Guggisberg 12.07.2018

Eine Zukunftsperspektive für Bergdörfer

Die Patenschaft für Berggemeinden hat unter anderem die Sanierung der Strasse zwischen Riedacker und Zollhaus unterstützt.
Um ihre Projekte finanzieren zu können, erhalten Gemeinden wie Guggisberg namhafte Beiträge der Schweizerischen Patenschaft für Berggemeinden. Mit deren Beiträgen soll das Berggebiet ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort bleiben.

Der Wärmeverbund in Guggisberg oder die Strasse von Riedacker nach Zollhaus: Für mehrere Investitionen erhielt die Gemeinde Guggisberg in den letzten Jahren Beiträge der Patenschaft für Berggebiete. Auch im benachbarten Deutschfreiburg unterstützte die Organisation zahlreiche Projekte mit namhaften Beiträgen. «Wir haben vor einigen Jahren von dieser Möglichkeit gehört und uns dann für Beiträge beworben», sagt der Guggisberger Gemeindepräsident Hanspeter Schneiter. Für die Projekte habe die Gemeinde jeweils einige Hunderttausend Franken erhalten, oft bei Gesamtkosten von mehreren Millionen Franken.

Obwohl Guggisberg einen hohen Steuerfuss habe, sei das Geld knapp. «Noch höher können wir mit den Steuern aber fast nicht mehr gehen.» Ohne die Beiträge der Patenschaft wäre der Spielraum der Gemeinde sehr klein. «Dann könnten wir nebst den absolut notwendigen Reparaturen praktisch nichts mehr investieren.»

Keine Tourismusprojekte

Im Gegensatz zur Schweizerischen Berghilfe und der ­Coop-Patenschaft für Berggebiete unterstützt die Patenschaft für Berggemeinden nicht nur Privatpersonen, sondern Gemeinwesen wie Gemeinden, Kooperationen oder Genossenschaften im Berggebiet. In Frage kommen dafür Gemeinden, die in den Bergzonen liegen, die der Bund definiert hat. «Zusätzlich berücksichtigen wir Gesuche aus dem Kanton Jura», sagt Geschäftsleiterin Barbla Graf. Die Projekte müssen weitere Krite­rien erfüllen. «Sie dürfen noch nicht ausgeführt sein.» Die Patenschaft könne weiter keine Beiträge an die Sanierung von Schulden leisten. «Wir unterstützen zudem nur Projekte, die zur Infrastruktur einer Gemeinde gehören, nicht aber reine Tourismus- oder Heimatschutzprojekte.» Natürlich betrachte die Patenschaft auch die finanzielle Situation der Gemeinde. «Gemeinden, die in den interkommunalen Finanzausgleich einzahlen, erhalten höchstens bei einer Natur­katastrophe Unterstützung.»

Keine Verzerrung

Dass Berggemeinden im Gegensatz zu anderen Gemeinden auf zusätzliche Finanzquellen wie die Patenschaft zugreifen können, hält Barbla Graf für notwendig. «Die Berggemeinden haben aufgrund ihrer Topografie Nachteile, die wir mit unseren Beiträgen abfedern.» Der Solidarität zwischen Stadt und Land sei in der Schweiz immer noch stark verankert. «Das sieht man auch daran, dass ein Grossteil unserer Spenden aus dem Mittelland kommt.»

Gäbe es die Patenschaft für Berggemeinden nicht, würde sich wohl die Abwanderung aus den Berggebieten verstärken, meint Graf. «Könnten die Gemeinden ihre Infrastruktur nicht finanzieren, würden sie weniger attraktiv für Einwohner und Gewerbe.» Familien würden abwandern, weil es keine attraktive Schule mehr gäbe. Landwirte müssten um ihre Existenz kämpfen. «Hätten wir zum Beispiel die Käserei in Jaun nicht unterstützt, hätten die Landwirte wohl ihr AOP-Label für den Käse und damit Einkommen verloren.»

Zahlungen ändern sich nicht

Keine Auswirkungen hat die Unterstützung der Patenschaft für Berggebiete auf den interkommunalen Finanzausgleich. «Wir berechnen den Ausgleich der Steuerkraft aufgrund eines durchschnittlichen Steuersatzes», erklärt Beat Baumgartner, Leiter der Abteilung Finanzausgleich in der Finanzverwaltung des Kantons Bern. Ob eine Gemeinde durch die Beiträge die Steueranlage tiefer halten kann, spielt also keine Rolle. Beim geografisch-topografischen Ausgleich können Gemeinden mit topografischen Nachteilen auf eine Unterstützung hoffen. «Um diesen Ausgleich zu berechnen, vergleichen wir die Einwohnerzahl der Gemeinde mit ihrer Fläche sowie der Länge des Stras­sennetzes.» Solche Zuschüsse kommen auch Gemeinden im Mittelland zu. Es sind aber vor allem Berggemeinden wie Diemtigen, Innertkirchen oder Reichenbach im Kandertal, die hohe Zahlungen erhalten. Keiner der drei massgeblichen Faktoren ändere sich durch die Beiträge der Patenschaft direkt. Wie Beat Baumgartner weiter erklärt, schränkt der Kanton Bern die Unterstützung solcher Organisationen auch nicht ein.

Zahlen und Fakten

Patenschaft wurde 1940 gegründet

Die schweizerische Patenschaft für Berggemeinden wurde 1940 von den beiden Ärzten Olga und Paul Cattani und weiteren Initianten gegründet. Von Beginn an unterstützte sie finanziell bedürftige Gemeinden im Berggebiet. 2017 behandelte die Patenschaft 350 Gesuche für Projekte, von denen sie rund 250 bewilligte. Wie viele der Gesuche auf Gemeinden entfallen, ist nicht bekannt. Im Kanton Bern unterstützte die Patenschaft in den letzten fünf Jahren rund 200 Projekte mit insgesamt 12 Millionen Franken. Im Kanton Freiburg erhielten 92 Projekte rund fünf Millionen Franken. Die Spenden stammen unter anderem von Privatpersonen, Stiftungen, Kantonen und Gemeinden im Mittelland.

sos

www.patenschaftberggemeinden.ch

«Könnten die Gemeinden ihre Infrastruktur nicht mehr finanzieren, würden sie weniger attraktiv.»

Barbla Graf

Geschäftsleiterin Patenschaft für Berggemeinden