wileroltigen 10.02.2020

Transitplatz in Wileroltigen wird gebaut

Die Bernerinnen und Berner haben entschieden: Der Transitplatz für ausländische Fahrende in Wileroltigen kann gebaut werden. Die Stimmbevölkerung folgt dem Grossen Rat und sagt mit 53,5 Prozent Ja zum Kredit von 3,3 Millionen Franken.

Die Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben entschieden: Der Transitplatz für ausländische Fahrende in Wiler­oltigen kann gebaut werden. Das Stimmvolk stimmte gestern dem Kredit von 3,3 Millionen Franken für den Bau des Transitplatzes mit einem Ja-Anteil von 53,5 Prozent zu. Die Stimmbeteiligung betrug 40,2  Prozent, wie die Staatskanzlei Bern mitteilte.

Stadt-Land-Graben

Die Gemeinde Wileroltigen wehrte sich gegen den Bau eines Transitplatzes für ausländische Fahrende auf ihrem Gemeindegebiet. Sie sprach sich klar gegen den Bau aus: So lehnten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Wileroltigen mit 91,1 Prozent Nein-Stimmen den Kredit klar ab.

Lange sah es gestern danach aus, als würden die Gegner des Transitplatzes siegreich aus der Abstimmung hervorgehen. Erst als die Resultate des Verwaltungskreises Bern-Mittelland und damit die Stimmen aus der Stadt Bern ausgezählt waren, kippte das Resultat. Den Ausschlag für ein Ja gaben wohl die städtischen Gebiete. So stimmten lediglich die drei Verwaltungskreise Bern-Mittelland (60,8 Prozent Ja-Stimmen), Biel (58,7 Prozent) sowie der bernische Jura (52,5 Prozent) für den Bau des Transitplatzes. Allein die Gemeinde Bern stimmte mit 74,9 Prozent oder 30 675 Ja-Stimmen für den Transitplatz. Die Stadt Biel stimmte der Vorlage mit einem Ja-Anteil von 66,4 Prozent zu. Alle anderen Verwaltungskreise lehnten die Vorlage ab. Am höchsten war der Nein-Anteil im Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen mit 59 Prozent Nein-Stimmen. Auch die Nachbargemeinden von Wileroltigen lehnten den Bau eines Transitplatzes mit grosser Mehrheit ab. So stimmten die Gemeinden Gurbrü (94,4 Prozent Nein-Stimmen), Ferenbalm (83 Prozent Nein-Stimmen), Mühleberg (71,4 Prozent Nein-Stimmen) und Kallnach (71,9 Prozent Nein-Stimmen) deutlich gegen den Kredit für den Bau des Transitplatzes.

Erleichtertes Pro-Komitee

Das Unterstützungskomitee Ja zum Transitplatz für Fahrende zeigte sich gestern erleichtert über den Ausgang der Abstimmung. Das Komitee schrieb in einer Medienmitteilung, dass vernünftige Lösungen im Kanon Bern durchaus mehrheitsfähig seien. «Die breite politische und gesellschaftliche Allianz für den Transitplatz konnte die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger überzeugen.» Eine Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wolle Lösungen für die Halteplatzfrage, anstatt weiter im Krisenmodus ungeregelte Situationen zu meistern.

Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) war mit dem Resultat zufrieden. Das Ja sei ein wichtiges Signal für den Minderheitenschutz im Kanton Bern. «Dieser Entscheid ermöglicht es dem Kanton Bern, seiner Pflicht nachzukommen und die Bedürfnisse der fahrenden Roma, Sinti und Jenischen raumplanerisch zu berücksichtigen», schreibt die GfbV in einer Medienmitteilung.

Auf der anderen Seite zeigte sich der Gemeindepräsident von Wileroltigen, Hinnerk Semke, etwas enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung. «Als Gemeinde können wir jetzt nicht mehr viel tun», sagte Semke gegenüber den FN. Man werde jedoch sicherlich versuchen, in der Begleitgruppe die Anliegen und Bedürfnisse der Gemeinde einzubringen. Man werde auch versuchen, die zweite, angrenzende Parzelle vom Bundesamt für Strassen (Astra) zurückzukaufen. «Sonst heisst es dann in ein paar Jahren: Hier bauen wir doch gleich noch mehr Plätze für Fahrende.» Schliesslich hofft Semke, dass die Versprechen der Regierung gegenüber der Gemeinde eingehalten würden. Er glaube aber nicht daran, dass mit einem fixen Transitplatz die Probleme behoben würden. «Wir werden in vier bis fünf Jahren schauen müssen, wie sich die Sache entwickelt hat.»