SchwarzenBurg 26.09.2019

Wie ein Gemälde des 16. Jahrhunderts

Von Mamishaus nach Schwarzenburg: Schlüsselübergabe anlässlich des Richtfests für den alten Speicher aus dem Jahr 1558.
Schwarzenburg hat einen Speicher auf dem Schlossareal eingeweiht. Zusammen mit dem Schloss und dem Tätschdachhaus sorgen die drei Gebäude für ein seltenes Gesamtbild.

«Es ist ein Glücksfall», freut sich Urs Rohrbach. Der Archäologe und Projektleiter steht im Schlossareal Schwarzenburg vor dem behutsam restaurierten Gebäude aus dem Jahre 1558 und erklärt, dass kaum noch solch alte Speicher im Originalzustand zu finden seien. Mit dem Schloss aus dem Jahre 1573–1575 und dem Tätschdachhaus aus dem Jahre 1575 standen schon zwei Zeitzeugen im Park. Der Speicher komplettiert nun das seltene Bild wie der letzte Pinselstrich auf einem Gemälde.

Damit das Bild dieser drei Sujets gemalt werden konnte, brauchte es Künstler. Angefangen bei Adrian Moser, der mit seiner Holzbaufirma Honymo und Lehrlingen ein feines Gespür für den behutsamen Umgang mit dem alten Holz bewies, und Werner Riesen, der mit seinem Team das Dach mit Legschindeln deckte. Bis zum Transporteur René Haussener, der das sturmgeschädigte Gebäude heil vom ursprünglichen Standort in Mamishaus in die Werkstatt und später in den Schlosspark brachte.

Hilfe aus dem Loteriefonds

Auch dieses seltene Bild dreier Gebäude aus dem 16.  Jahrhundert benötigt einen Mäzen, der die finanzielle Mittel bereitstellt. Etwa die Familie Hirter, die den Speicher im Henzischwand besass und kurzerhand für dieses Vorhaben verschenkte. Weitere 100 000 Franken sollte das Projekt ­kosten. Der Denkmalpfleger ­Eduard Salzmann hat den kantonalen Lotteriefonds überzeugt, den grössten Teil davon zu übernehmen. «In meiner über 30-jährigen Karriere bei der Denkmalpflege habe ich kaum je eine solch wunderbare Zusammenarbeit erlebt.»

Weitere Gelder erhielt das Projekt aus privaten Kreisen und der Stiftung Schloss Schwarzenburg. Letztere war dafür verantwortlich, dass aus der Chance der von Rohrbach erwähnte Glücksfall werden konnte. Sie schenkten dem Projekt den Platz und das Vertrauen. Die Stiftung Schloss Schwarzenburg wird damit zum Rahmen des Bildes.

Nun, da die Gläser gefüllt sind und die Beteiligten vor dem Speicher die Einweihung und Aufrichte feiern, weist Rohrbach in seiner Rede auf die Bedeutung dieses Werks hin. Etwa, dass der Speicher eine Inschrift aus dem Jahre 1558 trägt und es in der Gegend wohl nur die Inschrift in der Kirche Wahlern gibt, die noch etwas älter ist. Oder, dass die Bauweise von Tätschdachhaus und Speicher für das voralpine Gebiet typisch sind, genauer gesagt, die Architektur des Üechtlands wiedergeben; das Tätschdachhaus mit seinem flachen Dach und der Ständerbauweise, der Speicher mit seinem Blockbaustil.

Es fehlt noch der Garten

Auf dem Schlossareal finden Führungen und Veranstaltungen statt. Nun ergänzt auch der Speicher das Programm; wie das Schloss oder das Tätschdachhaus kann auch der Speicher für Events gemietet werden. Das Gemälde ist damit aber noch nicht ganz fertig. «Wir wollen noch den passenden Garten zu den beiden ländlichen Gebäuden bauen», verrät Anna Rohrbach vom Stiftungsrat den quasi letzten Pinselstrich auf dem Gemälde.

Die Gäste liessen sich am vergangenen Samstag von den Gebäuden ins 16. Jahrhundert zurückversetzen. Schnell tauchten diese ein, in die Geschichte jener Zeit, als die Familien aus dem Tätschdachhaus etwa ihren Zehnten zum Schloss brachten. Szenen, wie geschaffen für ein Freilichttheater. Und mittendrin der Speicher aus dem Jahr 1558.

«In meiner über 30-jährigen Karriere habe ich kaum je eine solch wunderbare Zusammenarbeit erlebt.»

Eduard Zimmermann

Denkmalpfleger

Geschichtliches

Weshalb gab es Speicher?

Wie der Name sagt, geht es bei diesem Gebäudetyp um die Speicherung. Gelagert wurde im Speicher vor allen Dingen Nahrung, Saatgut, wichtige Dokumente und Geld. In sicherem Abstand zum Haus sollte dieser im Brandfall das Überlebenswichtige schützen und die Familie vor dem Ruin bewahren. Damit sich die Mäuse nicht am Inhalt zu schaffen machten, stellte man die Speicher auf Sockel. Auch dem Diebstahl wurde vorgebeugt: Im Gegensatz zum Haus wurde der Speicher stets fest verschlossen.

Heute haben die Speicher ausgedient und deren Nutzung auf den Höfen ist infrage gestellt. Das Wetter und die Zeit nagen aber an den historischen Zeitzeugen, und eine Restaurierung kostet Geld. Um diesem Problem entgegenzuwirken, gibt die Denkmalpflege Tipps, wie man diese Gebäude sinnvoll umnutzen kann, und leistet für den Unterhalt auch finanzielle Unterstützung.