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Die Strass, won i drann wohne *

Ir Lüt i wohne anere Strass und nid sümbolisch meine i das, i wohne anere Strass, wie gseit wo zum Friedhof geit * (*Mani Matter)

Auch ich wohne an einer Strasse und philosophisch betrachtet könnte man natürlich sagen, dass jede Strasse irgendwann zu einem Friedhof führt – ebenso gut könnte man behaupten, jede Strasse führe irgendwann einmal ans Meer oder zu einem Supermarkt – Sackgassen ausgenommen.

Die Strass, won i drann wohne, so denke ich zuweilen, wurde von der Stadtverwaltung wohl vergessen, irgendwie und irgendwann, so stelle ich mir vor, ist dieser spezielle Planabschnitt verlorengegangen.
Denn anders ist nicht zu erklären, dass diese Strasse, respektive dieser Strassenabschnitt, ist, wie er eben ist.

Die Strass, won i drann wohne, darf von Autos mit einer maximalen Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern befahren werden. Erstaunlich ist, dass es ab und zu wirklich einen Verrückter gibt, der versucht, diese maximal erlaubte Geschwindigkeit zu erreichen. Dazu müssen Sie wissen, dass die Hauptstrasse mittels einer markanten Kurve in 'meine' Strasse mündet, die dann gleich so eng ist, dass zwei Autos nur knapp kreuzen können und dies auch nur, wenn sich jedes Fahrzeug strikt an seine Hälfte der Fahrbahn hält. Kommt einem der Bus oder ein Lastwagen entgegen, macht man sich im Auto unwillkürlich möglichst schmal, was natürlich töricht ist, aber gegen gesunde Reflexe kommt man nicht so schnell an.

Die Strass, won i drann wohne ist zudem Schulweg vieler Kinder, da sie Verbindungsweg vom Bahnhof zur Orientierungsschule ist. Kinder – das liegt in der Natur ihrer Jugend – sind nicht immer aufmerksam. Wenn sie mit Freunden zu Fuss unterwegs sind, haben sie sich viel zu erzählen und achten wenig auf den Verkehr, wenn sie Rad fahren, hören sie gleichzeitig Musik oder tippen Textnachrichten, Licht und Helm werden oft daheim vergessen, da der Kopf mit Wichtigerem beschäftigt ist. Gerade jetzt, wo die Tage kurz sind, die bunten Shirts und Shorts dem tristen Blau, Grau und Schwarz der Winterjacken Platz machen mussten, werden die kids oft erst im allerletzten Augenblick vom gleissenden Scheinwerferlicht eines Autos erfasst.

Die Strass, won i drann wohne isch ä gfährlichi Stass.
Ich bin weder Strassenbauer noch Architekt noch Stadtplaner. Aber ich sehe, dass die Strasse verbreitert werden könnte, ein 'gendarm couché' vor dem Fussgängerstreifen wäre sinnvoll und eine maximal zulässige Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern wäre angemessen.

Die Strass, won i drann wohne könnte sicherer sein. Ich wünschte mir für meine Strasse, dass sie für Autos, Radfahrer und Fussgänger zu einer weniger gefährlicher Strasse gemacht wird, bevor ein Unglück passiert und ich es mit Mani Matters Worten sagen muss:
... i wohne andere Strass, wie gseit, wo zum Friedhof geit**.

**Oder etwas weniger dramatisch: ...in die Autospenglerei für das Auto und/oder zum Arzt für die Menschen.

www.ich-schreibe-fuer-dich.com

 

Kommentare zu diesem Artikel

Matthias Müller

Der Artikel gefällt mir . Traurig aber wahr Sie haben es auf den Punkt gebracht! Auch ich wohne an einer solchen Strasse und hoffe, dass sie nicht zum Friedhof führt.
Bleiben Sie weiterhin aufmerksam und scheuen Sie sich nicht, heikle Themen aufzugreifen!
Matthias