Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Biete drei Decos für einen Chapuisat

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Biete drei Decos für einen Chapuisat

Bilanz einer zweimonatigen Sammelleidenschaft

Nun ist über Mail auch noch das unvermeidliche Wett-Toto eingetroffen; im Büro kann man die Resultate auf einer zirkulierenden Liste eintippen. Ein Blick in das Panini-Album zeigt, dass weniger als 100 Bildchen fehlen und dass die deutsche Mannschaft bereits komplett ist. Die Fussball-EM kann beginnen.

Von URS HAENNI

Begonnen hat alles mit Salgado. Am 14. April, um 21.30 Uhr, erblickte der beinharte Verteidiger von Real Madrid als erster von rund 300 potenziellen EM-Helden das Licht der abendlichen Wohnstube. Es folgten das silbrige Holland-Wappen, ein Bulgare, dann der erste Schweizer, Riccardo Cabanas, und der erste Superstar, Michael Owen.

Fünf Bildchen für 90 Rappen. Früher, da war Panini noch billiger. Da kosteten vier Bildchen 20 Rappen. Früher 5 Rappen pro Bild, heute also 18 Rappen – das ist eine Verteuerung von 260 Prozent. Sind die Lebenskosten zwischen Argentinien ’78 und Portugal ’04 derart stark angestiegen? Zumal das Panini-Album damals gratis war und heute 2 Franken kostet. Egal. Immerhin ist heuer eine komplette Schweizer Mannschaft aufgeführt, während bei Argentinien ’78 gerade mal der Peruaner Teofillo Cubillas darunter war, der einmal für den FC Basel gespielt hatte.

Kinder – Das Kapital der Zukunft

Damals wie heute ist Strategie alles. 2004 muss erst einmal folgendes Problem gelöst werden: Wie sammelt man Fussballer-Bildchen als Erwachsener, ohne sich in seinem Umfeld lächerlich zu machen? Man schiebe also diskret das brandneue und noch leere Panini-Album und einen Grundstock von fünf Säckchen mit Bildern in den Schulsack der elfjährigen Tochter. So macht man ihr ein Überraschungsgeschenk, und fortan gilt erst noch sie offiziell als Sammlerin der Bildchen. Sie verfügt auch über die einschlägigen Kontakte, um an die seltenen Fussballerköpfe zu kommen, wenn man über einen entsprechenden Stock an Doppelten verfügt. Dieser Stock wird natürlich stets aus dem elterlichen Budget gespiesen, doch ist dies eine gute Investition. So lässt sich nämlich auch einmal rechtfertigen, wenn das Sackgeld vergessen wurde. Wie auch immer: Die Kontrolle über die Panini-Sammlung bleibt in elterlicher Hand.

Kinder sind das Kapital der Zukunft – wie wahr! Die Tochter kann gewiss nochmals für die WM 2006 in Deutschland eingesetzt werden, und die EM 2008 in der Schweiz sowie die WM 2010 in Südafrika können dann wohl vom Sohn abgedeckt werden, der jetzt noch im Baby-Alter steckt.

Steffen aus Deutschland –
Ein Gesinnungsgenosse

Auch die heutige Technologie kommt dem jugendlichen wie dem erwachsenen Sammler entgegen. Man tippe in der Google-Suchmaschine «Panini» und «Tausch» ein, und schon flattern Tauschangebote aus der ganzen Welt auf den eigenen Bildschirm. So meldet Arno aus Österreich, dass er neue Doppelte von der WM München 1974, der EM 1988 und der EM 1996 hat. Jetzt gilt es nur noch die alten Alben aus den Kartonschachteln im Estrich zu kramen. Kann man da tatsächlich noch Alben füllen, die schon vor Jahren als «unvollendet» abgelegt wurden?

