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Allerheiligen oder All Hallows Eve

Bald wechseln die Uhren wieder auf Winterzeit und wir gedenken an Allerheiligen unserer Toten.

Zeitgemässer allerdings ist es heutzutage, zu diesem Anlass Halloween zu feiern.
Mir liegt weder das eine noch andere Brauchtum am Herzen, wobei in unseren Breitengraden eigentlich nicht von Brauch oder Tradition gesprochen werden kann, wenn es um Halloween geht.

Meine Toten trage ich immer im Herzen, sie begleiten mich, ich spüre sie mal näher und mal weniger nah, unterhalte mich auch gerne mit ihnen. Um diese Beziehungen zu pflegen, bedarf ich keines offiziellen Tages.

Nun trifft es sich in diesem Jahr, dass ich diesen Tag (respektive diese Nacht) nicht daheim sein werde, ja, ich werde mich dann sogar auf einem anderen Kontinent aufhalten. Ich habe mich schlau gemacht, ob in diesem Land, in welchem ich dann sein werde, dieser Feiertag auch begangen wird. Gemäss offiziellen Informationen nicht, was natürlich nicht heisst, dass ihn dort keiner kennt oder feiert. Auch in der Schweiz ist Halloween kein offizieller Feiertag und war bis vor zwanzig Jahren – na ja, vielleicht sind es bereits dreissig Jahre – bei uns weitgehend unbekannt.

Halloween, oder auch All Hallows Eve ist irischen Ursprungs und geht auf eines der vier grossen keltischen Feste zurück.
In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November wird der Toten gedenkt, verbunden war dieses Fest früher auch mit der Angst, dies Geister könnten Besitz von einem ergreifen. Als Halloween im 19. Jahrhundert von Auswandernden in die USA exportiert wurde, nahm das Fest allmählich seinen heutigen (stark kommerzialisierten) Charakter an.

Mich erstaunt immer wieder, wie bereitwillig wir eigene Bräuche und Traditionen gegen fremde austauschen. Insbesondere, wenn diese aus westlichen Breitengraden kommen. So haben wir unseren braungekleideten, bescheidenen Samichlaus gegen den von der Firma Coca-Cola ins Leben gerufene rotegewandete, weissbärtige ‘ho-ho-ho-Chlaus’ ausgetauscht. Der Vatertag, in der Schweiz erst seit 2009 ein offizieller Feiertag, fristet allerdings nach wie vor ein eher stiefmütterliches Dasein, der Valentinstag allerdings wird heute auch nach amerikanischem Vorbild gefeiert und auch die Einführung des Black Friday – zwar kein Feiertag aber deshalb nicht weniger wichtig und sicherlich noch weit kommerzieller – erfreut sich auch bei uns immer grösserer Beliebtheit.

... wer weiss, vielleicht finde ich in diesem fernen Land, in welchem ich bald sein werde, einen Brauch, den ich in die Schweiz importieren kann.

Doch gleichwohl komme ich nicht umhin festzustellen, dass es, obwohl ich dieser Übernahme, dieser Adoption, fremder Bräuche ziemlich skeptisch gegenüberstehe, durchaus auch positive Aspekte zu beachten gibt:
Sie bringen uns andere Kulturen näher und sie verbinden Menschen verschiedenster Ethnien. Gemeinsames Feiern und fröhlich-sein einigt, tut der Seele gut, lässt Grenzen verwischen und – so hoffe ich – steigert die gegenseitige Toleranz.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein fröhliches Halloween und/oder ein besinnlicher Allerheiligen.

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