GANTRISCH 14.01.2021

«Wir werden regelrecht überrannt»

Immer mehr Menschen zieht es auf die Loipen: Das Langlaufgebiet vor der Gantrischkette.
Der Langlauf-Boom macht auch vor der Region Gantrisch nicht halt. Weil es an schönen Tagen nur so von Menschen wimmelt, sorgt dies für Konfliktpotenzial zwischen Langlauf-Sportlern und Spaziergängern. Auch die Parkplatzsituation gibt zu reden.

Prächtiges Wetter und perfekte Schneeverhältnisse ziehen diesen Winter immer mehr Menschen auf die Loipen. Dies ist auch im Gantrischgebiet der Fall. Mit Blick auf die Gantrischkette drehen die Langlaufbegeisterten ihre Runden. Der allgemeine Langlauf-Trend diesen Winter hat auch die Region Gantrisch erreicht, wie der Vizepräsident des Langlaufzentrums Gantrisch Thomas Schaller auf Anfrage bestätigt. «Wir haben zwar keine konkreten Zahlen, aber es ist eindeutig, dass es viel mehr Leute auf den Loipen hat als in anderen Jahren.»

Beliebtheit führt zu Konflikten

Die Bedingungen für das Langlaufen waren bis anhin sehr gut. Viel Schnee und Sonne sorgten dafür, dass die Leute in Massen kamen. Schon jetzt könne man sagen, dass der Winter besser als der letztjährige sei, so Schaller. Das Langlaufgebiet im Gantrisch ist eines der grösseren in der Schweiz. «Es ist ein wunderbares Gebiet mit einer einzigartigen Kulisse.»

Die Beliebtheit dieses Gebiets führe aber unweigerlich auch zu Konflikten. Insbesondere zwischen Spaziergängern und Langlauf-Sportlern sei das Potenzial dafür da, weil sich diese gelegentlich in die Quere kommen. «Wenn es im Flachland neblig ist und oben die Sonne scheint, wimmelt es hier nur von Leuten.» Obwohl es signalisierte Winterwanderwege gebe, würden Fussgänger über die Loipen marschieren.

Ein Problem sei auch die Parkplatzsituation. «An schönen Sonntagen hat es schlicht zu wenig Parkplätze.» Das Langlaufzentrum erhalte viele Anfragen deswegen. «Das Problem ist bekannt, aber ändern lässt sich diese Situation nicht so einfach.»

Warteliste für Kurse

Die Zunahme der Personen, die diesen Sport zwischen Ottenleue, dem Schwarzenbühl, der Wasserscheide und dem Berggasthaus Gurnigel betreiben, lasse sich an mehreren Indikatoren feststellen, sagt Schaller. Erstens hätten sie festgestellt, dass der Verkauf von Langlaufpässen und Tageskarten massiv zugenommen habe. Dies sei in der gesamten Schweiz zu beobachten. «Ein Beispiel: Vor Weihnachten mussten Loipenpässe, die zum Langlauf in der ganzen Schweiz berechtigen, nachproduziert werden.» Man habe schlicht nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet.

Ein weiterer Indikator für den Langlauf-Boom sei der Skiverleih. Wer im Gantrisch langlaufen will und kein eigenes Material besitzt, kann im Kurhaus Schwarzenbühl oder im Berghaus Gurnigel Skis, Stöcke und Schuhe in Selbstbedienung mieten. «Es besteht eine unglaubliche Nachfrage dazu. An schönen Wochenendtagen ist das Material teilweise schon vor Mittag vergriffen.» Auch habe er von vielen Seiten gehört, dass in etlichen Sportgeschäften der Region fast sämtliches Material für den Langlauf-Sport ausverkauft sei und man kein Material mehr mieten könne.

Schliesslich seien die Langlauf-Schulen beliebter denn je. «Wir werden regelrecht überrannt und können uns kaum vor Anfragen retten.» Die Kursanfragen hätten sich gegenüber anderen Jahren ungefähr verdreifacht. Aufgrund der Pandemie-Bestimmungen seien nur kleine Gruppen mit maximal vier Teilnehmenden zugelassen. «Dadurch kann es durchaus etwas länger dauern, bis jemandem ein passendes Kursdatum angeboten werden kann.»

Alternative zum Skifahren

Der Trend zum Langlauf-Sport habe man schon in den letzten paar Jahren beobachten können. «Man sprach lange vom Cologna-Boom.» Der Sport sei mit den Erfolgen des Bündner Spitzensportlers populärer geworden. Doch auch die Anstrengungen von Langlauf-Zentren habe zu der wachsenden Beliebtheit des Langlaufs beigetragen. «Bei uns sind zum Beispiel jeweils viele Schulklassen aus der Region da, die sich am Sport erproben.»

Dieses Jahr sei die Zunahme an Personen, die zu den Langlauf-Skis greife aber markant höher. «Ich glaube, die Menschen wollen eine Alternative zu anderen Wintersportarten wie dem Skifahren.» Viele Leute hätten ihm auch gesagt, dass sie den Sport schon lang mal ausprobieren wollten. Jetzt sei der Moment gekommen. «Wie nachhaltig dieser Langlauf-Boom ist, wird sich aber in den nächsten Jahren zeigen müssen.»

Das Publikum auf den Loipen im Gantrisch sei sehr durchmischt. Man habe von der Stammkundschaft über ältere Personen, die nicht mehr Ski fahren möchten, bis zu Familien alles dabei. Dieses Jahr seien auch auffallend viele junge Leute am Langlaufen. «Man sieht auch oft junge Sportbegeisterte, die im Langlauf im Winter eine gute Ergänzung zu ihrem Training gefunden haben.» Hinzu komme, dass viele Sportanlagen wie Fitnesszentren geschlossen seien. Schliesslich werde der Langlauf-Sport auch vermehrt in Fitnessmagazinen angepriesen.

«An schönen Sonntagen hat es schlicht zu wenig Parkplätze.»

Thomas Schaller

Vizepräsident Verein Langlaufzentrum Gantrisch