Münchenwiler 12.04.2018

Über den Wolken

Im Cockpit sind Originalteile aus Airbus A320-Flugzeugen und Replikate verbaut.
Ein ganzes Jahr verbrachte Urs Staub mit dem Bau seines Flugsimulators. Das Cockpit ist eine Kopie der Pilotenkabine des Airbus A320. Am Wochenende präsentiert er den Simulator der Öffentlichkeit.

Einmal die Rolle eines Linienpiloten übernehmen und einen Airbus A320 steuern. Diesen Traum von grossen und kleinen Flugfans möchte Urs Staub erfüllen. Der 59-Jährige betreibt in Münchenwiler seit kurzem einen Flugsimulator. Das Cockpit ist ein originalge­treuer Nachbau der Pilotenkabine des Kurz- und Mittelstreckenflugzeugs A320.

Mit dem Bau begann er im April des vergangenen Jahres. «Ich war sicherlich zwischen 1200 und 1500 Stunden damit beschäftigt», sagt Staub und nimmt im Cockpit auf dem Sitz des Kapitäns Platz. «Die meisten Teile sind Replikate. Es hat aber auch Originalteile aus A320-Flugzeugen, zum Beispiel die Sitze des Piloten und des Co-Piloten.»

Einer der ersten Testpiloten im Simulator war sein Nachbar. «Dieser fliegt beruflich Maschinen des Typs A320 und hat mir gesagt, dass zwischen meinem Nachbau und dem realen Vorbild kein grosser Unterschied besteht», berichtet Staub.

Einstieg mit Maus und Tastatur

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich der ausgebildete Elektroniker in seiner Freizeit zu Hause mit Flugsimulatoren. «Angefangen habe ich ganz klassisch am Computer mit Tastatur und Maus», erzählt er. Anschliessend hat er nach und nach Zusatzgeräte gekauft: Mit einem Joystick konnte er das Flugzeug realitätsgetreuer steuern. Mehrere Bildschirme ermöglichten ihm ein breiteres Sichtfeld.

Mit der Fertigstellung des Simulators hat Staub sein Hobby zum Beruf gemacht. Er bietet einfache Schnupperflüge für Einsteiger an, aber auch rea­litätsgetreue Flüge für Flugfans. Eine Pilotenlizenz hat er nicht. «In meinen jungen Jahren fehlte dafür das Geld. Später mit Familie und Beruf fehlte die Zeit», sagt Staub. Sein Wissen hat er sich selbst nach und nach angeeignet. Ein bis zwei Mal im Jahr reist er nach Berlin und nutzt dort während zwei bis vier Stunden einen Flug­simulator des deutschen Luftfahrtkonzerns Lufthansa, auf dem Berufspiloten ausgebildet werden. «Der Fluglehrer, der diese Simulatorflüge beaufsichtigt und normalerweise echte Piloten aus- und weiterbildet, hat mir diverse Störungen und Zwischenfälle eingespielt. Ich konnte sie alle meistern», so Staub.

Seine Kenntnisse zeigt er den FN auf einem Simulatorflug von Zürich nach Genf. Fachkundig und geduldig erklärt er, wie vor dem Start die Informationen zur geplanten Route, Geschwindigkeit, Höhe und Gewicht in den Computer des Flugzeugs einzugeben sind. Während des Fluges, der am Murtensee vorbeiführt, zeigt er, wie der Pilot das Flugzeug mit dem sogenannten Sidestick lenkt und gibt seinem Co-Piloten Tipps. Beim Lande­anflug in Genf weist er realitätsgetreu seinen Co-Piloten an, die Landeklappen und das Fahrwerk auszufahren, damit die 110 imaginären Passagiere ihr Ziel unbeschadet erreichen.

Staub ist überzeugt davon, dass sein neuer Simulator auf Interesse stossen wird. «Allein im Grossraum Zürich gibt es rund ein Dutzend solcher Simulatoren, die alle ihre Kundschaft finden.» Zudem sei die Lage von Münchenwiler gut, um das Mittelland abzudecken. «Diese Region ist nämlich bislang ein weisser Fleck auf der Landkarte der Flugsimulatoren.» Weitere Simulatoren gebe es neben dem Grossraum Zürich nur in Basel, in der Region Luzern und Zug, in Lausanne und in Genf.

Tag der offenen Tür: Bruyère 40, Münchenwiler. Sa., 14. April, 11 bis 17 Uhr.

Infos: www.simland.ch

Zahlen und Fakten

Ein sehr gefragtes Flugzeug

Der Airbus A320 bildet mit den Flugzeugtypen A318, A319 und A321 die sogenannte Airbus-A320-Familie. Diese gehört mit über 7000 ausgelieferten Maschinen zu den am meisten verkauften Verkehrsflugzeugtypen. Der A320 startete im Jahr 1987 in Toulouse zu seinem Jungfernflug. Ein Jahr später begann die Serienauslieferung. Der A320 bietet je nach Kabinenlayout Platz für bis zu rund 200 Passagiere. Er war das erste zivile Serienflugzeug, das eine Fly-by-wire-Steuerung hatte. Die Steuereingaben der Piloten werden hierbei nicht über Stahlseile und Hydrauliksysteme übertragen, statt­dessen ermitteln Sensoren die Steuereingaben und leiten diese Signale zu Computern weiter.

jmw