr die Aufgabe, im Sinne der finanziellen Möglichkeiten richtig zu investieren», sagt Mischler.

Politisch möchte Mischler dafür sorgen, dass Schüler und Eltern mit der Schwarzenburger Schule zufrieden sind. Sie will das Projekt eines Familienleitbildes vorantreiben. Und schliesslich sollen die Vereine in Schwarzenburg gute Bedingungen vorfinden. «Denn ein Dorf wie Schwarzenburg lebt von den Vereinen.» Gerade für die Jugendlichen seien sie ein wichtiger Bestandteil, ist Barbara Mischler überzeugt.

sos

 

Laupen

Adrian Weber und Werner Egloff haben sich gut eingelebt

Auch in Laupen haben Anfang Jahr mit Adrian Weber (SVP) und Werner ­Egloff (SP) zwei neue Gemeinderäte ihre Arbeit aufgenommen. Transportunternehmer Adrian Weber hätte mit seinem beruflichen Hintergrund gerne das Ressort Umwelt, Versorgung und Entsorgung übernommen. Spätestens jetzt nach 100 Tagen sei er auch mit dem Ressort Bau und Planung zufrieden. Er könne mithelfen, Laupen städtebaulich mitzugestalten. Mit Laupen Süd und Stadtmatte stehen zwei gewichtige Projekte an. «In der Stadtmatte sind aber noch Einsprachen hängig. Deshalb ist es schwierig, abzuschätzen, wann wir das Projekt umsetzen können.» Abgesehen von konkreten Planungsprojekten beschäftigen Weber vor allem theoretische Fragen wie etwa Änderungen der Baureglemente. Weber will als Gemeinderat die Abläufe straffen. «Die Bauherren sollen ihre Projekte innert nützlicher Frist abwickeln können.»

Sozialvorsteher Werner Egloff war bis Anfang Jahr Leiter des Betagtenzentrums Laupen. «In den Altersfragen hilft mir meine berufliche Erfahrung sicher», sagt Egloff. «Andere Themen wie die Jugendarbeit, die Kinderbetreuung oder die Sozialhilfe sind auch für mich neu.» Sich diese Dossiers anzueignen, sei die grösste Herausforderung im neuen Amt. Politisch beschäftigen Egloff im Moment vor allem die Kinderbetreuung und der Jugendtreff. Der Kanton Bern führt ab dem Sommer Betreuungsgutscheine für die Kinderbetreuung ein. «Und den Jugendtreff müssen wir baulich auffrischen». Konkrete Ziele für seine Amtszeit nennt Egloff noch keine. «Laupen soll aber ein schöner Lebensraum für Jung und Alt sein.»

sos