Laupen 29.05.2019

Hohe Gebäude stossen auf Skepsis

Das Gebäude des alten Coop in Laupen soll einer Überbauung weichen.
An einer Informationsveranstaltung orientierten Vertreter der Gemeinde Laupen und der Investoren über die Pläne für das Gebiet Laupen Süd. Fragen warfen insbesondere zwei fünf- und siebenstöckige Gebäude auf. Zurzeit läuft die öffentliche Mitwirkung.

Nun wird klar, in welche Richtung sich das Gebiet Laupen Süd entwickeln soll. Am vergangenen Donnerstag informierten Vertreter der Gemeinde, Landbesitzer und Investoren die Bevölkerung über die Zukunft des Areals, das durch den Umzug der Coop-Filiale und die Schliessung der Bäckerei Ritz frei wurde. Vor allem die geplanten Gebäude mit fünf und sieben Geschossen stiessen auf Skepsis ­(siehe Kasten). Res Wyss-Oeri vom Berner Planungsbüro Panorama AG hat die Arbeiten zum Gebiet Laupen Süd begleitet. Im Interview mit den FN erklärt der Raumplaner unter anderem, warum hohe Gebäude sinnvoll sein können.

Warum müssen die fraglichen Parzellen in einer bestimmten Mindestdichte bebaut werden?

2013 bewilligten die Stimmbürger die Revision des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes. Ein Ziel der Revi­sion war, dass weniger Kulturland durch Überbauung verloren geht. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Instrumente. So schreibt der Kanton Bern vor, dass Parzellen abhängig von ihrer Lage in einer bestimmten Mindestdichte überbaut werden müssen.

Was muss man sich unter diesem Begriff vorstellen?

Die Mindestdichte ist eine Verhältniszahl. Man erhält sie, indem man die bebaute Fläche einer Parzelle mit ihrer gesamten Fläche vergleicht. Dabei zählt nicht nur der Grundriss des Gebäudes, sondern quasi die beheizte Fläche, also auch die Zahl der Stockwerke. Entsprechend kann man die Mindestdichte erreichen, indem man ganze Parzellen quasi vollflächig überbaut. Oder man baut in die Höhe und erhält dafür zum Beispiel Platz für Grünanlagen zwischen den Gebäuden.

Wie wird die Mindestdichte festgelegt?

Grundsätzlich kann man sagen: Je zentraler die Gemeinde im kantonalen Kontext liegt, desto dichter muss sie bebaut werden. Neue Gebäude sollen vor allem an zentralen Orten entstehen, die bereits überbaut und entsprechend erschlossen sind. Damit soll weniger Kulturland als Bauland eingezont werden.

Kann das geplante Grossprojekt die Atmosphäre in Laupen verändern? Wird Laupen städtischer?

Das Projekt mag auf den ersten Blick gross erscheinen. Aber: Heute hat Laupen gut 3000 Einwohner. Nun rechnet man für Wohnungen mit einer durchschnittlichen Belegung von zwei Personen. Die neue Überbauung würde Laupen also rund 200 bis 300 zusätzliche Einwohner bringen. Das dürfte die Dynamik des Stedtli nur beschränkt verändern.

Begriffe wie Verdichtung oder Entwicklung nach innen wecken Befürchtungen, dass Wohntürme wie im Ausland gebaut werden könnten.

Die Siedlungsentwicklung nach innen bietet Chancen und Risiken. Leben mehr Leute auf weniger Raum, können mehr soziale Kontakte entstehen. Es gibt auch mehr Möglichkeiten, Infrastrukturen wie einen Laden in die Überbauung zu integrieren. Überbauungen mit grösseren Gebäuden können aber das Ortsbild beeinträchtigen. Das hängt vom Einzelfall ab. Gebäude, die in Laupen Süd zulässig sind, würden näher am Stedtli vielleicht das Ortsbild zu stark stören. Die Planer solcher Überbauungen sollten ausserdem auf ansprechende Aussenräume achten. Das können etwa Plätze mit Rasen, Bäumen und Sitzbänken sein. Genau darum will man in Laupen ein fünf- und ein siebenstöckiges Gebäude zulassen. So entsteht Platz für einen ansprechenden Aussenraum.

Informationsveranstaltung

Angst vor «Gefängnissen» und «Staumauern»

Der Gemeinderat von Laupen will für Laupen Süd eine Zone mit Planungspflicht (ZPP) erlassen. Die entsprechenden Änderungen der Ortsplanung liegen zusammen mit weiteren Änderungen bis am 21. Juni zur Mitwirkung auf. Für die Gestaltung der ZPP entstand in einem Werkstattverfahren ein sogenanntes Referenzkonzept. Laut diesem Konzept sollen die Gebäude der Bäckerei Ritz teilweise rückgebaut werden. Auch das Gebäude des alten Coop würde abgebrochen. Stattdessen sollen an der Bösingenstrasse drei verbundene Wohnhäuser entstehen. Direkt an der Stras­se wären die Gebäude dreigeschossig, zurückversetzt käme ein viertes Geschoss dazu.

Platz für Lebensmittelladen

Auf dem Areal der Schafweide sind zwei weitere Gebäude geplant: ein längeres Gebäude mit fünf Stockwerken und ein kleineres Gebäude mit sieben Geschossen. So sollen rund 80 bis 90 Wohnungen entstehen. Die neue Überbauung soll einen Lebensmittelladen beherbergen und Raum für einen Spielplatz bieten. Am Informationsabend (siehe Haupttext) stiessen die Ideen auf Skepsis. «Ich glaube nicht, dass es hier so viele Wohnungen braucht», meinte ein Bürger. «Laupen ist ein sehr interessanter Standort», antwortete Beat Zaugg von der Firma Ramseier+Stucki, die sich das Kaufrecht an den Parzellen gesichert hat. Der gleiche Bürger bemängelte, das Hochhaus passe nicht nach Laupen. Andere bezeichneten das fünfstöckige Gebäude als «Gefängnis» oder als «Staumauer». Die Planer beschwichtigten: Der optische Eindruck hänge von der konkreten Ausführung der Gebäude ab. Die Planung sei aber noch nicht so weit gediehen. Raumplaner Res Wyss-­Oeri ergänzte, die Überbauung müsse für eine Baubewilligung eine bestimmte Mindestdichte erreichen.

Weitere Bürger befürchteten, die Bauarbeiten könnten mit den Arbeiten für die geplante Verkehrssanierung des Stedtli kollidieren. Auch die Parkplätze sowie der Lebensmittelladen sorgten für zahlreiche Wortmeldungen.

sos