laupen 12.09.2019

Pioniere aus der Region

Im Museum Schloss Laupen wurde am Samstag die Sonderausstellung «Sie hinterliessen Spuren in der Region Laupen» eröffnet. Die Ausstellung porträtiert 17 Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Georges Wander wollte eigentlich Kinderarzt werden. Doch es lag auf der Hand, dass der Enkel des Apothekers Dr.  Georg Wander, Gründer der Wander AG, und Sohn des Albert Wander, der die berühmte Ovomaltine entwickelt hat, in die Fussstapfen seiner Vorfahren tritt. Nach dem Chemiestudium übernimmt Georges 1927 folglich die Leitung der neu eröffneten Ovomaltine-Fabrik in Neuenegg und zehn Jahre später die Gesamtleitung der Wander AG. Unter ihm entwickelt sich die Firma zu einem Weltkonzern im Pharma- und Ernährungsbereich. Neben seiner Firmentätigkeit engagiert sich Georges Wander auch politisch und gesellschaftlich in Neuenegg und später auch im Nationalrat. Als er sich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs für die «Eingabe der 200» einsetzt, die den Bundesrat auffordert, sich mehr an das nationalsozialistische Deutschland anzupassen, wird er öffentlich kritisiert. Daraufhin tritt er von allen politischen Ämtern zurück und zeigt sich kaum noch in der Öffentlichkeit. In Neuenegg bleibt Wander aber eine angesehene Person. 1960 wird ihm und seiner Ehefrau Katharina die Ehrenbürgerschaft verliehen.

«Sie hinterliessen Spuren»

Solche und viele andere Lebensgeschichten zeigt das Museum Schloss Laupen in Form von Porträts in einer Sonderausstellung. «Sie hinterliessen Spuren in der Region Laupen» will das Wirken von 17 Persönlichkeiten in der Region im 20.  Jahrhundert zeigen. Ein fünfköpfiges Team, bestehend aus pensionierten Kulturbegeisterten, hat über ein Jahr lang an der Sonderausstellung gearbeitet. Jeder von ihnen hat drei bis vier Porträts geschrieben. Mit Bildern und viel Text wird das Leben dieser Persönlichkeiten beschrieben, ihre Arbeit und Visionen dargestellt und ihre Bedeutung für Laupen und die umliegenden Gemeinden veranschaulicht. Tondokumente ergänzen die Sonderausstellung, um auch lesefaulen Besuchern die Geschichten dieser Personen näherzubringen.

Pioniere und Bewahrer

«Wir wollen Persönlichkeiten zeigen, die vor rund 100 bis 150 Jahren in der Region etwas bewirkt haben und für ihre Zeit aber auch für die nachfolgende Generation prägend waren», sagt Fritz Marschall, einer der fünf Projektleiter der Sonderausstellung. Bei der Auswahl der Porträtierten sei es ihnen wichtig gewesen, Leute aus allen Gesellschaftsschichten abzubilden. Gemeinsamkeiten würden jedoch auf der Hand liegen: «Sie alle haben sich hohe Ziele gesteckt und haben sich ausserordentlich engagiert. Sie hatten Visionen, waren oft Pioniere und der Zeit voraus.» Zum Teil seien es auch schwierige Persönlichkeiten gewesen, so Marschall. «Doch die Geschichte zeigt uns, dass die Gesellschaft so starke Persönlichkeiten braucht, um voranzukommen – und es braucht sie auch heute noch». Allerdings seien nicht nur Macher und Schaffer gefragt, sondern auch Bewahrer. Deshalb hätten sie auch eine Person wie Hans Beyeler in die Auswahl aufgenommen, der als «der grüne Mahner» beschrieben wird. Beyeler sorgte sich um die Natur und beklagte in Artikeln, Leserbriefen und Stellungnahmen die Klimaveränderung, das Verschwinden von Tier­arten und die Zerstörung der Natur durch die Wirtschaft.

Nur eine Frau dabei

Um eine Auswahl treffen zu können und an Information über diese Personen zu gelangen, seien die Chroniken des «Achetringeler» von unschätzbarem Wert gewesen, erzählt Silla Kamber, die die Sonderausstellung mitorganisiert hat. «In dieser jährlich erscheinenden Chronik haben wir auch viele Nachrufe gefunden, die für uns wichtig waren.» Zudem habe man den Kontakt mit Nachfahren und Bekannten der Porträtierten gesucht und so Fotos, Schriften und Briefe erhalten. Leider befinde sich unter den 17  porträtierten Personen nur eine Frau. «Wir hätten gerne mehr als nur eine Frau in die Auswahl genommen», sagt Fritz Marschall, «doch das ist wohl das Abbild der Geschichte.» Bei der einzigen porträtierten Frau handelt es sich um Ruth Güdel (Ferenbalm), die mit Puppenspielen und Geschichten für die Kinder in der Schweiz einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte. Man müsse sich beim Besuch der Ausstellung sowieso in eine andere Zeit versetzen, meint Marschall. «Es waren andere Zeiten. Wir sollten versuchen, nicht über die damalige Zeit zu urteilen.»