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Schafscheid 2019

Auch der 425. Schafscheid ist für die meisten Besucher wieder Anlass, Bekannte, Freunde und Familie zu treffen. Die Schafe geben dem Anlass zwar den Namen, einen Bezug zu den Tieren haben die Besucher höchstens von den eifrig geknipsten Fotos oder einem verwackelten Video. Daniel Buchs hat mich gebeten, die Erklärungen zum eigentlichen Schafscheid in den Vordergrund zu stellen und von den Abläufen zu berichten, die den meisten Bersuchern verborgen bleiben. Dieser Bitte bin ich gerne nachgekommen.

Die 400 Schafe von 8 verschiedenen Besitzer sömmern mit zwei Herdeschutzhunden und einigen Ziegen auf dem Schafberg östlich vom Dorf. Am Freitag vor dem Schafscheid legen die Schäfer die Zäune ab und treiben die Tiere auf dem weitläufigen, zum Teil zerklüfteten Gelände immer tiefer. Es gibt unzählige Weglein die irgenwo und nirgedwo hinführen und die Augen der Hirten suchen jeden Quadratmeter nach Schafen ab, die manchmal hinter Felsnasen kaum zu sehen sind. Sie kennen den Schafberg wie ihre Hosentasche und bringen alle Tiere sicher zur Vorweide ins Tal.

Von der Vorweid im Ried marschieren die Schäfer mit ihrer Herde am Schafscheidmorgen ins Dorf. Nach dem Applaus der Zuschauer am Strassenrand geht die Arbeit weiter, die Schafe müssen ihren bisherigen oder neuen Besitzern zugewiesen werden. Die Tiere die nicht privat verkauft werden, sind bei der Freiburgischen Viehverwertungs-Genossenschaft für den überwachten Schaf- und Lämmermarkt angemeldet. Dort werden sie gewogen und von den zwei ProViand-Experten taxiert. Der Wochenpreis ist für jede zugewiesene Kategorie festgelegt, es ist nun an den Händlern diese zu akzeptieren oder zu überbieten. Jeder Kauf wird von der Viehverwertungs-Genossenschaft festgehalten, damit Käufer und Verkäufer sämtliche Angaben über Gewicht, Kategorie und Preis der Tiere schriftlich haben.

Käufer und Verkäufer die am überwachten Markt teilnehmen, kommen aus der weiteren Region. Es müssen im Vornherein mindestens 100 Tiere zum Verkauf angemeldet sein, damit der Schafmarkt stattfindet. Da die offiziellen Schätzer und Schreiber der Genossenschaft an Werktagen arbeiten, findet der Schafscheid auch unter der Woche statt und nicht am Wochenende. Kurz vor dem Ende des überwachten Marktes wird es nochmals spannend, die Käufer überbieten sich für die letzten Tiere. Fr. 5.20  das Kilo für zwei Lämmer war der Höchstpreis des Tages den ich mitbekommen habe. Auch unter den Jauner Hirten ist man erstaunt über die guten Preise, die Nachfrage scheint momentan hoch zu sein. Von den 500 Tieren in Jaun heute, gingen die Meisten an private Käufer, die sich im Vornherein die Schafe ansehen, reservieren und für die guten Schafe auch höhere Preise zahlen.

Neben dem gesellschaftlichen Aspekt wie er schon in frühreren Blogartikel beschrieben wurde, nimmt auch das Interesse der Anwesenden an den Schafen zu. Seit letztem Jahr sind die Tiere zwischen dem Hotel Wasserfall und der Bäckrei Buchs eingezäunt und die Besucher haben direkten Kontakt zu den Schafhirten und deren Tieren. Bei solch sommerlichen Temperaturen wie heute finden viele Auswärtige den Weg nach Jaun und die neuen Medien verbreiten die Fotos der Jauner Tradition Schafscheid in alle Welt. Die motivierten Jauner Schäfeler verdienen die Anerkennung der zahlreichen Besucher, die das Weiterbestehen dieser Tradition somit gewährleisten.

 

Schafscheid 2015

Schafscheid 2017

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