Schwarzenburg 28.03.2019

Region Gantrisch ist unter Zugzwang

Im Januar warteten die Skigebiete wie hier im Selital mit guten Schneeverhältnissen auf die Skifahrer.
Die vergangene Skisaison verlief für die Skigebiete im Gantrischgebiet recht erfreulich. Sorgen macht den Betreibern der Gantrisch Schnee Pass: Dessen Absatz brach innerhalb von zwei Saisons um die Hälfte ein.

In diesem Jahr stand das Wetter durchaus auf der Seite der Skiliftbetreiber im Gantrischgebiet. «Vor allem im Februar hatten wir sehr gute Schneeverhältnisse», sagt etwa Reto Mani, Verwaltungsratspräsident des Skilifts im Gurnigelbad. Die sechs Skigebiete (siehe Kasten) vermelden auf Anfrage der FN zwischen 40 und 55 Betriebstage. Das ist laut Betreiber im Vergleich zu den letzten Jahren ein recht guter Wert. Im Selital waren die Lifte dieses Jahr 43 Tage in Betrieb. Vor einem Jahr waren es 54 und vor zwei Jahren 13 Tage. «Mit 30 bis 70 Betriebstagen sind wir im grünen Bereich», sagt Verwaltungsratspräsident Stephan Lanz.

Allerdings: Vielerorts lag erst in der zweiten Januarhälfte genügend Schnee, um die Lifte in Gang zu setzen. Damit fiel das wichtige Geschäft in der Altjahrswoche ins Wasser. «Können wir in der Altjahrswoche nicht fahren, holen wir dies die ganze Saison nicht mehr auf», sagt Hans-Peter Schmid, Verwaltungsratspräsident der Skilifte Gantrisch Gurnigel. «Denn mit zunehmender Dauer der Saison gehen die Skifahrer eher in die grossen Gebiete.» In den meisten Gebieten dauerte die Saison bis Ende Februar oder Anfang März.

Kaum Sturmschäden

Mitte Januar zogen mehrere Stürme über die Schweiz. Im Gegensatz zum letztjährigen Sturm «Burglind» waren die Skigebiete dieses Jahr aber nur wenig davon betroffen. Einige Lifte mussten den Betrieb für zwei Tage einstellen, so etwa die Skilifte in Rüschegg-Eywald.

Finanziell dürfte die Saison für die meisten Betreiber relativ positiv ausfallen. «Wir werden seit langem wieder mal ein Plus schreiben», sagt etwa Benno Lehmann, Verwaltungsratspräsident des Skilifts Ottenleue. Gerade bei schlechterem Wetter oder wenig Schnee könnten Angebote wie das Eislaufen auf dem Ottenleueseeli zusätzliche Einnahmen bringen.

Ohnehin machen sich die Betreiber Gedanken, wie sie die Gäste in ihr Gebiet locken können. So konnten Skifahrer den Skilift Ottenleue einen Tag lang gratis nutzen. Finanziert wurde das Angebot mit Crowdfunding. Die Betreiber des Skiliftes Gurnigelbad propagierten währenddessen das Abendskifahren. «Wir müssen dafür sorgen, dass uns die Gäste überhaupt kennenlernen und so mehr zu uns kommen», sagt Reto Mani. Auch die zeitliche Flexibilität der Gäste nennen die Betreiber als Verkaufsargument. So bieten mehrere Skigebiete Tickets für wenige Stunden an. Das komme etwa Familien mit kleinen Kindern eher entgegen als die Reise in ein grosses Skigebiet.

Sorgenkind Schneepass

Sorgen macht den Skiliftbetreibern der Gantrisch Schnee Pass: Für 333 Franken können Skifahrer eine Saison lang alle Skigebiete in der Region Gantrisch nutzen. Bei Schneemangel können sie zu Vorzugskonditionen in die Jungfrauregion ausweichen. «In den letzten beiden Saisons ist der Absatz des Schneepasses um die Hälfte eingebrochen», sagt Stephan Lanz von Schnee Selital.

Der Grund für den Einbruch ist nicht ganz klar. Eine Rolle dürften der sogenannte Magic Pass und der Top 4 Schneepass spielen. «Darauf deuten Feedbacks unserer Gäste hin», sagt Lanz. Im Magic Pass haben sich über 30 Skigebiete vor allem aus der Westschweiz zusammengeschlossen. Mit dem Top 4 Pass können Schneesportler für 950 Franken eine Saison lang vier grosse Skigebiete im Berner Oberland nutzen. «Wir sind geografisch zwischen diesen Angeboten eingeklemmt», sagt Lanz. Mit den neuen Tiefpreisangeboten gerate das ganze Preisgefüge durcheinander. Die Region Gantrisch gerät damit unter Zugzwang. Noch ist nicht klar, wie sich die Region positionieren will. «Es ist für uns durchaus denkbar, uns einem dieser Schneepässe anzuschliessen.» Dafür müsse man aber zuerst die entsprechenden Bedingungen prüfen. Bis im Oktober soll Klarheit herrschen.

Zahlen und Fakten

Zehn Skilifte und 37 Kilometer Pisten

Das Skigebiet Schnee Selital bietet den Skifahrern zwei Skilifte und acht Kilometer Piste, in Rüschegg-Eywald sind es zwei Skilifte mit 13 Kilometern Piste. Im Skigebiet Gantrisch Gurnigel warten drei Lifte und sechs Kilometer auf die Schneesportler, in Riffenmatt ein Skilift mit rund 300 Metern Pistenlänge und in Otten­leuenbad ist ein Skilift mit fünf Kilometern Skipiste verbunden. Im Gurnigelbad schliesslich steht ein Skilift, der mit einer Skipiste von zwei Kilometern verbunden ist.

sos