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Als Milchkontrolleurin unterwegs

Seit einem Jahr habe ich ein neues Amt, ich besuche Jauner Bauern während dem Melken, notiere die Anzahl Liter Milch jeder gemolkenen Kuh und nehme eine Milchprobe. Nichts aufregendes also, ausser Rutschpartien wegen Neuschnee frühmorgens richtung Abländschen oder leerem Stall im Sommer weil die Kühe erst noch von der Weide geholt werden müssen. Im Winter bekomme ich in einem Melkstand auch mal ein paar dunkle, riechende Spritzer ab, was der Kuh natürlich sch.... egal ist. Mir gefällt aber der Kontakt zu den Bauern und die Einsicht in ihren Alltag, den ich gerne fotografisch festhalte.

 

10 Landwirte besuche ich 11 mal im Jahr. Meine Vorgängerin Sophie hat "ihren" Bauern bestimmt mitgeteilt, wer ihre Nachfolgerin sei und meine Person wurde überall akzeptiert. Dass das Amt des Milchkontrolleurs also einer "Ehre" gleicht, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Es ist aber tatsächlich so, dass nicht jedermann in die Jauner Ställe herein kommt. Spätestens als mir ein Bauer erklärte, dass ich bei ihm keine Fotos zu machen habe, das säe nur Unfrieden unter den Bauern, war ich auf der Hut. Es sind aber lange nicht alle dieser Meinung. Die Meisten halten mit dem Fortschritt mit, schauen sich meine Statusbilder auf Whatsapp an und rätseln, wo ich wohl war. Im Sommer sehe ich in den Berghütten in die einfachen und traditionellen Verhältnisse, wie sie schon vor Jahrzehnten waren. Sogar von Freunden aus der Stadt kam die Rückmeldungen, wie interessant und schön meine Bilder seien.

Seit letzem Oktober ist mein Milchkontrolleur Kollege operationsbedingt krankgeschrieben und ich habe diesen Winter 19 Betriebe zu kontrollieren. Von einer "moderner" Betriebsgemeinschaft mit über 30 Kühen bis zum beinahe pensioniertem Junggesellen mit 6 Tieren sind die Betriebe sehr unterschiedlich. In jedem Stall sind die Kühe mit Ohrmarken versehen, diese Identitätsnummer habe ich ab und zu zu überprüfen. Auf dem Begleitschein sind diese Nummern ebenfalls aufgeführt und neben anderen Angaben gehört auch das Abkalbedatum drauf. Bekomme ich bei einem Bauer das Handy in die Hand gedrückt um das Kalberdatum in der entsprechenden App heraus zu suchen (weil er seine Brille zum melken nicht brauchen kann), bekomme ich andernorts zu hören, "die Sesselfurzer sollen die schon eingereichten Angaben gefälligst selber in ihrem Büro erfassen!"...

Die mehr oder weniger gefüllten Milchkessel  sind überall gleichschwer zu tragen. Melkanlage hin oder her, bei einem medikamentös behandeltem Tier kommt diese Milch nicht zur anderen, wird aber trotzdem kontrolliert und zwar in einem Kessel an einer Federwaage. So freut sich mein Rücken jetzt schon, wenn im Frühling wieder weniger Betriebe zu kontrollieren sind. Ich möchte meine verlorenen Sommerfotos wieder ersetzen und nicht jedermann ist als Milchkontrolleurin  zu den Berghütten unterwegs um das Bergbauernleben hautnah mitzuerleben.

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