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'FIRST STEP' - oder: Es ist nie genug

Kürzlich begab ich mich nach Bern zum jährlichen Rendez-vous Bundesplatz

Mir hat das Spektakel 'first step' sehr gefallen. Die Bilder sind grossartig, zur Musik kann man mitsingen oder gar mittanzen, es hat witzige Elemente und jeder, der den Moment der Mondlandung erlebt hat, wird in Gedanken zu diesem Tag im Jahr 1969 zurückkehren.

Als ich ins Hier und Jetzt zurückkehrte, hörte ich ein Mann, der enttäuscht äusserte, im letzten Jahr sei es viel schöner gewesen, während eine Frau sich beklagte, dass es auch heuer nichts wirklich Neues, Überraschendes gebe. Ein Paar diskutierte, dass es leider – und zwar zum wiederholten Mal – kein Schweizer Thema sei (was nicht korrekt ist. Denn das von der Universität Bern entwickelte Sonnenwindsegel, das mit zum Mond reisen durfte, kam noch vor der US-Flagge mit dem Mond in Berührung und so betrachtet, waren die Schweizer fast die Ersten auf dem Mond) und jemand erwähnte, das Bundeshaus könne es nun wirklich nicht mit Murtens Licht-Festival aufnehmen.

Was mir als Murnterin im ersten Moment schmeichelte, obwohl ich ja keinen Verdienst an der Grossartigkeit des Anlasses habe. Aber dann kam ich doch etwas ins Grübeln.
Wir vergleichen und messen alles.
Die Erwartungshaltung ist oft, dass alles immer grossartiger, spektakulärer, eindrücklicher, bunter, raffinierter, verrückter, aufwändiger werden muss. Sei es ein Essen, ein Fest, eine sportliche, schulische, künstlerische Leistung, ein Gebäude, ein Kreuzfahrtschiff, eine Reise, ein Film.

Wir sind unersättlich. Gierig. Wir wollen mehr.
Mehr Gewinn, mehr Besitz, mehr Anerkennung, mehr Liebe. Firmen wollen eine höhere Rendite, Sportler müssen von Event zu Event schneller, höher, weiter springen. Die Werbung lockt mit dem
schnellsten Auto, der exklusivsten (oder teuersten, oder billigsten) Einkaufsmeile der Welt, dem weissesten Strand; von allem das Beste (für möglichst wenig Geld und Einsatz).
Gut ist nicht gut genug.
Wann werden wir satt sein?
Ist manchmal weniger nicht mehr?
Warum muss Gutes stets besser werden?
Macht das Mehr uns glücklicher?
Müssen wir immer Vergleiche ziehen?
Vielleicht ist jetzt ein günstiger Augenblick, sich über dieses Thema Gedanken zu machen, denn die Festtage stehen (fast) vor der Tür und da ist die Devise oft dieselbe: Es ist nie genug...

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Kommentare zu diesem Artikel

Astrid

Liebe Karin
Sorry, ich muss dich einfach duzen, deine Texte sind mir sehr sympathisch.
Ich bin gleicher Meinung wie du und kann auch nicht verstehen, wenn die Leute am Gesehenen und Erlebten immer etwas auszusetzen haben. Die höchste Gabe und das grösste Glück ist doch die Zufriedenheit. Die Freude, etwas Schönes erleben zu dürfen, ohne dies zu messen und zu vergleichen. Den Moment geniessen.
Ich jedenfalls freue mich auf das Rendez-vous Bundesplatz!