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Die Welt wird kleiner - Murten ist die Welt

Mikro-, Makro-, Mesokosmos ...

Früher war die Welt grösser und kleiner zugleich.
Der Bauer bestellte sein Feld, abhängig war er in erster Linie vom Wetter, er war Selbstversorger und lebte mit den Jahreszeiten. Jedes Mitglied des Haushalts arbeitete im Rahmen seiner Möglichkeiten mit. Die Grossmutter betreute die Kleinsten oder Kranken, die unverheiratete Tante spann die Wolle und kochte, die Kinder halfen bei der Feldarbeit, die Frauen sorgten für Vorräte, es wurde eingekocht, gedörrt, geräuchert.
Was in Persien, Nord-, Südamerika oder der Tschechoslowakei geschah, erfuhr man – wenn überhaupt – erst viel, viel später. Was in weit entfernten Ländern geschah, beeinflusste das Tagwerk und Leben des Bauern wenig oder gar nicht.

Diese Zeit liegt noch gar nicht so lange zurück aber Grösse und Winzigkeit unseres Mikro-, Makro-, Mesokosmos haben sich verschoben.

Heute erleben wir hautnah, welche Auswirkungen ein Ereignis, das weit von uns entfernt - sozusagen am anderen Ende der Welt - seinen Anfang nimmt, auf uns hat. Denn es bleibt nicht am anderen Ende der Welt, es wird von uns modernen Vielreisenden geschwind um den ganzen Erdball getragen. China, Südamerika, Australien sind näher als je zuvor. Die Globalisierung macht nirgends halt, schon gar nicht vor einer Krankheit.

Wir wähnten uns unabhängig und selbstbestimmt wie nie zuvor, meinten gar, die Welt gehöre uns. Stattdessen sind wir abhängiger als je zuvor – die Welt ist kleiner geworden.

Wir versorgen uns nicht mehr selber, wir sind darauf angewiesen, dass anderswo für uns gebaut, entwickelt, produziert wird. Wir importieren und exportieren, sind nichts anderes, als ein Glied in einer langen Kette.
Die Kette funktioniert – bis ein Glied bricht.

Vielleicht aber können wir diese Krankheitswelle, die Land um Land, Kontinent um Kontinent befällt, als Chance nutzen.
Unsere Welt ist fragiler denn je, sie kommt schnell aus dem Gleichgewicht. Um zu funktionieren brauchen wir einander, es braucht jedes Glied in dieser langen Kette.

Tragen wir Sorge zu uns. Stehen wir landes- und kontinentübergreifend zusammen als Menschen, die in gegenseitigem Respekt und Achtung dieselbe Erde bevölkern.
Wir sind aufeinander angewiesen, wir sind voneinander abhängig. Spätestens jetzt wissen wir, dass dies eine unumstössliche Tatsache ist.
Tragen wir ihr Rechnug.

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Kommentare zu diesem Artikel

Susanna

Ich finde, wir sollten wieder unabhängiger werden. Mehr selber produzieren und wo möglich auf Exporte verzichten.
Aber Sie haben recht, wir rücken immer näher zusammen, sind voneinander abhängig und es ist im Interesse von allen, dass wir möglichst konfliktarm zusammenleben - sonst gehen wir alle unter.