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Ein faszinierendes Gespann: Der Falkner und sein Vogel

Vor vermutlich über 3500 entstand in Zentralasien die Falknerei, die für die deckungslose Steppe die zweckmässigste Jagdform war. Und heute haben wir einen Falkner hier – zum Greifen nah, und sein Vogel ebenso – federnah

Die Faszination 'Raubvogel' und Falknerei hat sich bis heute gehalten und als ich vor einiger Zeit Alexandra und Ulrich und ihre Vogelschar an einer Veranstaltung kennenlernte, war meine Neugier geweckt.
Was macht ein Falkner, wie leben die Vögel, wie richtet man sie ab, was fressen sie und was bringt einen Mann dazu, diese Passion zu seinem Beruf zu machen?

Vor 17 Jahren legte Ulrich seine Jagdprüfung ab. Er machte sich auf die Suche nach dem passenden Hund – und ist dabei auf den Vogel gekommen.
Heute hat der gelernte Koch, der so allerlei im Leben machte und zuletzt sein Brot mit Kauf/Verkauf und Verwaltung von Immobilien verdiente, 13 Vögel (plus – seine Worte – denjenigen in seinem Kopf, aber der zählt hier nicht).

Nun ist es nicht so, dass man sich einfach mal einen Falken oder einen Bussard zulegen kann. Die Haltung ist bewilligungspflichtig, zudem muss eine fachspezifische Ausbildung nachgewiesen und der Vogel soll, abhängig von seiner Grösse, in einer Voliere untergebracht werden. Man müsse, erzählte Alexandra schmunzelnd bei meinem Besuch, vor der Anschaffung auch an die Nachbarn denken. So mancher Vogel habe bereits für Streit gesorgt, die nachtaktiven Eulen zum Beispiel, können durch ihr Rufen den nachbarschaftlichen Frieden empfindlich beeinträchtigen.

Es sind faszinierende Tiere – die geheimnisvolle Eule und der majestätische Raubvogel. Wenn wir den Flug eines Bussards oder Falken beobachten, malen wir uns zuweilen aus, wie es sich anfühlen mag, sich vom Wind in die Höhe tragen zu lassen, von luftiger Höhe herabzuschauen auf Felder und Wälder, Städte und Flüsse. In etwa so stellen wir uns Freiheit vor.

Ein falsches Bild – einmal mehr. Ulrich holte mich auf den Boden der Realität zurück: Ein Wanderfalke, erklärte er, befindet sich nur etwa 15 Minuten täglich in der Luft. Er fliegt, um zu jagen, er fliegt, weil er hungrig ist. Die Fliegerei kostet ihn viel Energie, er zieht seine Kreise am Himmel nicht aus reinem Vergnügen am Fliegen. Er muss überleben, er muss fressen!

Ulrichs und Alexandras Vögel werden mit Eintagsküken gefüttert, Boden- und Luftjäger, wie zum Beispiel die Eule, kriegen zwischendurch eine Maus. Auch gejagt wird mit einigen Luftjägern, und zwar die Krähe; und will man gar mit seinen Vögeln ins Zuchtgeschäft einsteigen, so gibt es wieder tausend Dinge zu beachten.
Je mehr ich zu hören bekomme, desto mehr Fragen tauchen auf: gibt es Tierärzte für Grefivögel und was, wenn man mal in die Ferien möchte? Die letzten Ferien liegen lange, sehr lange zurück. Und ja, es gibt einen Tierarzt in der Nähe und einen Spezialisten in Zürich. Aber ein Falkner lernt, eine gebrochene Schwinge zu schienen, einen verletzten Fang zu richten und er versteht sich auch auf die Pflege des Schnabels.

Vor über zehn Jahren hat Ulrich den Schritt in die Selbständigkeit als Falkner und Heiler gewagt. Es brauchte Mut, den Entscheid hat er nie bereut. Ulrich und seine Vogelschar haben mittlerweile ein bis zwei Engagements täglich, eine besondere Freude sind Alexandra und Ulrich die Teilnahme an den Mittelaltermärkten.

Ulrich und Alexandra haben ihr Glück und ihre Bestimmung gefunden und sie teilen sie mit uns.
Mit Ulrich kann ich, oder Sie, liebe Leserin, lieber Leser, hautnah die Faszination Falknerei erleben. Den Lederhandschuh überstreifen und den Vogel heranfliegen und auf der eigenen Hand landen sehen, ihm so nahe sein, dass man die feinsten Federchen sieht, sein Gewicht spürt und seine Kraft. Mit dem Vogel auf der (Leder)Hand spazieren, sehen und erleben, was ein Falkner macht. Oder man kann sich der ruhigen Gelassenheit der Eule Einstein hingeben, sie streicheln, die flaumweichen Federn berühren. Berührungen, die Eulen offenbar lieben, im Gegensatz zum Falken oder Bussard, die sich mit verbaler Aufmerksamkeit begnügen.

Ich bin überzeugt, dass wir mit der Natur achtsamer umgehen, je mehr wir von ihr verstehen. Daher finde ich es grossartig, macht Ulrich auch beim 'Ferienpass' mit. Die Kinder lernen eine Menge über das Verhalten der Tiere und sie dürfen sie auf der behandschuhten Hand halten – was den einen oder anderen etwas Mut abverlangt. Sicher ist, dass sie dieses Erlebnis in Erinnerung behalten.
Und vielleicht geht es ihnen dann wie mir, als ich letztlich am Himmel einen grossen Greifvogel kreisen sah. Ich konnte den Blick kaum abwenden, ich lächelte, da oben flog jemand, den ich (ein wenig) kannte.

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