0

Die Sache mit dem Fondue

Ich habe Vorurteile, natürlich habe ich die, wie wir alle. Ich zum Beispiel habe welche, was das Fondue anbelangt.

Kürzlich erhielt ich eine Essenseinladung. Meine anfängliche Freude fiel in sich zusammen, als ich erfuhr, dass es ein 'gemütliches' Fondueessen geben würde. Warum, bitte sehr, wird dem Fondueessen grundsätzlich Gemütlichkeit unterstellt?

Es gibt kaum ein Gericht, das Schweizerischer ist. Nebst Schokolade, Bankgeheimnis – aber halt, das gehört mittlerweile der Vergangenheit an – Edelweiss und Uhren, gilt das Fondue als Schweizer Kulturgut. Fondue - ein Gericht aus einer geschmolzenem – französisch fondue – Käsemasse, die bei Tisch über einem Kocher heiss gehalten wird. Käse und Brotwürfel. Eine ausgewogene Mahlzeit – seien wir ehrlich - sieht anders aus! Zudem ist es nach meinem Essverständnis recht unappetitlich, wenn mehrere Menschen mit ihrem Esswerkzeug im selben Topf rühren, das Werkzeug in den Mund schieben und dann zurück in den Topf. Wie die Masse aus geschmolzenem Käse, weichem Brot und kaltem Weisswein dann in meinem Magen verklumpt, ist auch kein schönes Bild – nicht zu vergessen, was alles, verursacht durch meine Mitesser, sonst den Weg in meinen Magen findet. Ekelig wird’s, wenn jemand verschnupft ist oder sein Windpocken-Kind mitbring. Unangebracht ebenso, wenn einer beschliesst, dem Fondue fehle das gewisse Etwas und grosszügig und ungefragt – man könnte sagen egoistisch – nachpfeffert oder nach-schnapst. Verleiden tut es ferner, wenn statt der Echolote ein Brocken aufgeweichtes Brot aufgegabelt wird, das jemand verloren hat.

Deshalb esse ich Fondue – wenn überhaupt – nur mit Familie und Freunden. Allerdings besteht das Risiko, dass Freunde der Freunde oder Familie der Familie dazukommen. Was mich zu der Überlegung führt, dass – sofern der Theorie, jeder Mensch sei mit jedem beliebigen Menschen auf der Welt über maximal sechs Ecken persönlich bekannt (und diese Menschen auch Fondue essen), geglaubt wird – unter Umständen noch weit mehr Bazillen, Viren, Bakterien aus aller Welt, dazukommen. Aber da will ich, seien Sie versichert, nicht in meinen wildesten Fantasien hin!
Soviel zu meinen Vorurteilen, die ich mir gestern selber widerlegt habe.

Es stürmte und schneite, das Caquelon wurde nach einer ausgiebigen Schneeschuhwanderung in einem Bergbeizli auf das rotweiss karierte Tischtuch gestellt, ein Kerzlein flackerte im Luftzug, der durch das schlecht isolierte Fenster in die warme Stube drang, und das Abendlicht färbte den nun aufgeklarten Himmel rosa.
Seien Sie versichert, das Fondue schmeckte wunderbar, heisser Käse, Brot und Weisswein verschmolzen zu einer homogenen, wärmenden und nährenden Masse in meinem Magen, ich fühlte mich rundum wohl. Gemütlichkeit pur!

www-ich-schreibe-fuer-dich.com

 

Kommentare zu diesem Artikel