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Die etwas andere Geburt

Es ist ein Junge. Es ist ein Mädchen. Es ist ein Buch...

Natürlich steht im Moment vor allem eine Geburt im Vordergrund, auch wenn sie bereits eine geraume Weile zurückliegt. Wir feiern sie Jahr für Jahr, sie steht für die festlichste Zeit des Jahres. Wobei ich meine Zweifel habe, ob es beim Feiern wirklich noch um dieses frohe Ereignis geht... Aber das ist ein anderes Thema und damit will ich mich jetzt nicht auseinandersetzen.

Tatsache ist, dass jede Geburt ein Wunder ist. Immer. Es ist ein kostbares Geschenk, welches wir mit Ehrfurcht und Demut in Empfang nehmen sollten.
Glücklich, ja, euphorisch, wird die frohe Nachricht kundgetan. Unser Baby ist geboren! Und wir wünschen uns, dass unser Baby mit Zuneigung und Wohlwollen aufgenommen, dass es geliebt und beschützt wird. Und wir wissen, wenn es grösser wird, müssen wir es in die Welt entlassen. Wir tun es, mit Stolz und mit Furcht.

Es gibt ganz verschiedene Sorten Babys, meines ist ein Buch.
Es meldete sich letzten Dezember durch eine nachdrückliche Inbesitznahme meiner Gedanken. Mein Baby heisst Soraja und ist bereits sechzig Jahre alt. Es nahm förmlich von mir Besitz, diktierte mir seine Geschichte und ich schrieb und schrieb. Sorajas Erlebnisse entfalteten sich ohne mein Dazutun, ich hatte keine Ahnung, wo mich, respektive meine Protagonistin, die Reise hinführten würde. Es schrieb – und irgendwann war es vollbracht.

Darauf folgte die Fleissarbeit. An Sätzen und Formulierungen schleifen, überarbeiten, ein-, drei-, fünfmal. Die Geschichte ein paar Erstlesern anzuvertrauen fühlte sich ähnlich an, wie sein Baby zum ersten Mal in die Schule zu bringen. Man sorgt sich: wird es Freunde finden, wird man es hänseln, wird es überfordert oder unterfordert sein, wird man es mögen? So fragte auch ich mich: Wird man meine Soraja und ihre Geschichte mögen und verstehen?

Loslassen ist nicht einfach – auch nicht bei einem Buch.
Nach letzten Überarbeitungen ging das Buch in Druck und ich hielt mein Baby in der Hand. Endlich. Mit Stolz und Freude. Und mit Furcht, denn nun gehört es nicht mehr mir, sondern der Welt (sofern sie es will).

Ja, eine Geburt ist immer ein sehr spezielles Ereignis. Sie ist verbunden mit Hoffnungen und Ängsten, sie erfüllt uns mit Stolz und mit Liebe.
Ich wünsche uns allen, dass wir immer wieder 'Geburten' erleben, sei es, dass eine neue Freundschaft geboren wird, ein Gedicht oder Gericht, ein Lied, ein schöner Gedanke, eine Liebe oder ein Bild. Denn auch wenn es sich 'nur' um Kopfgeburten handelt, sind sie doch ein Zeichen unseres Menschseins, unserer Zuversicht und unseres Glaubens.

www.ich-schreibe-fuer-dich.com
 

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