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Des Teufels Reue

Vor rund 10 Jahren habe ich meine Lieblingsversion der Sage des Grossmutterlochs von einem unterdessen guten Freund gehört. "Eines Tages erkannte der Teufel, dass seine einstige, schöne und junge Geliebte zur faltigen, 'verwurgete' Grossmutter gealtert ist. Es überkam ihm eine solche Wut darüber, dass er die alte Frau packte und auf die Erde schleuderte, weil er sie so nicht mehr sehen wollte. Er bereute seine Tat kurz darauf und um seine alte Liebe zu retten, schlug er mit der Faust ein Loch durch die Gastlosen um sie vor dem Aufprall, und somit dem sicheren Tod, zu retten".

 

So die Kurzversion unseres welschen Freundes, die auf französisch noch viel liebesdramatischer tönt. Die Tafel des Geologisches Pfades beim grossen Rüggli erklärt, dass sich die Felsen,  etwa vor 10 Millionen (!) Jahren aus dem Meeresboden aufgerichtet haben, die uns heute als die Gastlosen bekannt sind. Das Felsentor ist durch Erosion entstanden, kreuzen sich dort doch zwei Verwerfungen die dies wahrscheinlich begünstigt haben. Nun kann das bekannte Naturschauspiel jährlich im Winterhalbjahr beobachtet werden. Je nach Schneeverhältnissen ist der Weg zum Sonnenfleck kürzer oder länger.

Anfangs diesen Winter wollte ich mal herausfinden, wo genau nun die Sonne zu sehen ist, die durch das Grossmuttterloch scheint. Ich wusste, dass der Sonnenfleck mit dem Sonnenstand wanderte und auf dem Jauner Winterflyer sind einige Angaben notiert. Trotzdem habe ich die Sonne ein paar mal verpasst, weil ich zu spät oder am falschen Ort war. So fragte ich telefonisch bei Linus Buchs in Schüpfen nach seinen Quellenangaben. Da er nicht vor Ort wohnt, hat er vor Jahren ungefähre Berechnungen angestellt, in denen er den Sonnenstand und die entsprechenden Winkel berücksichtigte. Somit wusste er, wo er in etwa bei seinen Besuchen in Jaun den Sonnenschein beobachten konnte. Der zeitliche Aufwand die Sonne zu sehen, verringerte sich somit ein wenig, die Beobachtungstunden sind jedoch weiterhin ungezählt. Nach einem sehr interessanten Gespräch versprach er, mir seine aktualisierte Karte zu senden. 

Da ich seit einem Monat immer wieder auf dem nebenanliegenden Schlittelweg unterwegs bin, ist es nun ein Einfaches, den Sonnenfleck zu besuchen. War die Sonne vorgestern noch ein paar Minuten östlich der Tanne im Talgrund zu sehen, wurde dieselbe heute nur noch kurz beleuchtet. Die verschneite Landschaft ist momentan wohl einzigartig und das Wetter verspricht ausnahmslos blauen Himmel für die nächsten Tage. Noch morgen und übermorgen scheint die Sonne immer kürzer durch das Grossmutterloch unterhalb des unteren Sattel. Danach geht das Naturschauspiel oder "des Teufels Reue" in die Sommerpause  und erscheint erst im Oktober wieder.

 

 

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