Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Bilder lügen doch

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Das Museum für Kommunikation widmet sich in einer neuen Ausstellung der Bildmanipulation

Autor: Von CAROLE SCHNEUWLY

Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Fotografien in der Presse auftauchten, waren die Erwartungen gross: Endlich, so hoffte man, werde hier die ungeschminkte Wahrheit gezeigt, würden unwiderlegbare Beweise vorgelegt für das, was in den Blättern geschrieben stand. Bereitwillig glaubte man, was man auf den Fotos mit eigenen Augen sah, denn Bilder lügen schliesslich nicht.Längst wissen wir, dass dem nicht so ist und dass Bilder ebenso lügen können wie Texte. Dennoch stellt Jakob Messerli, Direktor des Museums für Kommunikation, im Umgang der Menschen mit der heutigen Bilderflut Erstaunliches fest: «Texte kritisch zu lesen und zu hinterfragen, sind wir gewohnt. Bilder dagegen erscheinen uns als wahre Abbilder der Realität. Ihre Objektivität zweifeln wir kaum an. Aber Bilder zeigen nicht die absolute Wahrheit, sie können genauso lügen wie Wörter.»

Die Wunde des Eric Landry

Dieses Bewusstsein zu schärfen ist das Ziel der Ausstellung «Bilder, die lügen», einer Produktion der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Sie lässt die Besucher in ein «Lügen-ABC» eintauchen, das von A wie «Aktuelles» über F wie «Führermythos» bis zu Z wie «Zukunft» führt. Mehr als 300 Bildbeispiele aus den vergangenen rund 100 Jahren veranschaulichen die Bandbreite des Themas. Exklusiv sind im Museum für Kommunikation auch Beispiele aus der Schweiz zu sehen.So gibt es ein Wiedersehen mit dem Eishockeyspieler Eric Landry, der 2005 in einem Playout-Match seines Lausanne HC gegen Freiburg Gottéron hart gefoult wurde und einen Nasen- und Jochbeinbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt. Die Lausanner Vereinsleitung belegte vor den Medien die Schwere der Verletzungen mit einem Foto. Später enthüllte der Vergleich mit einem Agenturbild, dass die Wunde unter Landrys rechtem Auge mit deutlich weniger Stichen genäht worden war, als es auf dem vom Verein vorgebrachten Bild den Anschein hatte. Das Foto war manipuliert worden.

Mit Tipp-Ex wegretouchiert

Dass Bildmanipulationen nicht erst eine Erscheinung der letzten Jahre sind, zeigt ein anderes Beispiel aus dem Schweizer Sport: Zum Saisonauftakt 1978 traten die Spieler des Stadtberner Fussballclubs BSC Young Boys mit neuen Trikots auf, auf denen gross die Werbung der «Berner Zeitung» prangte, die im Januar 1979 aus der Fusion von «Berner Tagblatt» und «Berner Nachrichten» hervorgehen sollte. Wenig erfreut über die Werbung der Konkurrenz war die Tageszeitung «Der Bund». Deren Bildredaktion hatte eine einfache Lösung parat: Die Leibchen-Werbung auf den veröffentlichten Matchfotos wurde kurzerhand wegretouchiert – mit Tipp-Ex.Die Grundfrage der Ausstellung ist die nach der Objektivität von Bildern. Der deutsche Magnum-Fotograf Thomas Hoepker sagte dazu einmal: «Gute Fotos sind selten objektiv, trotzdem können sie wahr sein. Sie spiegeln eine persönliche Meinung, sind Interpretation der Wirklichkeit, geben ein Scheibchen Realität wieder. Die Wahl des Ausschnitts, der Brennweite und des Moments, die analoge oder digitale Ausarbeitung – jeder Schritt ist eine subjektive Entscheidung.»

Die Muster der Bildlüge

Die Grenze zur Bildmanipulation ist dabei fliessend. Drei Grundmuster der Bildlüge kristallisieren sich in der Ausstellung heraus: Die nächstliegende Methode ist die Veränderung des Bildmaterials, also die Manipulation von bestehenden Bildern. Ein Beispiel, das vielen noch in Erinnerung sein dürfte, ist das Bild, das der «Blick» vor zehn Jahren nach dem Attentat von Luxor veröffentlichte: Aus einer Wasserpfütze machte das Boulevardblatt mit etwas roter Farbe eine eindrückliche Blutlache.Eine zweite Methode ist die Manipulation der Bildinterpretation. Diese geschieht durch die Verfälschung des Kontextes. Auch hierfür zeigt die Ausstellung ein Beispiel aus dem «Blick»: Nach der Tsunami-Katastrophe in Südasien veröffentlichte die Zeitung anfangs 2005 das Foto eines Schweizer Touristen, der mit einem Bier in der Hand «Ferien am Todesstrand» machte. Die Erklärung des Thailand-Touristen: Das Foto sei in einer kurzen Pause entstanden, die er eingelegt habe, als er beim Aufräumen geholfen habe. Die dritte Methode schliesslich ist die Lüge mithilfe von realen Bildern, die für einen bestimmten Zweck inszeniert wurden. Solche Bilder wurden und werden etwa von Politikern gerne genutzt, um sich im besten Licht zu zeigen.

Bildkonsumenten in der Pflicht

Die Ausstellung hat nicht den Anspruch, Patentrezepte zum bewussten Umgang mit Bildern zu liefern. Aber sie will zeigen, wie Bildquellen kritisch hinterfragt und interpretiert werden können. Sie entlarvt die Absichten, die hinter Bildmanipulationen stehen, zeigt die Folgen von Bildlügen auf und informiert über die ethischen Ansprüche im Umgang mit Bildquellen. Dabei wird deutlich, dass nicht nur die Produzenten von Bildern in der Pflicht stehen, sondern auch die Konsumenten.Wer sich im Umgang mit manipulierten Bildern üben will, kann dies im Museum für Kommunikation unter anderem in den Räumen der fiktiven Redaktion «objektiv» tun. Das Magazin «objektiv», das dort aufliegt und nur in der Berner Ausstellung erhältlich ist, enthält viele kommentierte Beispiele von Bildmanipulationen. Einzelne Themen werden an einer Videostation vertieft. Und schliesslich stehen aktuelle Tageszeitungen und Wochenzeitschriften zur Verfügung, in denen die Besucher mit geschärftem Blick nach lügenden Bildern Ausschau halten können.Museum für Kommunikation, Helvetiastrasse 16, Bern. Bis zum 6. Juli 2008. Öffnungszeiten: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: www.mfk.ch.

Mehr zum Thema