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Bio-Bschiss auf Schweizer Bauernhöfen: Label-Chef sagt, wie es nun weitergeht

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Illegale Gifteinsätze von Bauern, die Bio-Suisse-zertifiziert sind: Urs Brändli, Präsident des Labels, äussert sich zu den Betrugsfällen – und übt Kritik an Bauernverbandspräsident Markus Ritter.

Diese Woche wurde bekannt, dass es Biobauernhöfe gibt, die die Bio-Verordnung verletzen und trotzdem das Label von Bio-Suisse tragen. Was ist in der Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen und Bauern schiefgelaufen?

Urs Brändli: Es gibt Einzelfälle, bei welchen die Kontrollen nicht gegriffen haben und die hätten verhindert werden sollen. Ganz ausschliessen können wir solche Fälle leider nicht. Es ist aber falsch, diese hochzustilisieren und zu suggerieren, dass man dem Biolabel grundsätzlich nicht trauen kann. Die Betriebe werden mindestens einmal pro Jahr von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle kontrolliert. Von rund 7500 Biobetrieben müssen 3 bis 5 pro Jahr ausgeschlossen werden. Wenn jemand absichtlich betrügt, ist das nicht nur ein Betrug an den Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch an den Berufskolleginnen und -kollegen, die alles korrekt machen.

Konfrontiert mit den Fällen, hatte Ihr Sprecher bestritten, dass es überhaupt zu solchen Vorfällen kommt. Hätte Bio-Suisse transparenter kommunizieren müssen?

Ich verstehe die Frage. Es geht darum, das Verhältnis zu sehen, in welchem diese Fälle stehen. Seit 2016 wurden etwa 60’000 Kontrollen durchgeführt. Davon landeten nur die 4 genannten Fälle vor dem Verwaltungsgericht. Es handelt sich um absolute Einzelfälle, die es differenziert zu betrachten gilt. Ich versichere Ihnen: Jeden dieser Fälle nehmen wir sehr ernst und prüfen aufgrund der Gerichtsurteile, ob wir einen Prozess anpassen oder neu beurteilen müssen. Grundsätzlich sehen wir aber keine Problematik und sind überzeugt, dass unsere Kontroll- und Zertifizierungsverfahren funktionieren.

Landwirtschaft kann nicht ökologischer sein, als es die Umwelt zulässt, sagten Sie an der Jahreskonferenz. Ist die Politik schuld daran, dass es Betriebe schwieriger haben, biologisch zu produzieren?

Dass unsere Umwelt Bioproduktion erschwert, ist eine Feststellung. In der Politik will man grundsätzlich mehr Umweltschutz, solange es nichts kostet. Doch Pestizide und Plastik sind so verbreitet, dass auch Bauern, die keine chemisch-synthetischen Pestizide einsetzen, solche Rückstände in ihren Böden vorfinden. Doch Biobetriebe können ihre Felder nicht schöndüngen, wenn die Witterung schlecht ist. Tauchen Schädlinge auf, können sie ihre Kulturen auch nicht schönspritzen. Trotzdem nehmen viele Betriebe die Herausforderungen an.

An der Jahreskonferenz von Bio-Suisse erklärt der Label-Chef, viele Biobauern seien durch die Betrugsfälle verunsichert.
Bild: Jean-Christophe Bott

Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands, ist selbst Biobauer. Trotzdem setzt er sich nicht für biologische Landwirtschaft ein …

Markus Ritter ist nicht als Bioproduzent zum Präsidenten des Bauernverbands gewählt worden. Warum der Bauernverband die Gesundheit unserer Böden nicht prioritär behandelt, weiss ich nicht. Aber ich sag es mal so: Wenn Bauern von konventioneller Landwirtschaft auf bio umstellen, tun sie dies zuerst oft aus wirtschaftlichen Gründen. Die Überzeugung, dass biologische Landwirtschaft auch sinnvoll ist, kommt häufig nach einigen Jahren. Wie stark Markus Ritter auch innerlich von bio überzeugt ist, weiss ich nicht. Auf seinem eigenen Betrieb hat er jedenfalls Freude an Biodiversität, wie er mir erzählt hat.

Als er die Nein-Parole zur Biodiversitätsinitiative verkündete, schien das nicht der Fall. Er sieht keine Krise der Biodiversität. Teilen Sie diese Sicht?

Nein, sämtliche wissenschaftlichen Studien und Statistiken zeigen ganz klar, es gibt im Flachland einen grossen Mangel an Biodiversität. Wenn Markus Ritter die Krise bestreitet, betrachtet er vielleicht nur seinen eigenen Betrieb.

In der Debatte um Biodiversität beruft sich der Bauernverband auf die Versorgungssicherheit und sagt, es kann nur eines von beiden geben: Produktion oder Ökologie. Wie beurteilen Sie diese Debatte?

Die Gegenüberstellung ist falsch. Die wichtige Frage wäre: Was müssen wir tun, damit unsere Böden gesund, fruchtbar und damit produktiv bleiben? 2014 schrieb das Bundesamt für Landwirtschaft in einem Bericht, dass die Fruchtbarkeit der Böden langfristig nicht gewährleistet sei. Es wäre höchste Zeit, die Böden so zu bewirtschaften, dass sie langfristig fruchtbar bleiben.

Die Bio-Suisse ist selbst Teil des Bauernverbandes. Sie brauchen die konventionelle Landwirtschaft, um ihre Produkte mit Bio-Standards teurer verkaufen zu können. Gleichzeitig haben Sie politisch unterschiedliche Interessen. Wie gehen Sie mit diesem Spannungsfeld um?

Die Gefahr liegt für uns im scharfen Preiskampf. Die letzten Jahrzehnte zeigen, je intensiver die konventionelle Landwirtschaft produziert, umso mehr kommen die Preise unter Druck. Damit sich der Mehraufwand und Minderertrag der Bioproduktion rechnet, müssen die Bioprodukte teurer verkauft werden können. Das war schon immer so. Doch je tiefer die konventionellen Preise werden, desto grösser wird die Preisdifferenz zu Bio.

Was ist das Problem daran?

Das führt dazu, dass Bioprodukte als überteuert wahrgenommen werden. Doch politisch halten wir uns zurück, weil unsere Interessen im Parlament kaum Gehör finden. Seit es Biolandwirtschaft gibt, steht sie politisch im Gegenwind. In den 1970er-Jahren sollte sie gar verboten werden. Deshalb versuchen wir über den wirtschaftlichen Weg, mit Qualität und Mehrwert der Knospe-Produkte, zu überzeugen.

Könnten Sie einen Tag ins Bundeshaus, was würden Sie fordern?

Ich hätte ein sehr liberales Anliegen aus Sicht eines Biobauern, dem die Zukunft seiner Enkel am Herzen liegt: die wahren Kosten in einem Produkt abbilden. Heisst: Die Klima- und Umweltschäden, die durch die Produktion und Konsum ausgelöst werden, müssten in der Preissetzung sichtbar werden. Eine Studie der Uni Augsburg berechnete 2018, dass konventionell produziertes Fleisch damit etwa doppelt so teuer würde.

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