Unter Arnos Guestbook kann man auch mit anderen Sammlern Kontakt aufnehmen. Gemeldet haben sich etwa Nele oder Chopknocle aus Afrika. Oder es schreibt Steffen aus Deutschland: «Habe nach mehreren Jahren des Stillstands wieder mit dem Sammeln von WM- und EM-Bildchen begonnen…» Na also, auch andere spüren ihren jugendlichen Übermut wieder. Steffen will wissen, ob die Iraner (sind es nicht eher die Iren) und die drei Engländer zur WM ’98 doch noch aufgelegt wurden.

Fehlende Spieler, das gibt es auch bei der EM 2004 in Portugal. Oliver Kahn und Michael Ballack hätten für die Rechte an ihren Bildern zu viel Geld verlangt. Ausgerechnet die beiden also, die mit ihren mageren Leistungen schuld sind, dass Bayern nicht deutscher Meister wurde. Auch von den Dänen fehlen einige Spieler, respektive sie sind bloss klein gedruckt im Album, und es zirkulieren von ihnen keine Bilder, wird einmal im Radio verkündet. Zum Glück gibt es noch die grösste Schweizer Boulevardzeitung. Sie liefert den Sammelfans die verlorenen Dänen nach. Einfach ausschneiden und ins Album kleben.

Stichwort Kleben. Irgendwie rochen die Bildchen früher so gut, wenn man das Deckblättchen hinten abzog, um sie einzukleben. Wahrscheinlich hat man unterdessen den Klebstoff gewechselt. Schade.

Fundgrube Sportplatz Cressier

Die Erfolgserlebnisse beim Portugal-Album lassen nicht lange auf sich warten. Schon am zweiten Tag lacht Zidane aus dem Album, und etwas weiter hinten leuchtet schon das Wappen der Schweizer. Vom töchterlichen Schulhof gibt es ebenfalls Erfolgsmeldungen. Alex Frei wird auf diesem Weg erworben, ebenso der EM-Pokal. Man muss nur wissen, wen fragen. Generell gelten die Erst- und Zweitklässler als die härtesten Händler.

Es gibt allerdings noch bessere Börsen als den Schulhof. Der Juniorentag des FC Cressier vom 24. April etwa. Ein rechter Fussballjunior packt neben Fussballschuhen und Trikot auch sein Album und die Doppelten mit in die Sporttasche. Da erfährt man allerlei Interna. «Das Wappen der Schweden, das findest du nicht.» Stimmt nicht: Ein paar Tage später klebt es schon im eigenen Album und trägt dazu bei, dass Schweden als erste Mannschaft komplett ist.

Doch es sei gar nicht so schlimm, wenn man ein Bild nicht findet. Man könne sie bestellen, aber es dürften höchstens noch 60 Bilder fehlen, weiss der Fussballjunior. Und wo bestellt man sie? Der Junior: «Über Computer.» Hinten im Album stehts: www.stickers.ch.

Gesucht: Chapuisat

Die EM steht bevor, und noch ist diese Grenze von 60 Fehlenden nicht erreicht. 91 der insgesamt 334 Bildchen fehlen noch. Die Stars sind gut vertreten: Deco, Raul, Henry, Zidane, Beckham, Owen, Makaay, dazu die Deutschen, Kroaten, Bulgaren, generell die Osteuropäer. Einige kuriose Namen sind darunter: der Portugiese Boa Morte (zu Deutsch: guter Tod), der Italiener mit dem Namen wie eine Teigware, Nicola Negrottaglie, dazu die griechischen und lettischen Zungenbrecher Stylianos Giannakopoulos und Olegs Blagonadezdins.

Hingegen fehlen noch viele Portugiesen, Spanier, Italiener und Franzosen – die Favoriten eben. Auch einige Stars wären noch erwünscht: Figo, Del Piero, Nedved oder van Nistelrooij.

Und natürlich Stéphane Chapuisat. Für Chapuisat könnte man schon mal einen doppelten Deco, einen bis zwei Deutsche und einige Osteuropäer hergeben. Sonst muss man wohl noch ein bisschen warten und ihn selber mal fotografieren, wenn er dann in Muntelier wohnt.

Mehr zum Thema