Schwarzenburg 19.06.2019

In Schwarzenburg werden die Generationen durchmischt

Im Generationenhaus soll eine Wohngemeinschaft mit Zimmern zu erschwinglichen Preisen entstehen.
Das «Generationehuus» Schwarzenburg lud am Samstag zum Tag der offenen Tür ein. Das Projekt ist laut Initianten schweizweit das erste seiner Art im ländlichen Raum und soll ab Frühjahr 2020 umgesetzt werden.

Innovativ, mutig, visionär und wertvoll: So wird das Generationenhaus in Schwarzenburg von vielen Seiten beschrieben. Am Samstag öffnete das Haus einem interessierten Publikum seine Türen und lud die Bevölkerung dazu ein, ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Während am Morgen der siebenköpfige Verwaltungsrat im Tätschdachhaus die Anwesenden über das Projekt und den Stand der Dinge informierte und ein Workshop über die Nutzung des Hauses stattfand, konnte am Nachmittag die alte Villa und der Garten an der Bernstrasse besichtigt werden.

Mannigfaltige Nutzung

«Wir haben uns mehrmals gefragt: Schaffen wir das?», erzählt Linda Zwahlen, Geschäftsleiterin und Co-Präsidentin des «Generationenhuus Schwarzenburg». Am Anfang seien noch einige Zweifel vorhanden gewesen. Doch die Vision, verschiedene Generationen unter ein Dach zu bringen, die voneinander lernen können, habe sie von der Wichtigkeit des Projekts überzeugt. Neben einer generationsübergreifenden Solidarität erhoffen sich die Initianten des Projekts eine Steigerung der Lebensqualität sowie die Förderung des Verständnisses untereinander. Zudem soll das alte Jugendstil-Haus, das sich mitten im Dorf Schwarzenburg befindet und 1904 erbaut wurde, Plattform für Kunst, Handwerk und Tradition sein.

Konkret soll das «Generationehuus» folgendermassen genutzt werden: Im Erdgeschoss soll ein Bistro entstehen. Dieses wird von der Stiftung Bernaville bewirtschaftet, die in Schwarzenburg Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen betreut. Oberhalb des Bis­tros entstehen ein bis zwei Wohnungen. «Die Idee ist es, dass eine Wohngemeinschaft gebildet wird. Es wird keine Luxuswohnungen geben, denn die Zimmer sollen für alle erschwinglich sein», stellt Co-Präsident Urs Rohrbach klar. Idealerweise würden die Generationen in diesen Wohnungen durchmischt werden, wünscht sich Rohrbach.

Zu einer Durchmischung der Altersklassen soll auch die Kindertagesstätte beitragen, die im Generationenhaus untergebracht wird und vom Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenverein professionell geführt wird. Das Spezielle an dieser Kita ist, dass sie Kinder mit Beeinträchtigungen integriere. «Bisher musste man mit einem Kind mit kognitiven Beeinträchtigungen nach Bern in die Kita», erklärt Zwahlen. Nun solle das «Generationehuus» diese Lücke im ländlichen Raum schliessen. Neben dem vorgesehenen Generationenhaus befindet sich gleich der Schwirren-Park, wo sich Alterswohnungen befinden und der auch als Partner für das Projekt fungiert. Kinder und ältere Menschen, die den geplanten gemeinsamen Garten zusammen nutzen, sollen den Austausch zwischen den Generationen weiter fördern, erklärt Rohrbach.

Für jugendliche Frische soll ferner ein Jugendraum sorgen, der in der Villa eingerichtet wird, denn es sei wichtig, dass auch die Jugend in dieses generationenübergreifende Projekt miteinbezogen werde.

Bevölkerung bestimmt mit

Schliesslich sollen im Haus sogenannte Co-Working-Spaces entstehen, also Arbeitsplätze, die von Arbeitnehmenden oder Selbstständigen, die nicht jeden Tag nach Bern pendeln wollen, genutzt werden können. Betrieben wird dieses Projekt von Village Office, das sich schweizweit dafür einsetzt, dass Menschen in der Nähe ihres Wohnortes arbeiten können. An einem Workshop konnte die lokale Bevölkerung ihre Ideen einbringen, wie diese Räume sowie der Garten genutzt werden könnte. «Eine Werkstatt», schlägt ein älterer Herr vor. «Ein Lernraum», ergänzt eine junge Frau. «Eine Leihbörse», ruft eine andere. Die Ideen zur Nutzung der Räumlichkeiten sind sehr zahlreich. Das sind gute Vorboten für das Generationehuus. Denn das Projekt lebt von der aktiven Partizipation der lokalen Bevölkerung und vom Austausch zwischen den Generationen.

Rückblick

Projekt kostet 3,5 Millionen Franken

Die Idee, ein Generationenhaus im Dorf Schwarzenberg zu realisieren, entstand vor rund zwei Jahren. Die Co-Präsidenten Linda Zwahlen und Urs Rohrbach waren auf der Suche nach einem sozialen Ort, wo Menschen von unterschiedlichen Generationen zusammenkommen. «Den Austausch mit älteren Leuten fand ich schon als Kind sehr spannend», so Rohrbach. Ende 2017 wurde das Projekt gestartet. Im Herbst dieses Jahres sollen nun die Renovation der Villa sowie ein kleiner Neubau gleich daneben vonstattengehen. Alles in allem kostet das Projekt rund 3,5 Millionen Franken. In kurzer Zeit habe man bereits 81 Prozent des benötigten Budgets zusammentragen können. Neben einer Anschubfinanzierung von 140 000 Franken von Bund und Kanton sei das meiste Geld von Stiftungen und privaten Spendern eingegangen, so die Initianten.

nj